Dante 750

Irgendwann zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juni vor 750 Jahren, also 1265,wurde in Florenz Dante Alighieri geboren. Er war Dichterphilosoph. Er schrieb hinreißende Gedichte, gelehrte Abhandlungen und ein Werk, das zu den berühmtesten der europäischen Literaturgeschichte gehört: „Die Göttliche Komödie“. Der Icherzähler berichtet, wie er in einer großen, sein Leben bedrohenden Krise zu einer Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies geführt wurde. Dante schreibt das in mehr als 14 000 Versen, in einer Verkettung von Terzinen (aba bcb cdc ded efe usw.), deren Reime mal eine rauschhafte Wirkung erzielen, mal die Story weitertransportieren wie ein schnurrender Motor. Aber man kann Dante nicht aufschlagen und zu lesen beginnen. Nein, natürlich kann man nur das tun, wenn man ihn kennenlernen möchte. Aber man versteht nichts. Der Verserausch stellt sich nicht ein, weil man keine der mehr als 600 erwähnten Personen kennt, weil einem bald klar ist, dass es in dem Text von Anspielungen wimmeln muss. Aber auf wen? Worauf? Ist das parodistisch, ist das ernst gemeint? Nach noch einmal zehn, fünfzehn Zeilen gibt man auf. Von wegen Schönheit! Nichts hat man mitbekommen. Das geht auch jedem Italiener so. Das ging manchem Zeitgenossen Dantes schon so. Er selbst hat darum seine Gedichte in langen, ausschweifenden Kommentaren erklärt. Er wollte verstanden werden. Aber er wollte auch festlegen, wie man ihn zu verstehen hatte. Darum schrieb er Italienisch. (…) / Arno Widmann, Perlentaucher

#verserausch, #dante700, #williamblake

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