126. Dalia Taha

Auch die 1986 in Berlin geborene, aber in Ramallah aufgewachsene Palästinenserin Dalia Taha vermeidet Stellungnahmen, doch die, die in ihren Texten leben, kommen ohne die Toten nicht aus: „Da sitzen wir beide,/ wie zwei Fenster, die sich auf das, was/ jenseits liegt, auftun“ beginnt ein Gedicht voller Metaphern, und wechselt sofort die Stimmung: „Keinen Platz gab es, / in dessen Schatten wir uns im Staub / hätten flüchten können.“ Bald merkt man: das „wir“, das angesprochen wird, gibt es nicht mehr: „Ich steige aus unserem Bild aus, / wie wir da sitzen vor dem weiten Horizont.“ Die andere Person, von der die Rede ist, ist tot: „ich laufe / zu mir und von mir weg, neben einer Gartenmauer / laufe ich, und in mir fallen/ die Blüten, die / auf deinem Grab / wuchsen. Ich laufe, damit meine Schritte auf dem Gehweg / blau werden / und ein Wind den Zipfel einer Ahnung festhält.“

Taha las in der Nacht der Arabischen Poesie, zusammen mit elf Kollegen, vor dem Alten Museum, das all den unterschiedlichen Färbungen und Tonlagen des Arabischen, dem die Musik eines Gedichts traditionell wichtig ist, mit seiner klassizistischen Fassade ein imposantes Gegenüber bot. Auf deutsch sind viele der gelesenen Gedichte in einer Sondernummer der Zeitschrift „Lisan“ enthalten, die seit drei Jahren von Basel aus versucht, arabische Poesie hierzulande bekannt zu machen. / HANS-PETER KUNISCH, SZ 17.9.

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