53. Meine Anthologie 53: Carl Michael Bellman, Epistel 82

Epistel Nr. 82
oder
unerwarteter Abschied von ULLA WINBLAD, mitgeteilt auf einem sommerlichen Frühstück im Grünen

Liebste, an dieser Quelle
ist unser Frühstück gleich zur Stelle.
Rotwein mit Pimpinelle
und Schnepfen sind der erste Gang …
ULLA, komm, laß uns trinken!
In unserm Korb die Flaschen winken.
Leer sie im Moos versinken
an diesem dufterfüllten Hang.
Dein Zaubertrank
macht uns auf alle Fälle
die Augen blank.
Liebste, an dieser Stelle
hör jetzt des Waldhorns süßen Klang/
des Waldhorns süßen Klang.

Lieblich wie auf Idyllen
im Grund der Wiese: Roß und Füllen.
Bald hört den Stier man brüllen,
bald einen Hund im Dorf wauwaun.
Gockel stelzt auf den Stiegen,
und alle Hühner möchten fliegen.
Schwalben ihr Köpfchen wiegen,
und eine Elster schwätzt im Zaun.
Stern aller Fraun! den Kessel komm nun füllen
und Kaffee braun…
Lieblich wie auf Idyllen
ist diese Szene anzuschaun/
die Szene anzuschaun.

Herrlich, schau in die Runde!
wie jetzt das Grün vom Wiesengrunde
eben, um diese Stunde,
steht vor der dunklen Tannenwand;
wie in der Bäume Schatten
gleich Laubengängen, dämmrig satten,
Wege durch helle Matten
sich winden in das Hügelland! …
Füll bis zum Rand
dies Glas und führ’s zum Munde,
mein Herzenspfand!
Herrlich, schau in die Runde!
umschlingt uns FLORAS buntes Band/
uns FLORAS buntes Band.

Sehet sich ULLA rühren,
beginnt das große Schnabulieren!
Keine kann so servieren
Olive und gekochtes Ei.
Seht sie den Löffel schwingen,
uns Rahm und Mandeltorte bringen;
sehet – vor allen Dingen -:
Ihr Busen hüpft so schön dabei!
Ein Huhn – zwei, drei –
es so geschickt tranchieren,
kann kein Lakei.
Sehet sich ULLA rühren
und schwitzen für die Schlemmerei/
für unsre Schlemmerei!

Blast jetzt, ihr Musikanten!
tobt wie die Windsbraut in den Wanten!
Tut eure Pflicht, Bacchanten,
laßt alte Tanten schrein und spein!
ULLA, prost! auf dein Feuer …
Die Hälfte, leider! schluckt die Steuer.
Kellner, der Spaß wird teuer
-schreib an und sack heut abend ein…
Dies Glas: uns zwein!
Und dies den Adoranten
der Wonnen dein!
Schmettert, ihr Musikanten,
ein Prost dem Ewig-durstig-sein/
dem Ewig-durstig-sein!

ULLA, hier unter Föhren,
mit Instrumenten und mit Chören,
sollst du es von mir hören:
Fahrwell! zum allerletzten Mal.
FREDMAN, dem rinnt die Zähre,
als wenn sein Tod beschlossen wäre.
Schon schnipselt KLOTHOS Schere
ihm einen Knopf vom Futteral …
Mein Herzgemahl,
laß kränzen dich in Ehren
zum Bacchanal!
ULLA, sei unter Föhren
Geliebte nun zum letzten Mal/
zum allerletzten Mal!
Deutsch von Fritz Graßhoff in: Bellman auf Deutsch. Fredmans Episteln. Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg 1995, S. 245-247.

MP3-Datei dieses Liedes, gesungen von Dieter Süverkrüp, aus: Süverkrüp singt Graßhoffs Bellman. (gibts nicht mehr, 2010!) Südwestfunk. Conträr Musik Lübeck 1996 (Conträr fünf 4305-2) (5:50´, ca 5 MB)
Bestellmöglichkeit und Realplayer-Kostprobe auf der Seite von Conträr

(In den 70er Jahren als Studenten in Rostock hörten wir Bellman gesungen von Manfred Krug. Zitate daraus, wie: „Prost, Ulla!“ [Prost, Ulla!] oder „Ausgenippet, umgekippet“ , wurden uns sprichwörtliche Redensarten. Die zugehörige Buchausgabe: Carl Michael Bellman, Fredmans Episteln an diese und jene, aber hauptsächlich an Ulla Winblad. Leipzig: Reclam 1978.  (Kein Taschenbuch, sondern ein bibliophiler Band, ausgestattet von Werner Klemke). Die Übersetzungen stammten von Hartmut Lange, Heinz Kahlau, Peter Hacks und Hubert Witt. Dieses, die berühmte Epistel Nr. 82, von Hacks. „Epistel 82“, das ist sogutwie „Sonett 66“ – Kenner wissen, was ich meine.

Die zweite Strophe heißt bei Hacks:

Lustig ist anzuschauen
Der alte Eber bei den Sauen,
Hör nur die Katz miauen
Und wie vergnügt der Hofhund bellt.
Gockelhahn will mit Schreien
Uns schönen Abend prophezeihen,
Rings tiriliert in Reihen
Die allerliebste Vogelwelt.
00Wenns dir gefällt,
Jetzt den Kaffee zu brauen,
00Topf aufgestellt!
Lustig sind anzuschauen
Die Tierlein all in Wald und Feld,
Die Tierlein in Wald und Feld.

Hier Bellmans Originaltext:

Fredmans epistel n:o 82 eller Oförmodade Afsked, förkunnadt vid Ulla Winblads Frukost en sommar-morgon i det gröna. Dedicerad til Kgl. Secreteraren Leopoldt.

Lyssna på en midi-sekvens med melodin till den här sången:

Vila vid denna källa (filinfo)

Hvila vid denna källa,
Vår lilla Frukost vi framställa;
Rödt Vin med Pimpinella
Och en nyss skuten Beccasin.
Klang hvad Buteljer, Ulla!
I våra Korgar öfverstfulla,
Tömda i gräset rulla,
Och känn hvad ångan dunstar fin,
Ditt middags Vin
Sku vi ur krusen hälla,
Med glättig min.
Hvila vid denna källa,
Hör våra Valdthorns klang Cousine.
Valdthornens klang Cousine. — — — [Corno.]

* * *

Prägtigt på fältet pråla,
Än Hingsten med sitt Sto och Fåla,
Än Tjurn han höres vråla,
Och stundom Lammet bråka tör;
Tuppen på taket hoppar,
Och liksom Hönan vingen loppar,
Svalan sitt hufvud doppar,
Och Skatan skrattar på sin stör.
Lyft Kitteln; hör.
Lät Caffe-glöden kola,
Där nedanför.
Prägtigt på fältet pråla
De ämnen som mest ögat rör.
Som mest vårt öga rör. — — — [Corno.]

* * *

Himmel! hvad denna Runden,
Af friska Löfträn sammanbunden,
Vidgar en plan i Lunden,
Med strödda gångar och behag.
Ljufligt där löfven susa,
I svarta hvirflar grå och ljusa,
Träden en skugga krusa,
Inunder skyars fläkt och drag.
Tag, Ulla tag,
Vid denna måltids stunden,
Ditt glas som jag.
Himmel! hvad denna Runden,
Bepryds af blommor tusen slag!
Af blommor tusen slag! — — — [Corno.]

* * *

Nymphen, se hvar hon klifver,
Och så beställsam i sin ifver,
Än Ägg och än Oliver,
Uppå en rosig tallrik bär.
Stundom en sked hon öser,
Och öfver Bunken gräddan slöser;
Floret i barmen pöser,
Då hon den Mandeltårtan skär.
En Kyckling där,
Af den hon vingen rifver,
Nyss kallnad är.
Nymphen se hvar hon klifver,
Och svettas i et kärt besvär.
Och svettas i besvär. — — — [Corno.]

* * *

Blåsen J Musikanter,
Vid Eols blåst från berg och branter;
Sjungen små Kärleks-Panter,
Bland gamla Mostrars kält och gnag.
Syskon! en sup vid disken,
Och pro secundo en på Fisken;
Krögarn, den Basilisken,
Summerar Taflan full i dag.
Klang Du och Jag!
Klang Ullas amaranther,
Af alla slag!
Blåsen i Musikanter,
Och hvar och en sin kallsup tag.
Hvar en sin kallsup tag. — — — [Corno.]

* * *

Ändtlig i detta gröna,
Får du mitt sista afsked röna;
Ulla! farväl min Sköna,
Vid alla Instrumenters ljud.
Fredman ser i minuten
Sig til Naturens skuld förbruten,
Clotho ren ur Surtouten,
Afklipt en knapp vid Charons bud.
Kom hjertats Gud!
At Fröjas ätt belöna
Med Bacchi skrud.
Ändtlig i detta gröna,
Stod Ulla sista gången Brud.
Den sista gången Brud. — — — [Corno.]

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