65. Hohle Nüsse und Saftbetrieb

Ein Kommentar von Axel Kutsch

In seinem 576 Seiten umfassenden Band „Textleben“ mit gesammelten Aufsätzen und Reden, der jetzt bei S. Fischer erschienen ist, geizt der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Michael Lentz nicht mit Kritik an unserer zeitgenössischen Lyrik. Sie gipfelt in seinem Rundumschlag, daß die meisten heutigen Autoren „enttäuschend hohle Nüsse“ seien. Äußert sich hier ein wirklicher Kenner der Szene oder wütet nur ein Berserker, dem die Lust an der Provokation zu Kopf gestiegen ist?

Wenn ich an die zahlreichen deutschsprachigen Gedichtbände vor allem neuerer Autoren und mehrere Anthologien denke, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sind mir eigentlich wenig hohle Nüsse unter die Augen gekommen. Allerdings ist in der jungen Generation auch kaum Aufregendes in Sicht, wie wir es beispielsweise aus den neunziger Jahren von Marcel Beyer, Durs Grünbein oder Thomas Kling kennen. Eine Autorin bemühte vor kurzem im Hinblick auf neue Lyriker die reichlich abgegriffene Floskel junge Wilde. Ist es nicht eher angebracht, von jungen Milden zu sprechen?

Ob wild oder mild, enttäuschend hohle Nüsse muß man heute – jedenfalls in der literarisch relevanten Nische unserer Poesie – mit der Lupe suchen. Hohl ist eher in weiten Teilen der von einem Insider der deutschen Lyrikszene so bezeichnete „Saftbetrieb“. Es erinnert fast schon an absurdes Theater, wenn eine mittelmäßige jüngere Poetin mit guten Beziehungen in diesem ach so menschelnden Betrieb innerhalb kurzer Zeit ein Dutzend Preise und Stipendien einheimst und ein wenig älterer Kollege, dessen Lyrik allerdings das Mittelmaß übersteigt, in einem guten Jahrzehnt 25mal die Freuden öffentlicher Ehrungen genießen darf. Der beide weit überragende Thomas Kling hat gerade mal neun Preise erhalten.

Offenbar dreht sich heutzutage das Preiskarussell immer schneller, sobald ein Autor einmal mit einer nennenswerten literarischen Auszeichnung bedacht worden ist. Die Vermutung liegt nahe, daß sich so manches Jurymitglied konformistisch an der Auswahl vorheriger Gremien orientiert, um so scheinbar auf Nummer sicher zu gehen. Und mitunter läuft es wohl auch wie geschmiert, wenn die eine oder andere gute Beziehung vorhanden ist. Viel Saft im Betrieb, wenig Würze.

52 Comments on “65. Hohle Nüsse und Saftbetrieb

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  3. 49 kommentare reicht vielleicht mal. es sieht ohnehin nicht danach aus, als kämen neue gedanken hinzu [geschrieben vor dem nun allerletzten kommentar von christian lux, der m.e. ein guter schluß ist]. daß diskussionen selten dazu führen, daß man kontrahenten von der eigenen position überzeugt, sollte klar sein. sie sind schon nützlich, wenn positionen kenntlich werden, was nach meiner einsicht bei vielen beiträgen der fall war. auch polemik, auch mal heftige ist nützlich. ich wünschte mir, daß weniger mit pauschalabqualifizierungen à la „alle anderen reden blödsinn“ gearbeitet wird, aber dieser wunsch wird nicht erfüllt werden.

    (wer mehr dazu zu sagen hat, kann mir ja gern einen neuen beitrag schicken, hier ist denn mal schicht.)

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  4. jetzt hatte ich mir eigentlich vorgenommen, nichts mehr zu schreiben. aber „subvention“ für texte, die sowieso geschrieben worden wären? was ist denn das für ein verqueres bild? in mehrerlei hinsicht. lyriker sollen also am besten gar kein geld für ihr schreiben bekommen, weil ihre bücher kaum gekauft werden? weil etwas keinen buchmarktwert hat, soll es keine andere bezahlung geben? das ist wirr. ich bin ja nun selbst verleger und kein autor, daher kann ich auf die frage, weshalb ich schreibe auch nicht antworten. ich würde sie aber auch nicht beantworten, wenn ich schreiben würde oder wenn dann nur absurd, weil ich hinter der Frage, so wie sie gestellt ist kein journalistisches oder neugieriges interesse erkenne, sondern eine forderung nach rechtfertigung sehe: wenn du nicht schreibst, weil du an deiner kunst leidest, weil es raus muss, dann bist du nicht kafka, nicht hemingway, also schreibe nicht. ist das ihre botschaft, Herr Liebe?

    mir scheint es bei all der preiszählerei neben neid oder verdrängungsanst um eines zu gehen: die alte diskussion der welthaltigkeit versus akademisierung von gedichten. es ist ein kitschiges, überkommenes, ein hemingwaysches bild zu sagen: ein autor muss in die welt hinaus, jobs machen, ein „echtes“ leben leben, um etwas zu sagen zu haben, weil ein autor, der vom schreiben oder von vorträgen oder von schreibkursen lebt, nichts erlebt oder zu sagen hat. es ist ressentiment gegen intellektualität, gegen mediale vermitteltheit, gegen postmoderne, mit einem Wort: gegen die lebensrealität der jungen generation.

    ein preis ist keine subvention. er soll auch keine lyrik verbessern. wie soll das denn bitte gehen? er soll auch – abgesehen von dem deutschen buchpreis und vom preis der leipziger buchmesse (wo das ja durchaus funktioniert) kein buchmarketing betreiben. preise sollen immer zwei dinge: die preisstifter schmücken und den preisträger ehren und ihm helfen. natürlich würde ich mir als verleger eine werbewirksamkeit erhoffen. ich kann aber doch nicht am grad der werbewirksamkeit einen preis beurteilen. natürlich würde ich mir wünschen, lyrikverlage bekämen ebenfalls preise und förderungen. aber nur weil es die nicht gibt, fang ich doch nicht an, die preise für autoren abschaffen zu wollen.

    nochmal: preise nach selbst erfunden kriterien zu bewerten, ist unfug. sie helfen autoren, das ist eine ganze Menge. und das war ja auch eingangs Kritikpunkt, Bevorteilung von anderen Autoren, als die von einem selbst gemochten.

    und zum einwurf von Axel Kutsch: na dann mal raus mit der Sprache, wo wurde denn gekungelt, interessiert uns alle! über korruption raunen kann ich auch. was ist daran konstruktive Kritik? sie weisen nicht hin, sie raunen angebliches expertenwissen und wir sollen das einfach mal so stehen lassen. nein.

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  5. Werter rd,

    ich habe – daher auch meine Frage – keinen blassen Schimmer warum Lyriker Gedichte schreiben. Letztendlich ist es mir auch egal, wenn die Qualität der Texte stimmt. Ich habe auch mit keinem Wort behaupted, daß die Preise Schuld sind (oder haben), daß Lyriker Gedichte schreiben. Feststellbar ist jedoch, allen Preisen und Auszeichnungen zum Trotz, daß die Lyrik fast keine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit hat. Demnach erreichen diese Preise letztendlich nichts, wenn man vielleicht davon absieht, daß sich preisgewürdigte Autoren vielleicht etwas einfacher durchs Leben hangeln können. Weder gewinnt man mehr Leser durch die Preise noch gewinnt die Lyrik an Qualität durch die Preise. Wer das Talent hat gute Gedichte zu schreiben wird dies tun, Preis hin oder her.

    Provokant gesagt – aus Verlegersicht – sollten Preisgelder dafür verwendet werden „Marketing für die Lyrik“ zu betreiben, um dieser Kunstform den Stellenwert zu ermöglichen, den sie verdient und nicht um Autoren zu subventionieren für die „Produktion“ von Texten, die sie sowieso geschrieben hätten.

    Insoweit bleibe ich bei meiner Aussage, daß Ihre erste Einlassung Blödsinn war und durch den zweiten Kommentar nicht an Qualität gewonnen hat.

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    • Provokant könnte man dann auch sagen, man spare am Geld für die Bildung und setze Schüler und Studierende einfach vor den Computer, wo das Wissen ohnehin erhältlich ist. Ihr zweiter Absatz im zweiten Teil enthält zynische Züge. Vielleicht sollten wirs jetzt mal dabei bewenden lassen. Ich glaube, hier streiten sich eh die Falschen.
      Uljana Wolf hat u.a. dank des Huchelpreises mehrere tausend Bücher verkauft. Vielleicht ein Einzelfall, aber er steht Ihrer Verneinung entgegen (Zitat: „Für mich folgt daraus, daß diese Preise das Gegenteil von dem erreichen, wozu sie eigentlich gedacht sind.“) Sie suggerieren auch, dass man auf Preise hinschreibe (dass „‚Schaffenskraft'“ auf eine so genannte „Sammeltätigkeit verwendet“ werde). Das ist, nun ja, sagen wir: eine sehr sehr steile These.

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    • nur kurz: „Demnach erreichen Preise letztendlich nichts“ ist ne ganz andere hausnummer als „Für mich folgt daraus, daß diese Preise das Gegenteil von dem ereeichen, wozu sie eigentlich gedacht sind.“, denn bei der früheren version wird ein schaden angedeutet, was bei der jetzigen fassung nicht mehr der fall ist, da durch preise nichts passiert. bitte gründlicher mitlesen nächstes mal.

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    • ACHTUNG – Engel befahlen zu schreiben:

      JEDES
      ICH
      BEANTWORTET
      SICH
      SELBST

      (das milde & das wilde kopulieren zeitlos im himmel)

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  6. Lieber Ralf, Du sprichst hier einen elementaren Punkt an, wenn Du sagst, dass Preise ihren Zweck nicht erfüllen, weil sie nicht dafür sorgen, dass der Nischenmarkt Lyrik größer wird, also neue Leser gewinnt. Das kann man aber nicht den Preisen vorwerfen, von denen außerhalb des Nischenmarktes ebensowenig Notiz genommen wird wie von der Lyrik selbst. Ob ein Buch Leser findet oder nicht liegt 1) am Buch selbst und 2) an Autor und Verlag und deren Mühe, Marketing zu betreiben. Wir leben in einer Welt, in der die Menschen tagtäglich Unsummen für Dinge ausgeben, die sie nicht brauchen … nur für Lyrik geben sie kein Geld aus. Von Ausnahmebestsellern abgesehen war das aber nie anders.

    Ziel sollte es mE immer sein, in erster Linie für ein wirkliches Publikum zu schreiben, also für ein Publikum, das möglichst größer ist als der Kreis der Lyrikinsider, und das nicht nur aus Jurys und Feuilleton besteht. In FAZ und SZ besprochen zu werden ist nett fürs Ego, aber mehr auch nicht. Es bringt keinen einzigen zusätzlichen Leser, Du als Verleger weißt das, weil Du siehst, dass solche Rezensionen heute keine sonderlichen Bestellungen mehr verursachen. Stipendien sind gut und sinnvoll, weil sie dem Autor die Möglichkeit geben, sich eine zeitlang voll und ganz auf ein Buch zu konzentrieren und es fertigzustellen, was ansonsten neben dem Brotjob mitunter schwierig ist (schwierig zwar – aber sicher trotzdem machbar). Ich habe aber nicht die Befürchtung, dass die Lyrikproduktion geringer würde, wenn es plötzlich keine Preise oder Stipendien mehr gäbe.

    Es erscheint derzeit unglaublich viel Lyrik, ich schätze, mindestens ein neues Buch pro Tag. Und das für einen winzigen Markt. Viele dieser Bücher haben keinerlei Chance, jemals ein größeres Publikum zu bekommen, weil sie schlicht zu kompliziert sind, weil sie sich, wie so viele „wissenschaftliche“ Fachpublikationen, an ein winziges Publikum richten (wenn sie sich denn überhaupt an irgendein Publikum richten…). Danaben gibt es viele Bücher, die durchaus Chancen hätten, größere Auflagen zu machen, das merke ich, wenn ich Lyrikbände, die ich mag, Menschen in die Hand drücke, die mit Lyrik eigentlich nichts am Hut haben, und die den Band dann begeistert sogar mehrmals lesen und den Drang haben, drüber zu sprechen. Das zeigt mir eindeutig, dass es am Marketing hapert, dass es nötig ist, mal den Kopf aus den Wolken zu holen und ganz rational, eben wie Du sagst, zu erkennen, dass das Buch auch nicht mehr ist als eine Packung Waschmittel, die man an den Mann und die Frau bringen muss. Hier hapert es gewaltig. Das ganze Genöle über das ach so kleine Lyrikpublikum ist albern, wenn man nicht gewillt ist, Bücher auch zu verkaufen. Das soll nicht heißen, dass es nicht legitim ist, NICHT für ein Publikum zu schreiben bzw mit Marketing nichts zu tun haben zu wollen – nur warum man dann veröffentlicht, das sollte man sich schon fragen.

    Ich wiederhole daher, lieber Ralf, Deine Fragen, die ich für ebenso wichtig halte: worum es mir geht, wenn Sie mir die Frage beantworten, warum Sie schreiben. Tun Sie es für sich? Für mögliche Leser? Oder um davon leben zu können, und sei es durch den Erhalt von Preisen, wenn sich schon nicht genug Leser/Käufer finden? Also, warum schreiben Sie?

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  7. Lieber Christian Lux, es geht auch um „gute Beziehungen“, die HIER UND DA bei Preisvergaben nützlich sind – Günstlingswirtschaft nennt man es wohl. Mir sind hinter den Kulissen des öffentlichen Scheins solche Fälle bekannt geworden. Es ist sicher nicht die Regel, aber es gibt sie. Da darf man doch mal drauf hinweisen.

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  8. lieber Ralf Liebe, über den Sinn und Unsinn von Literaturpreisen kann man natürlich reden. Aber haben Sie das zu Ende gedacht? „Marktverzerrung“? Wirklich? Glauben Sie wirklich, dass irgend jemand von diesen Preisen leben kann? 10-12 Tausend Euro bei den hochdotierten. Selbst bei vielfach ausgezeichneten kommt das vielleicht einmal im Jahr vor, für eine gewisse Zeit im Leben. Selbst wenn einer davon leben kann, wieso verzerrt das den Markt? Was ist mit Markt gemeint? Sie sagen, dass die Preisträger außer den Auszeichnenden angeblich niemand lesen will. und das man folgerichtig (?) so jemanden nicht auszeichnen sollte. Also sehen Sie Markt als Sortimentsbuchhandel. Nur was im Sortimentsbuchhandel Chancen auf gute Verkaufszahlen hat, soll ausgezeichnet werden? Oder wollen Sie sagen, dass ein Preis dazu führt, dass ein Buch gekauft wird? Dann wäre es ja so, dass die Menschen das doch lesen wollen und der Preis ein funktionierender Hinweis war. Meistens aber ist das nicht der Fall. Es gibt eine kurze Notiz in den Zeitungen und das war’s. Dann war’s ja aber keine Marktverzerrung, no harm done, selbst wenn ein falscher (nur weil ein anderer „besser“ ist? wer legt das fest?) ausgezeichnet wurde.

    Oder wollen Sie keine Kunstförderung? Nur, was der Markt will? das kann doch nicht ernst gemeint sein. Dann müsste man alle Theater und Filmförderstellen schließen. Was meinen Sie, wie es da zu geht? Da geht es um ganz andere Beträge, dickere Egos, prächtigere Bilder. Trotzdem will ich diese Förderungen nicht missen.

    Ich glaube, sie wollen – wenn auch widersprüchlich – das Wort „Markt“ etwas weiter definieren. Zum Markt gehören in der Tat auch Feuilletons, Radiostationen, Literaturbühnen, städtische Kulturämter, Universitäten. Städte/Staaten/Würdenträger schmücken sich an verschiedenen Stellen mit Künstlern, dafür zahlen sie. Das war schon immer so und ist nicht immer schlecht, manchmal peinlich inszeniert, aber doch insgesamt eher harmlos. Glauben Sie, Tucholsky, Benn, Brecht hätten eine Auszeichnung abgelehnt? Das hat ja nicht mal Thomas Bernhard. Preise sind etwas ganz wunderbares, sie helfen Autoren und ab und an ihren Verlagen auf unterschiedliche Weise und das ist gut so. Die Marktverzerrung, die sie meinen ist offensichtlich: da wird einer ernährt, der aus ihrer Sicht besser was anderes machen würde als schreiben. merken Sie nicht, dass Sie da so langsam auf seltsamen Terrain unterwegs sind?

    Wenn sie also sagen, so ist es nicht gemeint, Kulturförderung will ich durchaus, aber es werden meiner Ansicht nach die falschen gefördert, weil ich zwanzig andere Lyriker kenne, die ohne Preise dastehen… tja, ich glaube, dann sind wir bei der relativ banalen, relativ persönlichen Grundaussage des Ausgangsartikels.

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    • Lieber Christian Lux,

      gegen Kulturförderung habe ich wenig bis nichts. Davon war und ist auch nicht die Rede gewesen. Wenn also z.B. die Kulturstiftung NRW einen Autoren fördert, damit dieser ein Manuskript bearbeiten oder abschließen kann, so ist dies grundsätzlich gut und wichtig. Das ist aber kein Preis, sondern ein Stipendium.

      Auch gegen den Nobelpreis, den Huchel-Preis oder den Bachmannpreis habe ich grundsätzlich erst einmal nicht viele Einwände. Über die jeweils ausgezeichneten Preisträger mag man streiten, aber auch dies ist hier nicht Thema. Ich habe keine Ahnung wieviele Literaturpreise es allein im deutschsprachigen Raum gibt, letztendlich interessiert es mich auch nicht. Wenn jedoch ein Autor von gerade mal vierzig Jahren mit drei oder vier Einzelveröffentlichungen so reichlich über ein Dutzend Preise „gesammelt“ hat, so entsteht bei mir der Eindruck, daß wesentliche „Schaffenskraft“ des Autoren für genau diese Sammeltätigkeit verwendet wird. Grob geschätzt erscheinen in Deutschland jedes Jahr so runde 300 bis 400 gute Lyrikeinzeltitel. Wenn sich die Preisvergabe jedoch auf weniger als zehn Autoren konzentriert, so ergibt sich da für mich ein nennemswertes Mißverhältnis.

      Bei einem Markt wie dem für Lyrik, den es nur im homoöphatischen Bereich gibt, gibt es auch keine „Wetbewerbsverzerrung“ durch Preise. Das habe ich auch nicht als Vorwurf in den Raum gestellt. Und ich erwarte von „meinen“ Autoren nun wirklich nicht, daß sie versuchen für einen Markt zu schreiben, den es nicht gibt, insoweit sind die Einlassungen von „rd“ ausgemachter Blödsinn. Ich erwarte aber von meinen Autoren sehr wohl, daß sie mir helfen Leser zu finden und eben nicht Preise.

      Und es wäre schon angenehm, wenn Autoren verstehen, daß sie es beim Buch mit zwei Produkten in der geichen Hülle zu tun haben. Das eine Produkt ist die Kunst, die Kultur, das andere ist – und da unterscheidet es sich nicht vom Waschmittel – das Buch, das seine Käufer finden muß. Auch wenn der „Markt“ in Zeiten wie diesen unter einem berechtigt zweifelhafte Ruf steht, so ist er nicht perse schlecht oder falsch, sondern auch ein Kriterium für die Relevanz von Kunst und Kultur. Nicht nur, aber auch.

      Lieber Christian Lux, lieber „rd“ sowie an die anderen Autoren hier. Vielleicht verstehen Sie besser, worum es mir geht, wenn Sie mir die Frage beantworten, warum Sie schreiben. Tun Sie es für sich? Für mögliche Leser? Oder um davon leben zu können, und sei es durch den Erhalt von Preisen, wenn sich schon nicht genug Leser/Käufer finden? Also, warum schreiben Sie?

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      • wie „ausgemachter blödsinn“! – das ist konsequent aus dieser passage abgeleitet:

        „Denn diese Preise ermöglichen es einem Autoren freischaffend zu schreiben, obwohl der Markt, also die Menge der möglichen Käufer (und erst danach sind es Leser!) ziemlich bescheiden ist. Diese Preise subventionieren also ein Produkt, für das sich kaum jemand interessiert. Und obwohl es Preise ohne Zahl gibt und man deswegen meinen könnte, daß die Lyrik eine Relevanz dadurch bekommt, nimmt das Interesse am Lesen von Lyrik beständig ab. Für mich folgt daraus, daß diese Preise das Gegenteil von dem ereeichen, wozu sie eigentlich gedacht sind.“

        preise sind schuld, dass lyriker lyrik schreiben, für die sich keiner interessiert. demnach, damit das gegenteil der fall ist, dürfen sie nicht subventioniert werden, keine preise bekommen, damit sie endlich schreiben, was interessiert. wenn mein blödsinn ausgemacht ist, dann haben Sie sich das selbst anzukreiden.

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  9. Es geht um Lyrik und deren Bedürfnisse, nicht um Betriebsnudelei. Wie viele Talente sind schon als Vizepräsidenten hier und dort von der Statusverwaltung egalisiert worden? Der Platzverweis arrivierten „Ankommens“ ist bei Marc Augé nachzulesen. Auch, wenn die Preisgeehrten aus anderen Poetologien gespeist werden mögen als die mir fahrbaren Flachwässer, so sorge ich mich doch mehr talenterstickende Klüngelwucherungen – als dass ich Neid auf die oft eher symbolisch-schäbigen Gaben zu verspüren vermöchte. Man betrachte dies als aus dem Abseits eingeworfene Hohlnuss.

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  10. Alle in der Lyrikszene wissen, daß man mit Gedichten kein Geld verdienen kann, trotzdem werden immer weiter Gedichte geschrieben, was zunächst auch einmal gut so ist. Ich gehe als Nichtautor zunächst einmal davon aus, daß die Autoren also Gedichte schreiben, weil sie – ich will es mal so formulieren – „raus müssen“. Und natürlich erfreut es einen Autoren auch, wenn er Leser für seine Texte findet, woran – Qualität vorausgesetzt – ja auch nichts einzuwenden ist. Vielleicht findet der Autor auch im Internet seine Leserschaft, jedoch ist der bisher gängigste Weg wohl immer noch der übers Buch in gedruckter Form. Im Idealfall stellt der Verleger die Qualität der veröffentlichten Inhalte sicher. Und eigentlich könnte damit alles gut sein.
    Ist es wohl aber nicht, denn ab hier greift das „Preisunwesen“ um sich, das Axel Kutsch berechtigterweise kritisiert (Und ja, ich bin der Verleger, der seit fast zwanzig Jahren gut und gerne mit Axel Kutsch zusammenarbeitet. Was jedoch nicht der Grund für meine Einmischung an diesem Ort ist.). Denn diese Preise ermöglichen es einem Autoren freischaffend zu schreiben, obwohl der Markt, also die Menge der möglichen Käufer (und erst danach sind es Leser!) ziemlich bescheiden ist. Diese Preise subventionieren also ein Produkt, für das sich kaum jemand interessiert. Und obwohl es Preise ohne Zahl gibt und man deswegen meinen könnte, daß die Lyrik eine Relevanz dadurch bekommt, nimmt das Interesse am Lesen von Lyrik beständig ab. Für mich folgt daraus, daß diese Preise das Gegenteil von dem ereeichen, wozu sie eigentlich gedacht sind.
    Nochmals, wer Lyrik schreibt tut dies – meinem Ideal nach – nicht, weil er damit Geld verdienen will. Er schreibt für sich und vielleicht noch für mögliche Leser. Das, was er zum Leben braucht sollten ihm keine Preise „bescheren“ sondern seine ganz normale „Schaffenskraft“.
    Benn war Arzt und hat in seinem Leben einen Preis bekommen. Laut wikipedia hat Brecht für seine Lyrik keinen Preis bekommen. Gleiches gilt für Tucholsky. Der schon häufiger erwähnte Kling brachte es innerhalb von zwanzig Jahren auf gerade mal neun Preise. Die Liste ließe sich noch fortsetzen …

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    • ich hoffe, ich gewinne nie einen preis. dann werd ich auch auf jeden fall das schreiben, was die leute so gerne lesen, dass sie es auch kaufen wollen.

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    • Koennte man nicht bitte mal das Wort „Lyrikszene“ streichen? Wir sprechen doch auch nicht von der Verleger-, Kritiker- oder Muellmaennerszene. Muss man das erlaeutern, dass Interesse an fremdem Text, sei es aus Enthusiasmus, Neugier oder Ablehnung, auch zu Interesse an den Personen hinter dem Text fuehrt? Und dass man auch zwangslaeufig andere kennenlernt, und diese dann Bekannte oder Freunde, Freundinnen werden. Aus Utilitarismus geschieht das nicht, oder zumindest nicht in hoeherer Quote als beim Rest der Gesellschaft. Und auch nicht aus einer defaetistischen Selbstzooisierungshaltung heraus. Dass man „mit Gedichten kein Geld verdienen kann“ stimmt ohnehin nicht, oder nur insofern, wie der Satz „mit Umweltschutz laesst sich die Umwelt nicht schuetzen.“ Damokles haelt natuerlich auch hier eine Peitsche bereit: Natuerlich gibt es Glaubensgruppen, die Einkuenfte jenseits des Eigenheims und eines in hoher Frequenz erneuerten Neuwagens als nicht wuerdewert erachten.
      Zu den Literaturpreisen: Preise sind nicht nur der dotierte Moment, sondern eroeffnen einen Sekundaermarkt. Dass hier bei „ungerechter“ Verteilung ein Ungleichgewicht entsteht, traegt sicher auch zu Ihrer Verstimmung bei. Es schmerzt auch, wenn man weiss, dass es „relevantere“ Lyrik gibt als die oft praemierte (milde). Aber viele Autoren filtern daraus eine Energie ab, die auch fuer spaeter entdeckbar und wertvoll bleibt, waehrend oben auf der Pyramide die Satten oft verschatten.
      Die Energie ist verstaendlicherweise endlich. Um einen Satz von Ihnen zu modifizieren: „wer Lyrik schreibt, tut dies auch, weil er damit Geld verdienen kann.“ Diese Aussage entspricht zu 0,2% dem sakrilegischen Tatbestand der Schande. Wenn das, was mir am Herzen liegt, den Effekt hatt, das was mir am Herzen liegt, weiter(hin) betreiben zu koennen, ist das doch wunderbar. Fuer die Wenigsten wird dies zeitlebens moeglich sein – auch dies ja immer wieder ein Vorbehalt –, aber im Moment sprechen wir fuer den Moment. Und wuerde man der lieben Minderheit nicht dies vorwerfen, wenn sie die unbedingte Absicherung in anderen „Schaffensbereichen“ propagierte? Als nuechterne kleine Klientel fremdprofessioneller Dilettanten.
      Mein Ideal ist uebrigens der Lyriker/ die Lyrikerin, der/ die NICHT fuer sich schreibt.
      Da Namen gefallen sind: ein Hilbig hat sich auch nicht bis ans Ende des Lebens geheizt. Und heisst der Satz: „was er zum Leben braucht, sollten ihm keine Preise ,bescheren'“, mit Blick auf Volker Braun, dass der Lyriker sein abendlich Brot nun mit Romantexten oder Theaterstuecken verdienen soll oder aber in irgendnem Sonst-so-Beruf?
      „Kein Mann ist ein anderer Mann“, schreibt Mueller im „Horatier“, und dass er „unteilbar“ sei. Gibt man sich als Autor aber einer solchen Unteilbarkeit hin, also dem Ausschliesslichen aus idealistischen Gruenden, wird man als naiv abgewatscht. Sollte man ihn aber nicht in seiner Unvernunft bestaerken?
      Etwa so: Ja, schreibt alle Lyrik, schreibt sie meinetwegen tot, auch das waere der Anfang eines Endes. Aber immer das Elterliche …
      Gestern erzaehlte Ingeborg Harms in der FAZ ein auch aus ihrer Sicht ephemeres Buch nach. Auf fast einer halben Seite. Diese Verschwendung, bisweilen als Morbus Bohlen (aka Hegemann-Roche) auftretend, ist es doch eher, was den Relevanzraum einschraenkt. Wie oft wird wie besessen einem Phaenomen Unerheblichkeit attestiert und zugleich das Erhebliche verschwiegen? Natuerlich ist es nicht der einzige Grund fuer die fehlende Breitenpopularitaet der meisten Lyrik. Aber vielleicht der noch am wenigsten Diffuse.

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  11. „(…) Hier kommt sicher kein Dichterkollege vorbei. Die sitzen alle am Prenzlberg. Und suchen das Neue an ihrer Literatur. (…)“ ZITAT: Auszug aus „LÄKTORITIS PLAGIJATIS“ (c) Copyright by http://www.LYRIKSZENE.de

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  12. (c) Copyright by http://www.ÜBERWELTiGT.de

    Tom (de) Toys, 8.8.1993
    (Uraufführung beim vereinsinternen 1.SocialBeat-Festival-Brunch)

    EGOLITS
    (GEDICHT OHNE INHALT)

    und wieder schlagen sich
    die künstler ihre köpfe ein
    und wollen alle wichtig sein
    so wichtig daß kein andrer zählt
    der inhalt wird egal
    wenns publikum dich auserwählt
    die klatschen bis die show vorbei
    danach gehts weiter im eigenen brei
    und wer nicht gut ist
    der ist schlecht so schlecht
    du machst es niemals jedem recht
    du machst die sache niemals richtig
    jeder findet nur sich selber wichtig
    schweigen ist erlaubt
    nur sprachlos reden nicht
    wer auf der bühne länger wartet
    übersieht die gottverdammte pflicht
    für alle andern mitzudenken
    das theater von da oben lenken
    sich das hirn für dich verrenken
    weil du dich nicht selber traust
    das halbdurchdachte zu verschenken
    solange du auf sehnsucht baust
    muß alles schneller sein
    als die erwartung jener masse
    oder sitzt bald vorm gericht
    mit deinen viel zu alten kinderfragen
    können sie dich leicht beklauen
    deine lust zur äußerung versauen
    lästern sie ins offene gesicht
    tief drinnen schmerzt das kleine licht
    und während sie dich stolz verjagen
    kann die verwunderung noch nichtmal klagen
    künstler geben sich die blöße
    bier und wut und frauenschösse
    willst du dich dazugesellen
    muß dein schwanz sich größer stellen
    besserwissen als die hoffnung braucht
    das herz verschlissen bis die rolle schlaucht
    und wenn dann noch ein funken kraft
    dem anderen zu nahe kommt
    ist dieser schlimmste sprung geschafft
    bevor dein schwanz ganz abgeschlafft
    und jeder glaubt du hättest was gerafft
    und jeder läßt dich dann zufrieden
    das ist abgespritzte macht
    oh macht dem künstler
    der sich zu gebärden weiß
    behauptet seiner sei der beste scheiß
    wenn alles sich verschieden reimt
    wir brüllen wieder schwarze raben
    lauter als geduld zu haben
    besserwissen als in ohnmacht laben
    salzig schmeckt die künstlersuppe
    aus verschwitzten und verbuchten staben
    TÖTET DIE FREIHEIT
    TÖTET DIE KUNST
    DANN SEID IHR BEREIT
    FÜR DEN BÜHNENDUNST
    TÖTET DIE FREIHEIT
    TÖTET DIE KUNST
    DAMIT IHR VERBLÖDET
    IN ZUSCHAUERGUNST
    ach wie gut daß keiner weiß
    daß ich nur dichter aus verarschung heiß
    sonst hätten sie mich längst gefeuert
    fänden mich erstrecht bescheuert
    doch mein ernster blick genügt
    und die versammlung bleibt vergnügt
    und trinkt das blut aus meiner zunge
    stopft sich bilder in die lunge
    die ich selber nicht verstehe
    doch verrat das nie
    das sprengt den rahmen
    wehe wehe vor den lahmen
    muß der gott so sicher sein
    daß keiner seinen bart versengt
    piss dir nie ans eigene bein
    man huldigt dem berühmten namen
    wir bewahren unsren künstlerschein
    zum eintritt in die selbstgebaute nacht
    herei herei wir laden ein di mein
    di dein di dumm di dei
    wir sind der oberaffengeile wutverein
    der inhalt bleibt egal

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  13. Entschuldigung aber es gibt wirklich nichts zu argumentieren außer die inhaltliche Leere und Ungeschicklichkeit des Angriffs. Ich weiß nicht mal, wer oder was angegriffen wird. Irgendwelche Preisträger, ein bestimmter Preis, eine Jury, ein Feuilleton, eine Generation, eine Szene, eine Subszene, ein Club, einfach alle, die Axel Kutschs Lieblingsdichtern scheinbar im Weg stehen? Keine Ahnung. Solange mag ich auch nicht wie Christian Schloyer in den Hemingwayschen Ring steigen. Das wäre nur Schattenboxen. Wo ist denn in dem Beitrag das sich-selbst-oder-andere-infragestellen? Wäre ja in der Tat fruchtbar. Findet aber gar nicht statt. Wenn es so beispiellos namenlos wabert, sind es lediglich Ressentiments. Zumindest riecht es danach.

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  14. Sehr geehrter Gerrit Wustmann,
    was denn wie welcher Art getroffen? Und wer „kloppt sich“? Ich denke, die Reaktivität hat gezeigt, dass Diskussionslust besteht, aber worauf denn reagieren? Dass sich das „Preiskarussell immer schneller“ dreht? Oder dass „auch kaum Aufregendes in Sicht“ sei? Da käme doch sicher irgendein „Zuschauer“ mit der Stusskeule und sagte: na jetzt positionieren sich die Süßen aber wieder mal selbst. Kommentare wie Ihrer laden zu nichts ein außer zu Zurückhaltung.
    Wirklich einsatzwert wäre ja nur eine sicherlich „argumentativ interessante“ Diskussion mit Michael Lentz. Da der aber fehlt … genau.

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    • Eigentlich ist der Artikel im Link aber auch nicht mehr als ein etwas verblasener „Gefällt mir nicht“ Button. Dass Germanisten sich irren: ja, z.B. gern über Falb, Cotten Rinck. Hier solls denen aber in die Schuhe geschoben werden. Man kann es natürlich kaum gleichzeitig fordern: dass sich Sinn und Konnotationsfelder Verschieben und dass Lyrik präzise ist. Denn die Diagnose Präzision verlangt einen unverrückten Maßstab. Es sei denn man wolle sagen: Für die anderen verschiebt sich etwas. Ich selbst sitze mit meinen litertaturwissenschaftlichen Maßstäben da und bin der liebe Gott.
      Ich weiß natürlich nicht, was die Frohnaturen tun, wenn sie klüngeln. Ich weiß nur, dass ich ganz gerne manche Dichter kennenlerne. Um ein neutrales Bsp. zu geben. Wenn ich mit X über Heidegger rede und nicht schreibe, macht es schon einen Unterschied zu sehen, wann ihre Rede von einem ironischen Flackern im Augenaufschlag oder dieser oder jener Nuance der Stimme begleitet wird. (Nicht weil ich dem Autentizitätswahn anhänge, sondern weil sich die Zeichenreihen mehren lassen, die einem zur Verfügung stehen.)

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  15. Wow … 18 Kommentare … die ich in der Hoffnung auf eine prägnante, argumentativ interessante Diskussion las … was ich fand: Sehr interessante Beiträge von Kutsch und Schloyer und ansonsten haufenweise Stuss, der an die berühmten getroffenen Hunde denken lässt… Die Lyrikszene tut mal wieder, was sie noch besser kann als Gedichte schreiben: Sie kloppt sich. Immerhin: Es ist amüsant…

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    • wieso eigentlich? keiner der kritiker an kutsch‘ aussagen hat ihm aggressiv frust, neid, unvermögen aufgrund von talentlosigkeit oder ähnlichem unterstellt. wieso dann dieser erbärmliche ausfall richtung „getroffene hunde“, gerrit? da geht doch sicher mehr, oder? man versuchte sich an der sache, nicht im kaffeesatzlesen über die motive des personals.

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  16. Ich habe demletzt noch einmal Kling gelesen, seit langer Zeit zum neuerlichen, und auf mich wirkten die Gedichte sehr verblasst, einer Avangarde zugehörig, die nicht über ihren eigenen Tag hinaus reicht. Geradezu erschrecken fand ich, wie leicht die Machart – die mir vor zwantzig Jahren so heftig gebrochen, teils schwer durchschaubar vorkam – wie leicht sie also jetzt zu erkennen war.

    Da hat sich die Form (und die Funktion) von – sagen wir – Christensen deutlich besser gehalten.

    Und nota bene: Wer mich, Vosz, einen Milden nennt, soll gehen und sich ins Knie ficken.

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  17. http://poemie.jimdo.com/pseudonyme/herold-himmelfahrt/

    Herold Himmelfahrt, 23.12.2003

    MAINSTREAM

    oder all die großen preise
    die nur an ganz große dichter
    ausgeschüttet werden
    eine tradition
    der gegenseitigen absegnung
    selbstbeweihräucherung
    vetternwirtschaft
    fiese schmücken sich mit fürsten
    großverlage fördern alibis
    berühmte werden noch berühmter
    reiche baden in der wassernot
    von unbestechlichen
    bis denen ruhm und ehre
    posthum so verliehen wird
    daß neue preise ausgerufen werden
    neue wettbewerbe ausgelobt
    und die verlierer ausgebuht am tage
    der beerdigung wenn redakteure
    mit pro anschlag gut bezahlten nachrufen
    die eigene scheintote heimat füttern

    (c) Copyright by http://www.WELTPOESIE.de

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  18. Warum wird es eigentlich als Fortschritt betrachtet, dass unserer Generation „der machismo dieses unbedingten willens zur kunst bei gleichzeitiger definitionshoheit darüber, was überhaupt als kunst gelten darf“ verloren gegangen sei? Ich für meinen Teil finde diesen „Machismo“ (unabhängig vom Geschlecht derer, die sich einem solchen bedienen) überaus attraktiv und wichtig, zeugt er doch von einem Mut, sich in die Nesseln zu setzen. Jede Form von Positionierung scheint verpönt zu sein, da muss man nicht einmal „gesellschaftsrelevant“ oder „politisch“ daherreden, es reicht da schon eine erkenntniskritische poetologische Positionierung.
    Ich könnte mir eine Streitkultur vorstellen, wo man sich – meinetwegen in aller Freundschaft – auch mal einen Fehdehandschuh zuwirft. Die Gefahr, dass das überwiegend zu hohlnussiger Schattenfechterei führt, ist gegeben, aber hinzunehmen. Denn diese Streitkultur zugunsten eines postmodernistischen „Anything goes“ komplett zu begraben, wie es wohl geschehen ist, könnte ein Grund dafür sein, warum (jüngere) Lyriker heute kaum mehr wahrgenommen werden. Dieser Burgfriede mag zwar die allerschönsten lakonischen Blüten treiben und sehr nobel sein, könnte aber auf Dauer fad werden.
    Mit Kling ging es mir immer so, dass mich seine Gedichte einigermaßen interessierten – wirklich fasziniert aber haben mich seine poetologischen Überlegungen im Itinerar. Auch auf die Gefahr hin, dass eigene Lyrik und eigene poetologische Positionsfindung auseinander driften (oder als auseinanderdriftend wahrgenommen werden): Sich und andere in Frage zu stellen, lohnt. Das kann nie verkehrt sein.

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  19. auch wenn die namen nicht genannt werden, es gibt überhaupt nur zwei protagonisten, auf die die beschreibungen passen: ulrike almut sandig und jan wagner. sie dann trotzdem nicht zu nennen, ist allerdings perfide. dieser entsetzlich ermüdenden debatte will ich nur folgendes noch anfügen: was an kling, trotz vieler stärken, und an den meisten seiner generationsgenossen und auch vieler noch älterer dichter, so unendlich nervt, ist seine herrische geste. der machismo dieses unbedingten willens zur kunst bei gleichzeitiger definitionshoheit darüber, was überhaupt als kunst gelten darf. ich kann das kaum noch lesen. von einer solchen haltung und dem damit verbundenen autor- und leser- und kunstbegriff wegzukommen, das zu reflektieren und sich beständig gegen dieses patronizing, auch das je eigene, zu wehren und nach anderen formen des umgangs, miteinander, mit sprache im gedicht, mit erwartungen .., zu suchen bzw. sie herzustellen, was von etlichen als milde abgetan wird, halte ich für eine der größten errungenschaften der gegenwärtigen sogannten lyrikszene. und das ist eine ziemlich neue entwicklung, und eine qualität, die ich gar nicht genug loben kann.

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    • Nein! Ulrike Almut Sandig ist es nicht. Wenn ich sie als mittelmäßige Lyrikerin bezeichnen würde, wäre es eine Beleidigung.

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    • ich kann daniela nur beipflichten – der herrische und auch aggressiv vorgetragene anspruch vieler, v.a. klings in dieser generation, den wahren und einzig richtigen zugang zur kunst zu haben, hat mich, damals unerfahrener und leichter beeindruckbar, nicht nur genervt, sondern mich manchmal sogar geängstigt und eingeschüchtert – auch wenn ich einige seiner gedichte mag.
      das attribut „mittelmäßig“, das axel kutsch hernimmt, um eine dichterin einzuordnen, stammt genau aus dem vokabular solcher haltung, genauso übrigens wie „ausnahmedichter“, „meister“, „eine größe“ etc. so eine haltung, wie die dazugehörige sprechweise finde ich für zeitgenössisches kunstschaffen ganz schön unangebracht. genauso, dass lentz meint, die jüngere generation als „hohle nüsse“ einordnen zu können – fast schon peinlich, so ein gestus.
      und wirklich ein glück, dass es eine neue generation, oder einfach ein paar vernünftige leute gibt, die sich offen, ernsthaft, neugierig und ohne konkurrenzängste ihren eigenen und den arbeiten anderer widmen.

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      • und jetzt fangt bloß nicht an, zu spekulieren, wen kutsch meint, sondern begegnet der enlassung mit der ignoranz, die sie verdient.

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      • ich finde es zudem müßig, vom Literaturbetrieb oder „Preiskarussell“ Gerechtigkeit zu erwarten, und auch Trennlinien, die es geben mag, zwischen den Generationen festzumachen – es ist also nicht nur schlichtweg eine neue Generation von Dichterinnen und Dichtern, die sich „offen, ernsthaft, neugierig und ohne Konkurrenzängste“ zeigt, diese Leute finden sich in jedem Alter. Und dies betrifft ebenso das mehr oder weniger „Wilde“ resp. „Milde“ – es spricht mir von wenig Differenzierungsvermögen oder -bereitschaft, wenn man das einfach per Pauschal(vor)urteil ignoriert. Ich denke auch, daß sich jüngere Dichterinnen und Dichter nicht weniger mit der Wirklichkeit auseinandersetzen oder sich einmischen …

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    • Die Kategorie »mild« als aus dem Ärmel des »wild« geschüttelt ist ohnehin nur ein recht trivialer Kalauer-Übersprung. In betreffender jüngerer Vergangenheit hatte sie Peter Geist ins Spiel gebracht. Per se da und dort nachvollziehbar, kann der Vorwurf insgesamt nicht wirklich treffen. Nur weil ein Sprachspiel eine Kategorie öffnet, müssen da nicht gleich auch die entsprechenden Inhalte sein. Selbst wenn die »Milde« generell oder generationell wirksam wäre, sollte man dann doch fragen, warum es so ist. Literatur ist (auf die Gesellschaft bezogen) bedingungshaft ― und nicht nur Resultat der Auseinandersetzung mit Klingen/Klings oder Nichtklingen.
      Lakonie etwa ist viel präsenter als die oder das Milde.
      By the way tut es gut, aus verschiedenen poetologischen Richtungen Vorbehalte gegenüber der oft propagierten qualitativen Wirkungsmacht von Thomas K. zu hören.

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      • jayne-ann, ich habe ja auch geschrieben, dass es „ein paar vernünftige Leute“ sind, und nicht nur die, oder eine, jüngere generation, die sich offen, ernsthaft usw.

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      • Martina, das war auch nicht auschließlich auf deinen kommentar bezogen, wollte nur da anschließen, weil sich auch daniela in diese richtung geäußert hatte, während du es ja dann relativierst. Ich habe eben den eindruck, daß uns diese generationensache generell nicht weiter bringt (wie sie oben im artikel zelebriert wird) …

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      • NAMEDROPPING

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Michael L. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Marcel B. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Durs G. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Thomas K. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Axel K. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Jayne-Ann I. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Richard D. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Christian L. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Mario A. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Konstantin A. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Tom de T. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Ulrike Almut S. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Jan W. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Daniela S. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Martina H. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Jan K. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Peter G. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Ron W. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Christian Sch. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Inger Ch. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Florian V. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Gerrit W. zu hören.

        By the way tut es gut, aus verschiedenen
        poetologischen Richtungen Vorbehalte
        gegenüber der oft propagierten qualitativen
        Wirkungsmacht von Tom B. zu hören.

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  20. …und der höchstdotierte deutsche Lyrik-NAHBELLPREIS bekommt eine neue virtuelle Heimat!!!

    ÜBER DEN http://www.naHbellPREIS.de JETZT AUF JIMDO – aus der aktuellen Pressemitteilung:

    G&GN-UPDATE 15.10.2011 @ Jimdo-Poemie-Startseite / „(…) Als einzige Großbaustelle fehlen jetzt nur noch die Nahbellpreis-Dokumente, ausgerechnet jenes Projekt, das auf meine älteste Vision in meiner Jugend zurückgeht! Ich „sah“ damals im Geiste eine renovierte alte Villa, wo die Stiftung „ASYL FÜR DAS UNBEKANNTE GENIE“ residieren sollte: mit genügend Arbeitsräumen und Schlafplätzen, um jeden überraschenden Gast wie einen Heiligen aufnehmen zu können, ganz gleich in welcher „schwierigen“ Bewußtseinsverfassung und zu welcher Tages- oder Nachtzeit er/sie an die Tür klopfen würde und (womöglich verwirrt, verzweifelt, verlebt oder verschüchtert) um Einlass bäte. Einzige Bedingung für die spontane umfassende Notfallförderung sollte ein irgendwie akut in Arbeit befindliches Inspirationsprojekt sein, das den Stipendiaten derart überfordert und vereinnahmt, daß er/sie den alltagsfernen Schutz dieser Villa benötigt, um hier über einen gewissen Zeitraum sein Werk ungestört zu gebären… Leider gibt es bis heute noch immer keinen Mäzen für die bisherigen Nahbellpreisträger, so daß auch ich immer noch mittellos auf ein Wunder warte, um meine Vision zu verwirklichen. (…)“

    HELAAF! HELAAF!! HELAAF!!!

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  21. Hohle Nüsse sind geschmacklos, leere Schalen, es erübrigt sich mit dem Spruch zu spielen, der die meisten heutigen Autoren schlicht zu Deppen degradiert. Den Beweis dafür müsste man in Lentz Kritik finden können. Ich bezweifle das aber. Auch wenn ich denke das brutale Kritik am Literaturbetrieb bzw. der dazugehörigen “Szene” völlig angebracht ist, so denke ich auch, dass diese Kritik schon dann daneben und lächerlich wird, wenn sie nicht im eigenen Munde, vor allem Kopf bleibt, wo sie wirken könnte, sondern in dem Geseier Platz (Bezahlung und Absatz) findet gegen dass sie sich richtet. So degeneriert die Kritik zu Polemik und Attitüde und jeder vermag sich dann daran hoch zu ziehen und seine, ins Absurde geglittene, “Kritik” an der Sache vorbringen, die aus einer womöglichen Angekotzheit entsteht, die man erreicht wenn man (aktuelle) Lyrik liest. Diese Angekotztheit ist wohl eher Ergebnis aus der Differenz zwischen der Lyrik im Angebot und dem was einem davon am Ende gefällt, was sich noch durch den Pathos multiplizieren lässt um den sich Laudatoren, Juroren und andere Enthusiasten bemühen, um der so eben veröffentlichten und/oder prämierten Lyrik eine Relevanz zu geben, die sie schlicht nicht hat und wahrscheinlich niemals und nimmernich hatte. Wer glaubt dieses Theater zu entlarven und sich dabei selbst auf die Bühne stellt und eifrig den Voodoo mit betreibt und nach Genies und den”guten” den“richtigen”  Texten sucht, der kann nur ebenso scheitern.                   

    So auch Axel Kutsch, der zurecht das Preiskarussel hinterfragt und dann selbst nichts besseres, (und es scheint wie Kritik)  zu schreiben weiß als einen Preis & Stipendien Highscorevergleich, den man nur richtig finden kann, wenn man selber Zuckerwatte mampfend vor dem Zirkus verharrt und dann noch meint zu wissen welches auf und ab schwebende Pferd das äh bessere ist. Da hilft auch nicht das abgewandelte Bild vom milden Wind. So mild oder wild waren deutsche Autoren wohl nie gewesen, das ist reine Befindlichkeit und den Wind machen sowieso immer andere.

    So auch rd, der hier ernsthaft das Heranziehen von Kling mit der Hitlercard in Verbindung bringt (auch wenn du es als Frage formulierst wird dieser Vergleich erst durch dich geschaffen.) Kurz zum Verständnis möchte ich hier mal das passende Zitat von Leo Strauß einbringen. Denn…

    „Unglücklicherweise ist es notwendig, darauf hinzuweisen, dass man in unserer Untersuchung den Fehlschluss vermeiden muss, der in den letzten Jahrzehnten häufig gezogen worden ist, als ein Ersatz für die reductio ad absurdum: Die reductio ad Hitlerum. Eine Ansicht wird nicht widerlegt durch die Tatsache, dass sie zufällig von Hitler geteilt worden ist.“

    Abgesehen davon das Hitler gewisse Ansichten nicht nur zufällig teilte, stimmt das natürlich. Nur weil Hitler Schäferhunde liebte ist die Liebe zu Schäferhunden nicht Grundsätzlich schlecht, sowie es die eigene Lyrik nicht besser macht wenn man wie Kling an Lungenkrebs stirbt, also Rauchen macht noch keinen guten oder gar wilden Poeten. Rd’s Vergleich funktioniert schon deshalb nicht weil kein Mensch ernsthaft Kling zum absoluten Positiven erklärt sowie Hitler zum absoluten negativem geworden ist. Nein, die Frage von rd lässt sich schon deshalb mit nö beantworten, weil immer irgendwo irgendwer vorgebetet wird, manche gleichzeitig über, hinter und miteinander. Keiner dieser Autoren kann etwas dafür dass er als Vergleichs-Skrotum herhalten muss. Im Gegensatz zu Hitler, der sich seine Negativkonnotation absolut verdient hat. So ist die Frage nach einer Klingcard schlicht übezogen.

    Kling ist für mich, wie für Andere, ein praktisches Vorbild und von jedem Vorbild muss man genauso lernen wie man es überwinden muss. Was man auf jeden Fall überwinden sollte ist eine Attitüde gegen junge, aktuelle Lyrik die mit Kritik verwechselt wird. Die so formuliert ist, als wäre es je anders gewesen. Als würde hinter dem was populär ist oder für wichtig erachtet wird nicht zu aller erst die Finanzierung und die gut gepolten Beziehungen stehen. Als hätte es je etwas anderes gegeben.

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    • ich habe bewusst nicht schlicht leos „reductio ad hitlerum“ verwendet, ist doch, in dieser positiven verkehrung, das argumentum ad verecundiam ebenso entscheidend wie „der hat das (auch) so gemacht, also“. name dropping, alter, darum geht es auch. es spielt keine rolle, was man sagt, solange man den superdupertollen kling für seine argumentation einspannen kann, beziehungsweise jener diese ersetzt.

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    • Das ist aber sehr fatalistisch und oikosfromm gedacht, was Sie, Herr Apel in den letzten beiden Sätzen schreiben, obendrein verkürzt: wie entstehen Beziehungen denn, die man irgendwann hat? Fallen die vom Himmel? Gibt es gar keine Leute, die man als Jurorin oder Kritiker zuvor noch nie gesehen oder gehört hat – und die man dann doch, statt der allzubekannten Visagen und Streberfrisuren, prämiert bzw. bespricht, auch mal wohlwollend? Was spricht dagegen; und was gegen Geselligkeit? Soll ich in Zukunft keinem Kritiker mehr die Hand schütteln und darf ich unbekannten Damen keine Komplimente mehr machen: es könnte sich ja hinterher irgendwann mal herausstellen: Mist, eine Jurorin, die mir jetzt auch noch einen Preis verschafft hat. Das zwangsökonomisiert und profanisiert die zwischenmenschenlichen Verhältnisse. Was für ein Gesinnungsterror! Ansonsten stimme ich Ihren Beobachtungen und Vorschlägen ja teilweise zu. Womöglich reicht es, von der Thomas-Kling-Card als der Lyrik-Greencard zu sprechen. Ich gestehe an dieser Stelle im übrigen, ab und an die selben Buchstaben zu verwenden und zuweilen sogar die gleichen Wörter wie der große Meister TK. Es gibt eine Verschwörungstheorie, nach der TK direkt vom Geist der TkH empfangen wurde und nach dem Überschreiten irdischer Fesseln (als Mann aus Reydt getarnt) als veritabler Weingott durch Bingener Weinberge tobt und die Schnecken erschreckt; rds Frage ist pointiert formuliert und hat, nach meinen Erfahrungen mit depotienzierenden Vergleichsverfahren von Betriebsmenschen, volle Berechtigung. Fragen können nicht überzogen sein, Kuchen kann und sollte überzogen sein. Den Schäferhund und andere Insignien des Teutonischen = Treudoofen find ich auch total hitler.

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  22. der Einwurf ist obendrein relativ unentschlossen oder boshaft. Scheinbar wird Lentz widersprochen, um bloß nicht anzuecken und dann wird ins gleiche Horn geblasen. „die jungen Milden“ ist doch nur die vorsichtige Formulierung für „enttäuschende Nüsse“, wobei eine Nuss immerhin noch schmackhaft sein kann, selbst wenn sie enttäuscht. das maß der enttäuschung kommt ja auch auf die nusskonsumerwartungshaltung an und was daraus außer persönlichen vorlieben zu folgen war, hängt damit zusammen ob diese Erwartungshaltung halbwegs realistisch war. Die jungen wurden immer schon als wild deklariert, das haben alle generationen gemeinsam, es ist ein klischee. aber das „w“ auf den kopf zu stellen, ist nur bedingt pfiffiger. wer sind eigentlich die jungen Milden? ich hätte gern Namen. entweder saubere angriffe oder gar keine. sonst bewerf ich künftig alle über 40jährigen mit ausgetrockneten rosinen. mild sind die jungen eigentlich nur, weil sie diese halbgaren beschimpfungen der älteren generation hinnehmen und nicht zurück beißen. aber warum auch? es stimmt, dass die 40-60jährigen Dichter es in Deutschland immer schwer haben, weil sie aus allen Fördertöpfen fallen, für die Debütpreise nicht in Frage kommen und für die Lebenswerkpreise noch nicht alt genug sind. Das wird auch die heute Jungen treffen. So hacket doch bitte in Richtung jener, die euch eure Insel wegnehmen, nicht auf die paar Inseln, die es gibt. Ich wundere mich immer wieder über die Kritik an Literaturpreisen. Ihnen vorzuwerfen, dass sie nicht objektiv die besten auszeichnen, ist schon reichlich naiv. Das steht als Ziel meines Wissens in keiner Ausschreibung, wenn sowas behauptet wird, ist es legitimes Marketing der Preisausrichter für das der Ausgezeichnete nichts kann. Es ist die eigene relativ wüste Idealvorstellung, deren Nichteinhaltung man der Sache zum Vorwurf macht. Irgendwie albern.

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  23. who the fuck is eigentlich dieser kling, den man ständig überall vorgebetet bekommt? ist das jetzt die hitler-card der deutschsprachigen lyrik, wenn einem sonst als argument nichts einfällt?

    das mit dem „insider“ ist schon sehr boulevardpresse. dabei dann auch schön keine namen nennen, kann man ja hinterher brav bestreiten, wenn einem das ‚menscheln‘ wieder in den eigenen kram passt.

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  24. man blicke nur auf die schreibweise des wortes karussell – und man begreift, warum es so schnell … Es gibt allerdings auch bei den literaturpreisen einige, die sich als sackgassen für die damit bedachten erweisen …

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