9. Neu in der Lettrétage

Mittwoch, 4. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Junge Lyriker aus Lateinamerika:
Maria Medrano (Argentinien), Hernan Bravo (Mexiko) und Raúl Hernández (Chile)
Zweisprachige Lesung (spanisch/deutsch)
In Zusammenarbeit mit dem lateinamerikanischen Poesiefestival Latinale

Auch in diesem Jahr lädt die Lettrétage im Rahmen der Latinale wieder drei Dichter in ihren Salon ein: Maria Medrano (Argentinien), Hernan Bravo (Mexiko) und Raúl Hernández (Chile) werden eigene und fremde Texte lesen und über ihre Arbeit sprechen. Die deutschen Übersetzungen liest der Schauspieler Denis Abrahams. Die Moderation übernimmt Katharina Deloglu.

María Medrano, 1971 in Buenos Aires geboren, ist Lyrikerin, Herausgeberin, Verlegerin und kulturelle Aktivistin. Sie veröffentlichte die Bände Despeinada (1997) und U.3 (1998) und gab eine Anthologie von Lyrik inhaftierter Frauen unter dem Titel Yo no fui heraus (2005). Sie leitet den unabhängigen Verlag Voy a salir y si me hiere un rayo, der in Multimedia- und Audioformaten Stimmen und Texte lateinamerikanischer Dichter versammelt: http://www.simehiereunrayo.com.ar. Medrano ist Leiterin der Organisation YO NO FUI (www.proyectoyonofui.blogspot.com), die künstlerische Projekte in den Frauengefängnissen von Buenos Aires durchführt.

Hernán Bravo Varela, 1979 in Mexiko-Stadt geboren, ist Lyriker, Essayist und Übersetzer. Er übersetzte Oscar Wildes La balada de la cárcel de Reading (2000) und gemeinsam mit Marco Antonio Campos das Werk El hombre redidivo des Quebecer Dichters Gaston Miron (2001). Hernán Bravo Varela veröffentlichte die Gedichtbände Oficios de ciega pertenencia (1999) und Comunión (2002) sowie den Essay-Band Los orillados (2008) und gab zusammen mit Ernesto Lumbreras die kommentierte Gedichtsammlung El manantial latente. Poesía mexicana desde el ahora (2002) heraus. Sein dritter Gedichtband Sobrenaturaleza erscheint demnächst bei Pre-Textos (Spanien). Einige seiner Gedichte sind ins Englische, Französische und Deutsche übersetzt. Hernán Bravo Varela ist außerdem Textschreiber des Soundtracks zum Oscar gekrönten Film Frida (2002).
Auszeichnungen: Mexikanischer Nationalpreis für Junge Poesie, Stipendium Jóvenes Creadores del Fondo National para la Cultura y las Artes (2004-2005, 2008-2009), Stipendium der Fundación para las Letras Mexicanas (2005-2007).

Raúl Hernández, 1980 in Santiago de Chile geboren, ist Lyriker und gelernter Bibliothekar. Er veröffentlichte Poemas Cesantes (2005) und Paraderos Iniciales (2009) im Verlag La Calabaza del Diablo. Ein Großteil seines dichterischen Werkes ist in diversen Anthologien und im Internet erschienen. Im Jahr 2005 wurde er zum lateinamerikanischen Poesiefestival „Salida al Mar“ (Buenos Aires, Argentinien) eingeladen. Als gelernter Bibliothekar hat er für die spanische Stiftung Germán Sánchez Ruipérez in Salamanca gearbeitet und ist derzeit für die Bibliothek von Santiago de Chile tätig.
Auszeichnungen: Preis Biblioteca Nacional / Fundación Mustakis (2003) und erster Preis im 2. Nationalwettbewerb für Poesie „Chilectra“ (2004); Stipendien der Stiftung Neruda (2002) und des Nationalen Lese- und Bücherrates (2004 und 2007).

Freitag, 6. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
Schauspielerlesung mit Denis Abrahams
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Ludwig Wilde
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen

Die Gesänge des Maldoror (Les Chants de Maldoror) sind das einzige Werk des französischen Dichters Lautréamont (Pseudonym für Isidore Lucien Ducasse), das auf die Literatur der Moderne und namentlich auf den Surrealismus großen Einfluss ausübte. Es erschien 1874 und gilt als eines der radikalsten Werke der abendländischen Literatur. André Breton bezeichnete das Werk 1940 als „Apokalypse“: „Alles noch so Kühne, das man in den kommenden Jahrhunderten denken und unternehmen wird, es ist hier in seinem magischen Gesetz im voraus formuliert worden.“ und André Gide sah in Ducasse den „Schleusenmeister der Literatur von morgen“.

Maldoror, Held und Ich-Figur, ist die Inkarnation des Bösen schlechthin. Er ist „ein schwarzer, zerschmetterter Erzengel von unsagbarer Schönheit“, wie Maurice Maeterlinck geschrieben hat, eine „Sonne des Bösen“ (Aurore du Mal = Maldoror) und findet sich auf unserem Planeten wieder, gestrandet unter der ihm verhassten Menschheit, der er ihre eigene Schlechtigkeit vor Augen führen will.

Bei seinem Namen erzittern die himmlischen Heerscharen; und mehr als einer erzählt, dass Satan selbst, Satan die Inkarnation des Bösen, nicht so schrecklich sei.
(6. Gesang, 8. Strophe)

Maldoror führt in verschiedenen Masken und Metamorphosen eine Schlacht gegen die menschliche Kreatur und Gott, seinen Erzfeind. Sein erklärtes Ziel ist es, Gott und die Menschen in ihrer Schlechtigkeit zu übertreffen. Seine Mittel hierzu lauten: Ängste, Wirrnisse, Entwürdigungen, Grimasse, Herrschaft der Ausnahme und des Absonderlichen, Dunkelheit, wühlende Phantasie, das Finstere und Düstere, Zerreißen in äußerste Gegensätze, Hang zum Nichts, infernalische Grausamkeit. Er hat das Gelübde abgelegt, den Schöpfer zu überwinden, Böses zu tun, um das Böse zu vernichten, Verbrechen zu begehen, um das Verbrechen aufzuheben.

Meine Poesie wird aus einem einzigen Angriff bestehen, geführt mit allen Mitteln gegen den Menschen, diese reißende Bestie, wie auch gegen den Schöpfer, der solch ein Ungeziefer niemals hätte erschaffen dürfen. Bände auf Bände werden sich türmen bis ans Ende meines Lebens, und doch wird man darin immer nur diesen einzigen meinem Bewusstsein dauernd gegenwärtigen Gedanken finden.
(2. Gesang, 4. Strophe)

(Entnommen aus: Wikipedia)

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Der Comte de Lautréamont, eigentlich Isidore Lucien Ducasse, wurde 1846 in Montevideo (Uruguay) geboren. Über sein Leben ist fast nichts bekannt – erst 1977 wurde eine Fotografie von ihm aufgefunden. Seine Eltern verstarben früh, und als Kind erlebte er wohl die Grausamkeiten der Belagerung Montevideos im Argentinisch-Uruguayischen Krieg mit. Das Fehlen biographischer Details ist möglicherweise seiner poetischen Selbstinszenierung geschuldet. In seinen Poésies schreibt er: „Ich werde keine biographischen Erinnerungen hinterlassen.“ Lautréamont erlebte das Erscheinen seines einzigen Werkes, der Chants de Maldoror, nicht mehr – er starb erst 24jährig im November 1870 in Paris.

Samstag, 7. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Der Poetenladen
Verlagspräsentation mit den Autorinnen Katharina Bendixen, Johanna Hemkentokrax, Sandra Trojan
Gespräch mit Verleger Andreas Heidtmann
In Zusammenarbeit mit der Lichtenrader Bücherstube
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen

Sandra Trojan (Lyrik)
Ein unbeschriebenes Blatt ist Sandra Trojan in der Lyrik schon lange nicht mehr. Die 1980 im westfälischen Winterberg geborene Dichterin studierte Amerikanistik und Journalistik in Leipzig und später am Deutschen Literaturinstitut. Ihre Gedichte erschienen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. in der Bella Triste und dem Jahrbuch der Lyrik. 2009 erschien ihr viel beachtetes Lyrikdebüt „Um uns arm zu machen“ im Leipziger Verlag Poetenladen. Sandra Trojan lebt und arbeitet in als Autorin und Übersetzerin in Leipzig.

Katharina Bendixen (Prosa)
Es ist die Umtriebigkeit, die Katharina Bendixen (Jahrgang 1981) auszeichnet. Seit Jahren ist die Leipzigerin, die ein Studium der Buchwissenschaft und Hispanistik absolviert hat, im Literaturbetrieb als Autorin, Kritikerin, Journalistin und Herausgeberin u.a. für den Poetenladen und das Stadtmagazin Kreuzer tätig. Für ihre Erzählungen, die in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften erschienen, wurde sie mit mehreren Preisen und Stipendien, z.B. von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Würth-Preis ausgezeichnet. 2009 erschien ihr Prosadebüt Der Whiskeyflaschenbaum im Poetenladen.

Johanna Hemkentokrax (Prosa)
Von Johanna Hemkentokrax gibt es noch kein Debüt – sie arbeitet aber daran. 1982 in Bielefeld geboren, studierte sie bis 2008 am Deutschen Literaturinstitut die Fächer Prosa und Dramatik/ Neue Medien. Ihre Erzählungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2006 wurde sie mit dem Limburger Förderpreis für literarische Prosa ausgezeichnet. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist sie als Journalistin und Allround-Talent für diverse Leipziger Programmkinos tätig.

Der Poetenladen
Den „derzeit umtriebigsten und innovativsten Lyrik-Verlag Deutschlands“ nannte der Literaturkritiker Michael Braun den Poetenladen in der Wochenzeitung DER FREITAG. Das hört sich gut an, trifft aber nur bedingt zu, denn das Programm des jungen Leipziger Literaturlabels umfasst neben Lyrik auch die Sparten Prosa, Essay und Kritik. Gegründet vom Herausgeber Andreas Heidtmann als Online- Plattform für junge Poeten hat sich der Poetenladen mit der halbjährig erscheinenden Zeitschrift Poetmag und den erfrischend sorgfältig herausgegebenen Büchern mittlerweile auch über Leipzigs Grenzen hinaus in der Verlagslandschaft etabliert.

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  1. Germán Sánchez Ruipérez in Salamanca gearbeitet und ist derzeit für die Bibliothek von Santiago de Chile tätig.
    Auszeichnungen: Preis Biblioteca Nacional / Fundación Mustakis (2003) und erster Preis im 2. Nationalwettbewerb für Poesie „Chilectra“ (2004); Stipendien

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