31. Volksverdummung

Bis Ende Juni ist seine Ausstellung im Mumok zu sehen; diesen Freitag tritt der (Sprach-)Künstler im Wiener Akademietheater auf

Mit Andrea Schurian sprach Gerhard Rühm über Religion, Provokation und Grenzerfahrungen.

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Standard: Sie sind heuer im Februar 80 geworden und unglaublich aktiv: Sie unterrichten, stellen aus, treten auf, publizieren: Denken Sie je ans Aufhören?

Rühm: Das wäre mein Tod. Ich habe noch so viele Ideen, ich muss mindestens noch zehn, fünfzehn Jahre leben, um wenigstens die wichtigsten umsetzen zu können.

Standard: Eine verwirklichen Sie jedenfalls am Freitag im Akademietheater: Neben Ihren berühmten Sprechduetten mit Ihrer Frau Monika Lichtenfeld wird es eine Uraufführung geben. Was wird das sein?

Rühm: Es heißt Gespräch über Schweigen und Verjährung und basiert auf einem Zeitungsinterview eines Missbrauchsopfers. Ein Sprecher – der Pianist – stellt die Fragen, das Klavier spielt die Antworten. Ich übertrage die Laute des Textes auf Töne am Klavier, das heißt, es wird im Duktus des Sprechtextes weitergeführt, nur versteht man den Text nicht. Wenngleich man aus den Fragen errät, wie die Antworten sein könnten. Darum geht es: um das Schweigen und Verschweigen. (…)

Standard: Warum ist gerade die katholische Kirche offenbar so anfällig für sexuellen Missbrauch?

Rühm: Missbrauch kommt auch in der protestantischen Kirche vor. Es liegt am total verkorksten Sexualdenken des Christentums überhaupt. Das Schöne am Hinduismus und anderen östlichen Religionen ist ja ihr völlig entspanntes Verhältnis zum Sexuellen. So verkrampft in Sachen Sexualität sind nur monotheistische Religionen, orthodoxes Judentum, Christentum und Islam.

Standard: Beschäftigen Sie sich viel mit Religionen?

Rühm: Ja. Ich besitze eine große religionswissenschaftliche Bibliothek. Natürlich finde ich die Bibel ein großartiges Buch, vor allem in der Luther-Übersetzung. Aber ich halte Religion – mit Ausnahme des Zen-Buddhismus, für den ich eine große Schwäche habe – für ein großes Übel und für Volksverdummung. Ich bin ein Gegner von Religionen. / Standard 5.5.

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