15. „Entschlossenheit zur Kunst“

„Der Hecht, die Träume und das Portuguiesische Café“ ist das Manifest einer Entschlossenheit zur Kunst, die sich der Verwandschaft mit der Frühromantik, also etwa Wilhelm Heinrich Wackenroders „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ nicht schämt, wobei hier ein kleines Ensemble von Menschen in einer Stadt an eben die Stelle gerückt ist, die Wackenroder der Malerei einräumt.

Und alles ist da: das Weltabgewandte, die Begeisterung für die Anschauung, der Glaube an die Genialität, das Gefühl des Unwiederbringlichen, das Mönchische, das Bedürfnis, möglichst viele Metaphern anzuhäufen, damit wenigstens eine davon Wirklichkeit wird – und auch die Kenntnis von Johann Wolfgang Goethes erklärtem Widerwillen gegen die „neukatholische Sentimentalität“. Im Roman vom „Turm“ findet sich derselbe Enthusiasmus, aber der Dichter weiß heute, dass die Begeisterung geregelter Vollzug sein muss, wenn sie literarische Form annehmen soll, er kann der Wirklichkeit ins selten liebliche und weit häufiger hässliche und schmutzige Gesicht sehen.

Im Frühjahr schon erschien bei Suhrkamp, Uwe Tellkamps heutigem Verlag, ein schmaler Band, der Vorträge, kleine literarische Phantasien und Zitatensammlungen enthält, die entstanden waren, als der Dichter im Jahr 2008 in Leipzig „Poetikvorlesungen“ hielt. Darin finden sich die lebenspraktischen Umstände geschildert, unter denen Uwe Tellkamp zum Schriftsteller wurde – „ich war Arzt und schrieb, weil etwas, das ich mir weder erklären konnte noch wollte, mich dazu trieb“. Auch setzt sich Uwe Tellkamp in diesem Buch mit Werken und Literaten auseinander, die ihm etwas bedeuten (Haikus, Hölderlin, Onetti, Friederike Mayröcker, auch Durs Grünbein und Thomas Kling).

Vor allem aber enthält der Band ein poetisches Programm, das von der Lyrik (und aus ihr kommt Uwe Tellkamp, was überdeutlich vor allem in den missratenen Metaphern ist, in den „verschollenen Zeitungen“ etwa) zur Epik und in den Roman führt: „Der moderne Dichter, wie ich ihn verstehe, ist wieder Dom-Baumeister.“ / Thomas Steinfeld, Süddeutsche 1.8.

UWE TELLKAMP: Die Sandwirtschaft. Anmerkungen zu Schrift und Zeit. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. 168 Seiten, 11 Euro.

UWE TELLKAMP: Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café. Roman. Zweite Auflage. Verlag Faber & Faber, Leipzig, 2009. 158 Seiten, 18 Euro.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: