55. Poems by Repetition

Die fotografischen Arbeiten von Natalie Czech (*1976, lebt in Berlin) bewegen sich zwischen konkreter Poesie und konzeptueller Fotografie. Sie thematisiert die Verhältnisse und Wechselwirkungen zwischen Bild und Text, Poesie und bildender Kunst und sucht nach dem lyrischen Potenzial in unterschiedlichen Medien. In ihrer Ausstellung im Kunstverein Hamburg werden nun erstmals die zwei neuen Werkserien „Poems by Repetition“ (Gedichte durch Wiederholung) sowie „Voyelles“ (Vokale) präsentiert.
„Poems by Repetition“ bezieht sich auf Gertrude Steins Theatertext „Saints and Singing“ (1922), in dem diese sich ausführlich dem Wesen und Zweck der Wiederholung widmete. Am Ende des Textes, in dem sie sich ausdrücklich für die Wiederholung ausspricht, offeriert sie verschiedene Möglichkeiten des Umgangs und bezieht sich vor allem auf eine dynamische, prozessuale und rhythmisierende Darstellungsform von Erzählung. Gleichzeitig beinhaltet die Wiederholung des scheinbar Selben hier auch eine klangliche Komponente, ähnlich des Refrains eines Songs oder eines Echos.
Vor diesem Hintergrund wählte Natalie Czech existierende Gedichte aus, die selbst bereits von einem rhetorischen Stilmittel der Wiederholung gekennzeichnet sind, u.a. von Aram Saroyan, Hart Crane, Allen Ginsberg oder Gertrude Stein. (…)

Die zweite neue Arbeit „Voyelles“ geht zurück auf das gleichnamige Sonnet von Arthur Rimbaud aus dem Jahr 1871 sowie auf seine „Lettres des Voyant“ (Briefe des Sehers). In „Voyelles“ weist er jedem Vokal eine bestimmte Farbe zu und versucht dadurch die Verbindung zwischen Ton und Farbe herzustellen. Es ist in dieser Hinsicht sicherlich eines der bekanntesten Gedichte, das sich mit dem Thema der Synästhesie auseinandersetzt. Natalie Czech geht der Frage nach, wie eine Fotografie aussehen könnte, die eine solche Sinnesverschmelzung hervorrufen würde oder ob dieses Phänomen (letztendlich) nur sprachlich wiedergegeben werden kann. Dafür hat sie 10 AutorInnen (Erica Baum, Julien Bismuth, Christian Bök, Federica Bueti, Övül Durmusoglu, Jean-Pascal Flavien, John Holten, Barry Schwabsky, Paul Stephens und Judith Vrancken) eingeladen, sich selbst einen Brief im Namen der Künstlerin zu schreiben. Darin beschreiben sie ein fiktives Foto, welches für sie den Moment von Synästhesie beinhaltet. / art-in.de

Der Kunstverein, seit 1817.
Klosterwall 23
20095 Hamburg
http://www.kunstverein.de/

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