88. Tadeusz Dąbrowski

Die hinreißende Kompliziertheit des Polnischen verträgt sich gut mit Neuer Musik. Soviel stand am Ende des Festivals „Europäischer Dichter der Freiheit“ fest, das die Stadt Danzig im März 2014 zum dritten Mal ausrichtete. Neue Impulse setzte dabei der Lyriker Tadeusz Dabrowski, mit dem erstmals ein künstlerischer Leiter das Festival kuratierte. Dieses widmet sich ganz der Lyrik in polnischer Übersetzung – nach Durs Grünbein 2012 gewann diesmal die Kroatin Dorta Jagic, von der sich einige Gedichte auf Deutsch im Internetportal „lyrikline.org“ finden. Auch eigene Strophen wie „Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut des Schlafs“ ließ Dabrowski, Sohn einer Deutschen, vertonen.

Der 35-Jährige ist außerdem Essayist, Kritiker und Redakteur der Literaturzeitschrift „Topos“ in Danzig. 2006 gab er mit „Poza Słowa“ – was sowohl „Pose des Wortes“ als auch „außerhalb des Wortes“ bedeutet – eine bedeutende Anthologie für zeitgenössische Lyrik heraus. Doch im Grunde hält Tadeusz Dabrowski trotz all dieser vielfältigen Aktivitäten sich und seine Dichterkollegen für Einzelgänger, die man keineswegs zur Geselligkeit zwingen solle. Vielleicht hängt der ernste junge Mann mit den rotblonden Locken und der strengen dunklen Brille ja insgeheim der Auffassung des Malers Francis Bacon an, wonach es die Aufgabe des Künstlers sei, das Geheimnis zu vergrößern. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung

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