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Veröffentlicht am 12. Dezember 2004 von lyrikzeitung
Ein Brief
Lieber Dr. Gratz, Elfriede Jelinek, in ihrer Nobelpreis-Rede, hat ein recht preiswertes, ja billiges Verfahren, Sätze zu produzieren. Sie wirft die Assoziations-Maschine an. Selbst Kalauer und dümmliche gedankliche Querverbindungen werden benutzt und ausgenutzt bis an den Rand. Die Maschinistin der Kunsthonig-Schleuder greift vor, sie überholt die Kritiker durch Selbst-Einsicht. Sie ist Kriegerin und Bekriegte, Täterin und Opfer in einer Person. Ein riesiges Ich-Orchester, – ein verschrecktes kaltes Ich -, füllt die Welt mit Leere, mit glitzerndem Seiten-Lametta, es raschelt – aber da ist NICHTS.
Als Erleidende ihres persönlichen Schicksals (Paranoia, Depressionen, nix geht ohne chemische Krücken) ist Elfriede Jelinek eine von uns.
Sie ist durch und durch zeitgemäß.
Wilhelm Fink, Hamburg
Texte von Wilhelm Fink / seine Homepage
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Elfriede Jelinek, Wilhelm Fink
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