48. Wanderarbeiter-Lyrik

In China spricht man wieder vermehrt von Fließbandarbeitern, die Gedichte schreiben – mit einem traurigen Hintergrund. Am 30. September brachte sich bei Foxconn, der Firma, die unter anderem Apple-Geräte zusammensetzt, der 24 Jahre alte Arbeiter Xu Lizhi um, der seit Jahren als Lyriker hervorgetreten ist. Es war der achte offiziell registrierte Suizid dort seit 2010, als die schlechten Arbeitsbedingungen, die straffe Überwachung und die Selbstmorde der taiwanischen Fabrik in der südchinesischen Metropole Shenzhen weltweit Aufmerksamkeit erregten.

Viele der Gedichte des aus einem Dorf in Jieyang in der Provinz Guangdong stammenden Xu gingen von seiner Fließbandarbeit aus, und viele wurden in der Mitarbeiterzeitung „Foxconn-Menschen“ veröffentlicht. „Diese Worte können nur von Wanderarbeiter-Herzen gelesen werden“, heißt es in einem der Gedichte und Nachrufe, die jetzt von „Nao’s blog“, einer Website über soziale Unruhen in China, dokumentiert werden. Dort findet sich auch das Gedicht, das Zhou Qizao, ein anderer Foxconn-Arbeiter und -Lyriker, für den Kollegen verfasst hat: „Du stirbst an meiner Stelle, / Und ich schreibe weiter an deiner Stelle.“ / Mark Siemons, FAZ

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