Z.B. ein Schirmchen

Oder
Wenn die Kolumne bröckelt, sitz ich im Tempel parterre

von Konstantin Ames (Leipzig)

„Früher habe ich meine Mahlzeiten in ein Buch geschrieben, heute schreibe ich Gedichte.“ – Werbung kann instruktiv sein, wollen wir nicht drumrum reden, es ist ja ersichtlich. Hier. & sonstwo. Der 14. Juli ist ein Tag unter vielen Dutzend Duzenden. 2005 wurde der „Zeit“ eingeschrieben, Die wahren Dichter arbeiten in der Werbung. Das war natürlich nicht der ganze Text. Da war noch mehr. Da musste noch mehr sein. Bilder sind nicht so wirkungsmächtig wie Sprache wird da an einem Eyecatcherexempel versucht zu verklaren. „Noch nie war soviel Knie“, heißt es, mit so kleinem Text, der so „seltsam nichtig“ gewirkt haben soll. Rücksichtlich der Beobachterin = Kolumnistin. Die Konsequenzsuggestion steht sofort Gewehr bei Fuß: „Es geht also doch um Sprache; Werbung ist, eben doch, Poesie.“ Das ging aber flugs! Wir bekamen bis zu diesem Geistesblitz in die eigene Kolumne hinein einen der drei impulsgebenden Werbesprüche präsentiert: DIE STADT BIN ICH. Beispielargumentationen bergen immer ein wackeliges Moment in sich.LEBE DEIN HAAR und WÄRME IN IHRER SCHÖNSTEN FORM sind die anderen beiden. Man kann, auch als „gebildeter Stadtbewohner“ an solchen Sprüchen vorbeigehen. Sie beruhen lediglich auf einem einem rhetorisch herbeigeführten Überraschungsmoment.(1) Kniff. Knuff. Für etwas. Das da könnte als ein feuilletonlesertaugliche Definition von Werbung gelten. Die poetische Funktion, wenn ich meinen Grundkurs-Jakobson richtig erinnere, meint aber doch, dass, sagen wir mal so, wieder so, wieder so blättchenleicht, daß (tztztzt!) : Sprache sich selbst feiert. Klar, warum nicht auch mal ein wenig im rhetorischen Bastelladen stöbern. Im Vertrauen: Mach ich auch ab und zu. Es muss ja nicht alles neu gesagt werden. Baum. Traum. Geiz ist geil. Ich liebe es Zu überraschen. Genausowenig wie Rührung reicht, reicht aber Überraschung. Eine Pointe macht eben noch kein Gedicht. O Brecht, der man dich noch immer hängen läßt, was murmelst du aus dem off?: und nicht einmal was ein poetischer Gedanke ist, wird halbwegs gewußt. Unsere Gedichte sind vielfach mehr oder minder mühsame Versifizierungen von Artikeln oder Feuilletons oder eine Verdopplung halber Empfindungen, die noch zu keinem Gedanken geworden sind. Ja, ist klar. Oder doch noch nicht? Nicht nur die Stadt ist anders. Anders ist auch anders, nämlich Stern. Eigentlich. Eigentlich mag ich diesen netten Parallelism von da oben, Da ganz oben. Da am Anfang den. Ist doch mutig – ah, das hatte ich ganz vergessen zu erwähnen – für solche Sportcerealien damit zu werben, dass man verspricht, Kreativität werde gesteigert. Man muss Werbung und Dichtung aber – vermute ich mal – identisch setzen, um dran zu glauben. Wer auch immer. Und dann schreibt man … Hmmm! Und wenn die Prüfung durch die Knie gegangen ist, gibt´s hinterher ein Eis & eine Dekoüberschrift.

Quellen:

-ich
-du
-er / sie / es

(1) Lösungen für die Klausurvorbereitung

„Die Stadt bin ich.“ Hybrid-demütige, demokratische Ausgabe des ichigeren „L´état c´est moi!“. Vielleicht auch nur feixender Provizialismus.

„Lebe dein Haar!“ Etwas konkretisierte, zielgruppenzieligere Variante des bekannten „Lebe deinen Traum“ von Dings. „Wärme in ihrer schönsten Form!“ Fast so gut wie „Form ist Wollust“, besser als „Form ist Wolllust“

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