7. Im Beiläufigen finden

Mit dem Gedichtband „Herzschlag“ wurden 2008 seine Liebesgedichte von 1958 bis 2007 vereint und chronologisch abgedruckt. Er lädt zum Verweilen im Augenblick ein, „damit die Zeit / eine Pause hat“: Die ersten Strahlen der Sonne an einem reglosen Tagesbeginn, wenn sich die Sommersonne einem „schwebenden, / leichten Feuer“ gleich über den Horizont schiebt, wärmen in seinen Gedichten. …

Fritz operiert mit wenigen Wörtern, doch diese überreden, inne zu halten: „August, / der die Minuten verschmilzt / und sie überredet / zu bleiben“. Hierzu braucht er keine wilden Neologismen und zieht keine hektischen Fratzen sinnloser Verfremdung. Leise Töne und heiter-elegische Gefühle werden in lakonische Wörter und genau gesetzte, zielsichere Kollokationen verwandelt – ohne falsche Erhöhung oder künstliche Verschleierung. Fritz experimentiert nicht. Wie lächelnd erklärt er: „Es ist die Linie deines Gesichts, / sie ist da, / ich muß sie nicht erfinden.“ Doch es ist mehr als die Linie des Gesichts der Geliebten, die in den Gedichten skizziert wird. Die Stärke der Gedichte ist die präzise Weltwahrnehmung.

Fritz sieht seine Frau, rote Strümpfe, Erdbeeren, das Lachen, die Schönheit, „die Fortdauer des Glücks“. So entstand mit der Sammlung von Liebesgedichten aus mehreren Jahrzehnten das wohl diskreteste Credo für eine Beziehung von Mann und Frau, „deren Liebe die Jahre zusammenhält“, das sich erdenken lässt. …

Kußmann hat es geschafft, zu beweisen, dass Fritz über fünf Jahrzehnte seinen Tonfall unabhängig von jeder literarischen Mode bewahrt hat. Die Schönheit der immer wiederkehrenden Meeresmetaphorik, der mediterranen Landschaften, der Beobachtungen, der zeitlosen Liebe – diese schlichte Eindringlichkeit der Gedichte ist ergreifend. Michael Krüger erhebt den Gedichtband gar zum „Lehrbuch über die Liebe, eines der schönsten, das sich denken lässt.“ Fritz ist ein bedeutender deutscher Lyriker, der das Überzeitliche, die stille Liebe, im Beiläufigen findet. / Thorsten Schulte, literaturkritik.de

Walter Helmut Fritz: Herzschlag. Die Liebesgedichte.
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008.
118 Seiten, 17,95 EUR.
ISBN-13: 9783455401370

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