62. Feuer-Infusion

Das Verlagshaus J. Frank | Berlin verbindet Literatur und Illustration auf ungewöhnliche Weise. Insbesondere in der »Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration« wird der interdisziplinäre Ansatz deutlich. Beiträge zeitgenössischer Autoren, ein Querschnitt durch unterschiedlichste Gattungen und Mischtexturen, werden durch herausragende Illustratoren interpretiert. 

Am 24. September erscheint die elfte Ausgabe der Zeitschrift in Form einer Sonderausgabe: 13 Autoren und Autorinnen der Berliner Lyrikgruppe G13, die sich daran macht, die neue deutschsprachige Gegenwartslyrik mit einer Feuer-Infusion zu entfachen, präsentieren ihre Texte. Gedichte der Gruppe um Max Czollek, Maria Natt, Tristan Marquardt u.a. wurden von namhaften Illustratoren wie Dieter Jüdt, Maike Plenzke, Mehrdad Zaeri, Guglielmo Manenti u.a. interpretiert. Die Präsentation am 24. September ist der Auftakt zu einer bundesweiten Lesereise!

Die Präsentation der neuen Ausgabe der »Belletristik« findet im Rahmen der Veranstaltung »100 Thousand Poets for Change« am 24. September in der Z-Bar statt. In inspirierender Atmosphäre lesen hier die Autoren ihre Texte, parallel dazu werden die Illustrationen über einen Beamer präsentiert. Die globale Veranstaltung »100 Thousand Poets for Change«, initiiert von Michael Rothenberg (Autor, Herausgeber und Songwriter aus New York), verbindet an einem Abend 600 Lesungen in 450 Städten und 95 Ländern.  

Weitere Informationen zum weltweiten Tag der »100 Thousand Poets for Change« findet ihr hier: http://www.facebook.com/event.php?eid=106999432715-571&amp%3Bref=ts

Das Verlagshaus J. Frank | Berlin, 2005 gegründet, ist ein Independent-Verlag und auf neue Literatur und Illustration spezialisiert. Neben der »Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration« erscheinen die »Edition Belletristik«, »Bibliothek Belletristik« sowie die »Edition Panopticon« und die »Edition Polyphon«. Parallel zur Lesereihe »Herzblut« wird vom Verlagshaus das internationale Festival für zeitgenössische Kammermusik und Gegenwartsliteratur »Zeitkunst« veranstaltet.

Präsentation der neuen Ausgabe der »Belletristik«:
Samstag, 24. September 2011 // 21 Uhr
Z-Bar Berlin, Bergstraße 2, 10115 Berlin (nahe U-Bahnhof Rosenthaler Platz)

16 Comments on “62. Feuer-Infusion

  1. Kritik = Schimpfen? Wer schimpft denn hier? rd nicht, Bertram nicht, ich selbst auch nicht; wir kritisieren den Ankündigungstext und die dazugehörige Haltung aus unterschiedlichen Blickwinkeln; wir kritisieren doch nicht diejenigen, die auftreten werden, auch nicht implizit, das hat rd expliziert, Bertram und ich haben es auch expliziert. Sind rhetorische Fragen Fragen?

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  2. in meinen anfangstagen schrieb ich bisweilen in kneipen mit brennenden kulis auf bierdeckel. das wurden verdammt knappe texte. die kulis lieszen sich trefflich in den wie dafuer designten altbierglaesern loeschen. ich schrieb auch lustig wahnsinnige ankuendigungstexte. die einen ignorierten das, die andern kamen zuhauf. ich war jung, ignorant, zuenselte in meiner freizeit & gab salzwasserinfusionen im rahmen des zivildiensts, hatte allerdings noch kein internet, um mich fuer alle sichtbar aufzuregen. schade eigentlich. fire walk with you!.

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      • aber, aber! wer weisz denn hier bereits, ob die ankuendiger ihren anspruechen am ende nicht gar gerecht werden? hingehen, checken, dann schimpfen – waer das nicht die passende reihenfolge fuer einen kritiker?

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    • Lieber Stan, was Du in jungendlichem Leichtsinn mal getan hast, musst Du natürlich mit Dir abmachen 🙂 . Denen erweist Du aber einen Bärendienst. Gerade das scheinen sie „Verlagshaus J. Frank“ nicht sein zu wollen! Und sie sind auch schon ein paar Jahre dabei. Auch Anfänger dürfte die ärgern. Höflichkeit auch Gelassenheit kann man als Wert erwarten. (Ich komm jetzt wohl in das Alter, wo mans von mir erwartet ja?)
      Ich hab aber die Utopie, dass Leute lernen, wenn mans denen deutlich sagt: Sie nehmen eine Werbesprache, „von führenden Spitzenköchen eine Fusion der Sinne (sagen wir Käse mit Preiselbeeren) Eine feurige Impression der Sinne lässt ihren Gaumen aufleben, in inspirierender Athmo“ oder was weiß ich … Autoren wie Crauss oder Voß, man muss ihn ja nicht mögen, um das einzusehen, tut man doch keinen Gefallen, wenn man sie so anpreist wie Sauerbier.
      Ich habe wirklich keine Erfahrung mit solcher Werbeprosa, aber wenn die Leute wirklich DARAUFHIN zu der Lesung kämen, dann möchte ich den Dichtern, die vor denen Lesen sollen, mein Beileid aussprechen. (Klar sind solche Gruppenveranstaltungen eine Möglichkeit Multiplikatoren zu generieren und werden voll, aber kommen die Leute wohl eher trotz solcher Prosa. So medienkompetent sind die Leut schon, dass die sowas wie das, sofort als reines Werbeversprechen durchschauen, da kannst Du mir nix erzählen Stan.) Viel zu lang, wieder viel zu lang …

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  3. Ist so eine Infusion nicht so ein langsam tröpfelnder Vorgang? Das Bild baut sich für mich jetzt weniger dynamisch auf als es vielleicht sollte. Wäre Injektion nicht besser gewesen? Das brennt manchmal wirklich wie Feuer.

    Abgesehen davon finde ich es völlig in Ordnung wenn man sich gut verkauft, was jetzt hier nicht der Fall ist, zumal diese »100 Thousand Poets for Change« – Sache, das klingt jetzt nach „auch wir machen die Welt ein Stück besser“, nach Rednoseday klingt das und Hybrid Autos und VeggiBurger und Wutbürger. Und was sich jetzt ändert, wenn man Illustrationen und Gedichte an die Wand wirft, bleibt mir auch unklar.

    Das Konzept hinter dieser Veranstaltung bleibt echt unklar, klar wird nur das die Leute wohl echt für ihre Sache glühen. Bücher verbrennen die aber bestimmt nicht. Hoffentlich.

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    • Also eine ZZeitung mit Bildern ist nun für mich nicht etwas wo ein „interdisziplinärer Ansatz“ „deutlich“ wird. Wer einem das als etwas Besonderes verkaufen muss, der weiß offensichtlich selbst nicht, wie gängig das ist, das ist ignorant. Und dann: also eine Infusion gibt man auf der Intensivatation. Sie halten sich also irgendwie für die Retter der Poesie und sie bringen diese Rette auch den Bedürftigen in der Provinz. (Vielleicht als eine Art prometheische Fakel?) Das ist doch nochmal ignorant.
      Nein es klingt doch wirklich so: Was die anderen machen interessiert uns nicht, aber wir machen das richtig Geile. Ich glaube da schadet man seinen Autoren und hört hört „namhaften“ Illustratoren in „inspirierender“ Athmosphäre

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  4. Ankündigungstexte sind etwas Öffentliches und eine Textsorte, die Öffentlichkeit generieren soll. Mit Marktgeschrei indessen gewinnt man der Gegenwartspoesie keinen Blumentopf, Richard; so jedenfalls meine, meinetwegen altmodische, aka „empfindliche“ Auffassung. Das alles Ware ist, was ich kaufen kann, das weiß ich, dass gewisse hierachieselige Kreise es so haben wollen; aber das entschuldigt in meinen augen keine Sprachverhunzung und Geschichtsvergessenheit; ich unterstelle dem Autor des „Waschzettels“ aber keine politische Niedertracht, Ron.

    The Day After Tomorrow hab ich, glaub ich, nie gesehen, Richard. Aber die Verfilmung von „Fahrenheit 451“, wo Bücher von Staats wegen verboten sind und verbrannt werden.

    Und schließlich, Ron, zu Deiner Äußerung, dass ich etwas überkompensiere, als Erwiderung sozusagen, eine herrliche Sentenz von Sean Bonney, als Motto seiner Sammlung „Filth Screed“ vorangestellt:

    All poetry that does not testify to an awareness of the radical falsity of the established forms (of life) is faulty. Understand prosody via black bloc tactics*. No-one has yet spoken a language which is not the language of those who establish, enforce, and benefit from the facts. Language is conservative. Its conservatism issues (a) from its utilitarian purpose. (b) from the fact that the memory of a person, like that of humankind, is short.

    * archaic reference, unexplained.

    [aus: Sean Bonney – Blade Pitch Control Unit; Cambridge: SALT 2005]

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  5. „13 Autoren und Autorinnen der Berliner Lyrikgruppe G13, die sich daran macht, die neue deutschsprachige Gegenwartslyrik mit einer Feuer-Infusion zu entfachen, präsentieren ihre Texte.“

    Autsch, das tut weh! Was, bitte, soll denn eine „Feuer-Infusion“ sein? Gegenwartslyrik, die „entfacht“ wird? Brennende Gedichte? War da was? Mögen die innerlich Angebräunten und Verrohten „Sprachpolizei!“ rufen: ich find´s einfach nur lausig und gedankenlos, nach der Bücherverbrennung im Zusammenhang mit Gedichten von deren „Entfachen“ mit einer „Feuer-Infusion“ zu schreiben. Abgesehen von der historischen Ignoranz der Formulierung „deutschsprachige Gegenwartslyrik mit einer Feuer-Infusion […] entfachen“ ist im Wort „Feuer-Infusion“ metaphorisch etwas grundlegend in Unordnung. Eine „Infusion“ ist eine „Zufuhr von Flüssigkeit in den Körper mittels einer Hohlnadel“ (Duden, Die dt. Rechtschreibung, 21. Auflage, Mannheim u.a.: Dudenverlag 1996, s.d.); Feuer ist nun ein bisschen das Gegenteil einer Flüssigkeit; und: welchem Körper wird das Feuer denn zugeführt? Gibt es einen lyrischen Leviathan, der eine Zufuhr von Feuer überstehen würde? Happiness im Paralleluniversum.

    Ich vermute mal, dass das Wirken der Gruppe „G13“ in irgendeiner Weise als inspirierend empfunden wird; und das sollte wohl im Ankündigungstext zum Ausdruck gebracht werden. Das geht auch ohne die aufgezeigte sprachliche Entgleisung. Ich wünsche den jungen Kollegen von „G13“ mehr Metaphernglück als es der Autor des Ankündigungstextes hatte; bin da aber ganz ohne Sorge.

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    • na! na!, nicht so empfindlich, bitte. bei „the day after tomorrow“, da verbrennen sie auch bücher, konstantin, sogar nicht zu knapp, weil sie sonst erfrieren würden. ergo: die gegenwartslyrik ist am ende, du weißt, wie das ist, ich weiß es auch, aber vor allem die veranstalter dieser lesung wissen das.

      was mich viel mehr beschäftigt ist, wieso die einen autoren herausragende illustratoren, die anderen aber namhafte zur seite gestellt bekommen. denk mal drüber nach.

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      • Dears, ist das so eine Art Überkompensationspenibilität? Reibt euch doch nicht an Waschzetteln auf. Ich jedenfalls finde eine Abgeordnetenhaussitz in der Sprache für Feuer-Infusion durchaus vertretbar. Nix Bücherverbrennung, nirgends.

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      • außer überkompensation bleibt mir doch nicht viel, ron. habe heute feststellen müssen, der viele schaumfestiger und der relativ geschickte umgang mit dem kamm täuschen nicht darüber hinweg, dass die glatze naht. auch wenn das meine potenz steigert, kann mich das nicht trösten.

        zum marktgeschrei, konstantin: doch, man kann damit gewinnen. ich finde es übrigens gut, dass mir solche ankündigungen sagen, was ich von der veranstaltung halten soll.

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      • muss da doch noch was anfügen: es geht mir hierbei nicht um die lyriker und lyrikerinnen, die lesen werden, oder die illustratoren. nur darum, wie erwartungshaltung und wahrnehmung durch hypende werbetexte manipuliert werden, statt einfach zu sagen, was ist, was sein wird.

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