Der Dichter Brian Jones wurde in den späten 60er Jahren bekannt mit Bänden wie Poems (1966) und A Family Album (1968) in den innovativen taschenbuchgroßen London Magazine Editions. Er verkaufte ungewöhnlich viele Bücher für einen jungen Dichter und erlangte einige Berühmtheit mit Fernsehauftritten. Aber das Lyrikmilieu war nichts für ihn, er ging von London nach Canterbury und ließ sich schließlich in der Normandie nieder. Am 25.6. starb er dort im Alter von 70 Jahren. / Guardian 23.8.
G&GN-Institut New Cologne (Berlin) / Anläßlich des Autorenportraits der Jülicher Nachrichten mit dem ortsansässigen aktuellen 10. Nahbellpreisträger KARL-JOHANNES VOGT in den kommenden Tagen stellte die Lokalredakteurin Saskia Zimmer acht Fragen an Tom de Toys, die nicht als Interview abgedruckt werden und deren Beantwortung daher nun in Originallänge auf der Preisdomain zu lesen sind. Darin erklärt De Toys die Hintergründe des Preises: wer wann wieso als Preisträger in Frage kommt, warum es den Preis überhaupt gibt und was genau Vogts Gedichte dafür auszeichnet… Ein etwas anderer Begriff von „JETZT“ als bei vielen Lyrikern der jüngsten „Generation Gag“ [*] spielt dabei auch eine Rolle:
„(…) Aufgrund der wachsenden Kritik am traditionellen Nobelpreis wurde der Nahbellpreis im Jahre 2000 ins Leben gerufen und wird von der Trademark „POEMiE“ idealistisch gefördert. Bis heute konnte leider kein Preisgeld ausgezahlt werden, da sich noch keine Großsponsoren fanden, die diese visionäre Notwendigkeit nachvollziehen. (…) Der Nahbellpreis würdigt Lebenswerke und öffentliches Engagemnet solcher Poeten, die ansonsten in Vergessenheit zu geraten drohen oder im laufenden Literaturbetrieb zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gemäß dem Urkundentext sind lebenslängliche Unbestechlichkeit sowie stilistische Zeitgeistresistenz ausschlaggebend, um unser Interesse zu wecken. (…) Das Besondere an Vogts poetischen Miniaturen ist deren erstaunlich ruhiger und tiefer Blick auf die kostbare Wirklichkeit des alltäglichen Lebens: Ganz gleich ob er über seine Erfahrungen mit der Liebe philosophiert oder das absurde Weltgeschehen oder die Natur aus der Nähe betrachtet, immer schwingt da eine sehr starke Bewußtheit der Hingabe an die Gegenwärtigkeit UND Vergänglichkeit des „absoluten Augenblicks“ mit, vergleichbar mit der Beschreibung von Realität in Zengedichten. Dadurch sind seine Texte hochkonzentriert und wirken trotzdem wie beiläufig notiert – das ist für mein Empfinden einfach genial! Außerdem leistet sein Werk damit sowohl unter seelischen als auch soziologischen Gesichtspunkten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis einer Zivilisation, die immer oberflächlicher und schnelllebiger wird. Das spirituelle Bedürfnis nach „innerer Mitte“ und dem „Ankommen im Jetzt“ wächst zwar glücklicherweise wieder in der Bevölkerung, spiegelt sich allerdings im etablierten Literaturbetrieb ebenso ungenügend wider wie in der Politik.“
VOLLSTÄNDIGE ORIGINALQUELLE: http://www.naHbellPREIS.de – DER DURCHWAHL-LINK:
http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=10801
* Mit Generation „Gag“ wird hier angespielt auf das zwanghafte (und meist lichtlose) verkopfte Konstruieren von kryptischen Metaphern, die der Celanschen „Tradition“ nacheifern wollen, darüberhinaus aber versuchen, dem oberflächlichen Ernst ein humoreskes oder prätenziös „zeitgeistiges“ Sahnehäubchen aufzusetzen, was beim geübten Lyrik-Leser allerdings nicht die zumeist postpubertäre Inhaltslosigkeit zu verschleiern vermag. PERMANENT SKANDALÖS ist daran, daß der „etablierte“ Literaturbetrieb noch immer nicht aus diesem Billigdornröschenschlaf erwacht ist und dadurch die Seelenlosigkeit (nicht zu verwechseln mit der FREIHEIT der Seele!) subventioniert anstatt das BEDÜRFNIS VIELER „NORMALER“ LESER (querbeet aus Berufszweigen wie z.B. Ärzten, Anwälten, Therapeuten, Fachverkäufern, Handwerkern und Supermarktkassierern) nach unverschlüsseltem Tiefgang zu befriedigen. DAS ergaben Umfragen im privaten Umfeld des G&GN-Instituts und mögen hier vielleicht ungerecht provokativ wirken, dürfen deshalb aber nicht ungenannt bleiben. DISKUTIERT wird darüber sowieso nicht wirklich, da jeder im Betrieb gern Chefschäfer spielt und selbst das Trockene sucht, notfalls sogar die Herde (sprich: das authentische Bemühen um „wahre“ Poesie aus „innerer Notwendigkeit“) im Stich lässt, sofern es sich überhaupt noch um echte Tiere und kein Plastikspielzeug handelt. Manch ein inzwischen bundesweit „berühmter“ Jungdichter (mittleren Alters) outet sich deshalb auch unter Alkoholeinfluss schonmal mit zynisch verklärtem Blick als sogenannter „Berufslyriker“. Namen zu nennen würde hier allerdings bloß deren Bedeutung unnötig aufblasen, solange des Kaisers neue Kleider noch nicht aus allen Nähten platzen (man möge sich das kybernetisch wie beim Börsencrash vorstellen: der verdrängte Tag kommt irgendwann SEHR plötzlich, und danach werden sowohl der POETISCHE SPRACHSCHATZ an sich als auch die verklüngelten Betriebsregeln völlig neu geordnet)… [Anm. Sebastian Nutzlos]
Für die einen ist er der Hymnendichter, für die andern der Verfasser der Satire „Der Hase im Rausch“ – die Eingeweihten wissen, was ich meine. Die andern können das hier nachholen:
Sergej Michalkow ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Spiegel meldet:
Sergej Michalkow verfasste den russischen Hymnentext im Auftrag des sowjetischen Diktators Josef Stalin zur weltbekannten Melodie des Komponisten Alexander Alexandrow, fertigte 1977 eine Version ohne stalinistische Lobreisrhetorik an. Zur Jahrtausendwende schrieb er, bereits 87, einen neuen Text für die vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin wieder eingeführte Hymne.
Putin hatte die Melodie Alexandrows damals erneut zur offiziellen Hymne Russlands erklärt, nachdem seit 1991 das unpopuläre „Patriotische Lied“ von Michail Glinka bei offiziellen Anlässen und internationalen Sportwettkämpfen gespielt worden war – ohne Text.
Das alte Lied erklang erstmals seit dem Ende der Sowjetunion wieder in der Neujahrsnacht auf 2001. „Die Hymne ist mehr als ein Symbol. Ohne sie kann man nicht leben. Wir werden die Verstimmungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart überwinden“, hatte Putin im Dezember 2000 gesagt.
Das Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg und das Hans-Fallada-Archiv in Carwitz bei Feldberg werden aus Geldnot am 1. September geschlossen. „Wir haben uns dazu durchringen müssen, zwei Mitarbeiterinnen wurde gekündigt“, sagte der Vereinsvorsitzende vom Literaturzentrum Neubrandenburg, Joachim Lübbert, am Donnerstag. Das Hans-Fallada-Museum in Carwitz, das die Fallada-Gesellschaft betreibt, sei nicht von der Schließung betroffen. …
Das Literaturhaus ist ein Neubau und steht seit 1999 auf dem Grundstück, auf dem Reimann (1933-1973) mehrere Jahre lebte. Dort werden die Nachlässe Reimanns, Falladas (1893-1947), aber auch weiterer Autoren wie beispielsweise Martin Pohl, Margarete Neumann, Helmut Sakowski, Rudi Strahl und Joachim Wohlgemuth aufbewahrt und gepflegt. / NDR
Neubrandenburg und Feldberg in L&Poe:
2006 Jan #89. Der Feldberger Lyrikerin Sabine Lange
2006 Mrz #25. Pommern liegt am Meer
2006 Nov #110. Buchpremiere: „Verschwiegene Gedichte“
2007 Okt #2. Martin Pohl gestorben
2007 Okt #13. Martin Pohl rezitierte zarte Zeilen rauh
Freilich war es neben den Göttern nicht zuletzt auch der Dichter Gleim, der diesem Geist sich zu entfalten verhalf: Von ihm stammt die markante Bezeichnung „deutsche Sappho“, und aufgrund der Beziehung zu ihm entstand der Hauptstrang des Karschen Werks.
Die Herausgeberin Regina Nörtemann, der wir schon die dreibändige Ausgabe des lyrischen Werks Gertud Kolmars verdanken, hat sich nun dieser Liebesgedichte der „deutschen Sappho“ angenommen, sie den Archiven entrissen und erstmals in einem sorgfältig komponierten und kommentierten Band zusammengefasst. Es sind originelle Texte darunter, etwa jener Gesang „an die Spatzen“ („Ihr schweigt noch nicht mit dem Geschwätze?/ Auf, eilt, daß sich ein ganzes Chor/ Von Euch, vor Thyrsis fenster setze;/ Da schwatzt ihm Liebe vor!“), und es finden sich Passagen von großer Kraft und Sinnlichkeit: „Deinen Anblick kann ich nicht ertragen,/ Wie den Blitz, in heißen Erntetagen,/ Fühl´ ich ihn mir durch die Seele gehen!“ Natürlich taucht daneben das gesamte lyrische Repertoire jener Epoche auf, allerlei Ingredienzen, die man heute allzu schnell als Rokokokoketterien, ja als Rokokokokolores abzutun bereit ist: Beschwörungen der alten Götter Zeus, Venus und Amor fehlen ebensowenig wie Nachtigallen und Seufzer, Rosenlippen und schmerzende Busen, Schäfer und „ganze Ströme Zähren“.
All das lässt aber nicht den durchaus eigenen Ton überhören, erst recht nicht die unbändigen Wendungen, auf die man immer wieder stößt; einmal ist vom „sich turteltäubisch grämen“ die Rede, anderswo heißt es „ich knirschte vor Verdrusse“: Das ist so einprägsam, dass man als Leser selber mit den Zähnen zu mahlen beginnt. Aufregender als so manche Verse ist trotzdem die Geschichte ihrer Entstehung – und die ihrer Redaktion durch Gleim, die in diesem Buch dokumentiert wird. / Jan Wagner, FR 27.8.
Anna Louisa Karsch in L&Poe:
2009 Jun #66. In Bienen
2009 Aug #29. „Sapphische Lieder“ der Karschin sind Buch des Monats
(alle archivierten älteren Nachrichten sind über den Button „Archiv“ erreichbar)
Das Historische und das Schöne, genauer: das Kunstschöne, gehören in der Antike zusammen. Die erste der neun Musen, die Hesiod (um 700 v. Chr.) nennt, ist Klio, „die Rühmerin“, die Muse der Geschichtsschreibung. Und als rund 800 Jahre später der römische Rhetoriker Quintilian sich Gedanken macht über die Bedeutung historischen Wissens für den Redner, da sagt er, dass die Geschichtsschreibung der Dichtung unmittelbar benachbart sei, gewissermaßen ein „Gedicht in Prosa“, carmen solutum. / Stephan Speicher, SZ 26.8.
am 01.September 2009, 20:00 bis 22:00 Uhr im Froschkönig,
Literatur- und Pianobar 12049 Berlin-Neukölln, Weisestraße 17
http://www.froschkoenig-berlin.de
fünf PoetInnen aus München, Ostfriesland, Berlin und Stralsund
präsentieren ein- und mehrstimmige Werke: Michael Hüttenberger, Silke Peters, Armin Steigenberger, Christel Steigenberger, Lutz Steinbrück
Benyoëtz, Elazar: “VIELZEITIG ” Briefe 1958-2007, Bochum 2009, ISBN 978-3-8196-0687-8, unter Mitarbeit von MONIKA FEY, 386 S. gebunden € 39,90 erscheint Anfang September in einer sorgfältig edierten, bibliophilen Buchausgabe. Edition von Briefen an und von Elazar Benyoëtz mit Anmerkungen und Erläuterungen. Briefe u.a. an: Rose Ausländer; Clara von Bodman; Hilde Domin; Walter Helmut Fritz; Claire Goll; Oskar Maria Graf; Joachim Günther; Helmut de Haas; Paul Hirsch; Hermann Kasack; Marie Luise Kaschnitz; Werner Kraft; Michael Krüger; Annette Miegels; Karl Otten; Jacob Picard; Felix Uri Rosenheim; Max Rychner; Shin Shalom; Margarete Susman; Silja Walter.
»Mein Weg ins Deutsche – war er gewagt, war er verhängt. Warum musste aus einem hebräischen Lyriker ein deutscher Aphoristiker werden. Solange ich noch schreiben kann, bleibe ich mir die Antwort darauf schuldig. Die großen Fragen sind nur ohne Antwort groß.« Der vorliegende Briefband ist der Versuch, dieser Frage ihren Umriss zu geben.
»Als eminenter Epistograph ist Benyoëtz noch zu entdecken. Er setzt dabei in deutscher Sprache und gegenüber Nicht-Juden die Tradition der Diaspora von Israel aus fort. In der jüdischen Tradition gilt der Brief als Form der Beratung des Gesetzes für einen bestimmten, über die Welt verstreuten Personenkreis. Als Formen moralischer Selbstbegegnung knüpft sein kaum übersehbarer deutschsprachiger Briefwechsel in deutscher Sprache an die reiche jüdische Tradition der Diaspora seit dem ausgehenden Mittelalter an. Kennzeichen der jüdischen Briefliteratur, die es in nahezu allen Literatur-Sprachen gibt, sind ihre eminente sprachliche Ausdruckskraft, Gelehrtheit und Welthaltigkeit. Nolens volens zeigen sich die Korrespondenten als Teilhaber diverser Kulturen und gelten in allen Formen und Medien des sprachlichen Verhaltens als besonders erfindungsreich.« (Christoph Grubitz). / yourPR
In L&Poe:
2004 Mrz #86. NZZ-Zeitschriftenlese 1: Deutsch nach Auschwitz
2005 Jul #29. Findekunst
2007 Mrz #168. Elazar Benyoëtz 70
„Die Phrasen galoppieren durch das Land / als gäbe es keine Bangigkeit mehr“, schrieben Sie Anfang der 70er Jahre nach einer Schriftstellertagung. „Man kann nur versuchen, / manchmal ein paar Worte zu sagen, / damit es für Augenblicke / wieder still wird.“ Das klingt leicht hingesagt und ist vollkommen konzentriert. Das Ganze erscheint im Rückblick als ein langer Weg lebendiger Kontinuität auf schwankendem Boden. / Uwe Pörksen, Badische Zeitung 26.8.
Zum 80. Geburtstag des Lyrikers Walter Helmut Fritz erscheint endlich sein Gesamtwerk, berichtet Die Welt.
Walter Helmut Fritz: „Werke in drei Bänden“. Hrsg. von Matthias Kußmann. Erster Band: Gedichte, Prosagedichte. 538 S.; Zweiter Band: Romane, Prosa. 640 S.; Dritter Band: Hörspiel, Theaterstück, Aufsätze. 412 S. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009. Subskriptionspreis bis 31.1.2010: zus. 99,– €; danach 128,– €.
Mehr: FAZ 26.8. (Wulf Segebrecht) / Poetenladen (Theo Breuer)
In L&Poe:
2001 Feb # Erb über Kirsten
2001 Apr # Dichter erklären Dichtung
2002 Apr # In der Frankfurter Anthologie
2003 Sep # Zum Tod von Rainer Malkowski
2006 Apr #25. «Botschaften noch im Staub»
2007 Aug #70. Antiberlin
2008 Jan #2. Ö1 Radiokolleg – Nachrichten aus der Nussschale
2008 Mrz #50. Aller guten Jahrbücher sind drei … oder Des Guten zuviel?
2008 Dez #33. Liebesgedichte von Walter Helmut Fritz
2009 Jan #84. Odeur de feu – Deutsche Lyrik in Kanada
2009 Aug #108. Dieser Tag leuchtet
Ist das angekündigte Ende des Ammann-Verlages typisch für unsere Zeit? Egon Ammann verneint dies, jedoch fügt sich seine Geschäftsaufgabe passgenau in den von Umbruch gezeichneten Buchmarkt. / Joachim Güntner, NZZ 24.8.
Gegenläufiges hört man von den Rätoromanen:
Die rund 50 rätoromanischen Autorinnen und Autoren bekommen einen professionell geführten Buchverlag. Die «Chasa Editura Rumantscha» in Chur ist ein Gemeinschaftswerk der Kulturstiftung Pro Helvetia, des Kantons Graubünden und des Sprachverbandes Lia Rumantscha. / NZZ 24.8.
Madrid — Die Angehörigen von Federico García Lorca haben sich mit der Exhumierung des 1936 unter der Franco-Diktatur getöteten spanischen Dichters einverstanden erklärt. Die Zeitung „El País“ berichtet unter Berufung auf die Nichte des Dichters, Laura García Lorca, die Familie werde nichts gegen die Öffnung des Grabes unternehmen, in dem auch die sterblichen Überreste zweier anarchistischer Stierkämpfer und eines Lehrers vermutet werden. / AFP
Der Sommermonat August neigt sich. Das kommende Wochenende steht wie jedes letzte Wochenende des Monats in Limlingerode ganz im Zeichen der Dichtung Stefan Georges. / Neue Nordhäuser Zeitung 25.8.
Im Newsticker der Süddeutschen, 24.8., 18:37:
Ein rumänischer Student hat eine Software geschaffen, die verschiedenste Einträge im Kurznachrichtendienst Twitter so miteinander kombiniert und ordnet, dass sie sich reimen. Seit Juni ist dadurch ein «automatisches Gedicht» von insgesamt mehr als 360 000 Versen entstanden.
Das berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax am Montag. Zu finden ist der immer länger werdende englischsprachige Text mit Paarreimen am Ende jeder Zeile unter http://www.longestpoemintheworld.com.
Im Augenblick hat das „längste Gedicht der Welt“ 360132 Verse
Der Anfang sieht so aus:
and Jim are going to try again…
Watching Two And A Half Men
Art Class… Greek and Roman art can be so interesting and fun…. NOT!
@_fallen And it can’t really sour if you never leave that spot.
The looking glass so shiny and new, How quickly the glamor fades…
listening to hardcore rap to go with my du and shades
If u wish from heart then whole world will change and act to fulfill ur wish
Nevermind, he’s just a boss. And he’s at the start of the mish?!
Im L&Poe-Archiv findet sich zu „längsten Gedichten“:
2005 Mai #83. Das längste Gedicht der Welt
2006 Aug #15. Das längste Gedicht
2006 Okt #34. Marathongedicht
2009 Mrz #124. Gestorben
2006 war zu lesen:
15. Das längste Gedicht
Der französische Schriftsteller Patrick Huet hat sich auf sage und schreibe 994,10 Metern lyrisch ausgebreitet und so nach seiner Darstellung das längste Gedicht der Welt vorgelegt. Mit Hilfe eines Traktors wurde sein auf Stoff geschriebenes Werk in Versen zur UN-Menschenrechtserklärung am Freitag in dem Ort Champier südöstlich von Lyon ausgerollt und von einem Amtsdiener offiziell gemessen.
Immerhin will Huet mit den „Parzellen der Hoffnung im Echo dieser Welt“ in das Guinness-Buch der Rekorde. 110 Kilogramm schwer ist die Gedichtrolle mit ihren 7547 Versen, an denen der Lyoner Poet eineinhalb Monate geschrieben hat. Sechs Schreibblöcke brauchte er, mit 160 Filzstiften wurde das Gedicht dann auf den Stoff übertragen. / Stuttgarter Nachrichten 4.8.2006
994 Meter und 110 Kilogramm sind schon etwas, aber 7547 Verse bleiben doch ein Klacks gegen täglich hinzukommende 4000. Es gibt auch ein (vermutet) längstes Liebesgedicht der Welt, ebenfalls aus Rumänien, aber wohl von höherem poetischen Wert. Es stammt vom Nationaldichter Mihai Eminescu und ist hier komplett auf Englisch zu lesen. Eine weitere Quelle nennt ein Gedicht von Nigel Tomm das längste gedruckte Gedicht auf Englisch und zählt: 98,728 Wörter; 449,441 Zeichen (incl. Leerzeichen); 23,161 Zeilen; 728 Seiten. Witzigerweise steht es in einem Roman, „The Blah Story, Volume 8“, der offenbar hauptsächlich aus dem – vom Romanhelden geschriebenen – Gedicht besteht.
In der seriösen Klasse (wenn auch laut Autor „das längste und langweiligste Gedicht seit Miltons ‚Paradise Lost'“) gibt es auch das „poem in progress“ “Sentential Metaphrastic”, über 1000 Seiten lang und für den Druck vom Autor Lionel Ziprin auf 785 Seiten gekürzt (2009 Mrz #124. Gestorben).
Die Franzosen vermelden ein Gedicht von Charles Peguy als „eins der längsten Gedichte aus Französisch“: das 1914 geschriebene Gedicht „Eve“ hat 1911 Strophen, zusammen 7643 Alexandriner. Es beginnt mit den berühmten Zeilen:
Heureux ceux qui sont morts pour la terre charnelle
Mais pourvu que ce fût une juste guerre.
(„Glücklich jene, die für die fleischerne Erde sterben / Aber nur wenn es ein gerechter Krieg ist“
Als längstes von Menschen erschaffenes Gedicht gilt das indische Bhagavadgita mit mehr als 100.000 Versen (nach anderen Quellen: Verspaaren!). Das persische Shah Nameh des Dichters Firdusi bringt es auf über 60.000 Reimpaare
Mehr bei funtrivia.
In her memoir The Winter Sun, poet Fanny Howe explores the possibilities and impossibilities of a writer’s calling.
By Ange Mlinko
Poetry Media Service
The Winter Sun, by Fanny Howe. Graywolf Press, $15.00.
At the outset of The Winter Sun, an apologia for the writing life, Fanny Howe confesses, „Since early adolescence I have wanted to live the life of a poet. What this meant to me was a life outside the law; it would include disobedience and uprootedness. I would be at liberty to observe, drift, read, travel, take notes, converse with friends, and struggle with form.“ The outlaw poet has a long lineage, from the Beats and Rimbaud back to the troubadours, and it doesn’t accommodate the vulnerabilities of womankind. What it would mean for Howe, born in the United States in 1940, to pursue a life of poetry and self-definition—without sacrificing eros and motherhood—unfolds in a series of essays that might take as its motto „lower limit: memoir, upper limit: lyric.“ The Winter Sun is an indispensable companion to Howe’s last book of nonfiction prose, The Wedding Dress (2003). Both collections circle around the theme of word and life, the via negativa, in an increasingly positivistic and cynical world. She subtitles The Winter Sun „Notes on a Vocation“ but states at the outset that hers is „a vocation that has no name,“ collapsing the mystical and the literary, Simone Weil and Samuel Beckett.
Fanny Howe has written young adult novels and experimental fiction, but she is best known as a lyric poet of fragmentary serial works that call to mind Hölderlin and Dickinson. She is a reluctant memoirist, circling and digressing around a subject she finds difficult: herself. As a child, she remarks, „I was often mute in the background, sucking my thumb and daydreaming.“ Howe’s background would turn any littérateur green: her father was Mark DeWolfe Howe, a law professor at Harvard descended from the illustrious Quincy family; her mother was Mary Manning, an Irish-born actress, writer, and general impresario of the arts in Cambridge. Life in that household was lively, sociable, and privileged, but it comes filtered through Howe’s introversion. Her prose is condensed and cadenced to imply silence and shadow. Nameless fears persist around the edges; her earliest memories were marked by her father’s absence while he served in World War II, then by the revelation of the concentration camps. „While we learned languages, poetry, science, and athletics, the prevailing social attitude was nihilist. Not officially so, not with reference to Nietzsche, but in the stirring cavities of decision making and imagination. Mass murder, global destruction, and genocide were idle topics.“
The child sensitive to these intimations of cynicism and apocalypse would grow into a rebellious adult. The Wedding Dress opens with a powerful testimony of her youthful marriage and separation from her husband, Carl Senna. They were activists in Boston during the busing crisis (Jonathan Kozol introduced them). After four years of increasingly tense relations, mirrored too perfectly by the tensions outside their door, they were divorced and she, a white single mother, had three interracial children to support in a climate of fear and unrest. „There were many women like me—born into white privilege but with no financial security, given a good education but no training for survival.“ This crisis, and the example of her much-loved mother-in-law, a black woman from the South, precipitated Howe’s conversion to Roman Catholicism.
Howe is well aware of how highly her „invisible-faithful“ Catholic values are esteemed by „materialist-skeptical“ intellectuals. Bitingly she acknowledges that people like herself „annoy well-adjusted people because weakness is not meant to survive.“ In pitting herself against the evo-devo celebration of competition that permeates our culture, Howe’s unorthodox Catholicism (she quotes liberation theologians) is just as countercultural today as her civil rights activism was in the 1960s.
Howe is fully comfortable neither with entertaining nor with instructing. Instead, her memoirs and meditations are driven by the revelation that „the future is only the past turned around to look at itself.“ Like her daydreaming child self, she is bewildered by the demands of time, and finally doesn’t really acquiesce to them. She repeats the trope over and over again: „The future is only the past recognizing itself at another location.“ „We move forward into a past that will be censored.“ Her digressive, meditative form mirrors this conviction: meditations subvert the demands of linear narrative, modeling a life outside ordinary time.
So what are we, if we are indeed enlightened and well adjusted, supposed to make of a woman who holds incompetence as an exemplary value; who distrusts words but uses them specifically, in the age of Richard Dawkins, to trace experience back to God; who would rather „hide out“ caring for children than „get to work!“ à la Linda Hirshman?
I find that Howe’s essays clarify two contemporary issues. One: „The atheist is no less an inquirer than a believer,“ she writes. „In living at all, she is no less a believer than an unbeliever“ (emphasis mine). Hence Camus’s opening sentence in The Myth of Sisyphus, from 1942, is as pertinent as ever: „There is only one really serious philosophical problem, and that is suicide.“ We must determine for ourselves a raison d’être; in this, as in everything else about Darwinian capitalism, we are on our own. (Howe reminds us that the sign over the gate to Buchenwald reads Jedem das Seine—“to each his own,“ or, as she clarifies, everyone gets what he deserves.) In rejecting suicide, we are all creatures of faith.
Determining for ourselves a raison d’être is also, of course, the chief prerogative of those who choose the writing life, and the second issue, which Howe’s „Notes on a Vocation“ clarifies, is the role of the poet in an age of widespread scientism that peremptorily decides what questions are worth asking and how best to answer them. Quoting Johann Metz, Howe advocates „rebellion against being partially described—be it by a science or by another person.“ A poet—just by persisting in that weak, useless, embarrassing role—contests authoritarian definitions of the self. Until the suave proponents of Darwinian fitness and success can solve the problem of „living at all“; until such time as they can make us—mothers, fathers, children, poets—happy to be partially described, governed by those descriptions, we cannot do without Fanny Howe and this nameless, wide-open vocation.
Ange Mlinko is the recipient of the 2009 Randall Jarrell Award in Poetry Criticism. Her latest book of poems is Starred Wire. This article first appeared in The Nation. Distributed by the Poetry Foundation. Read more about Fanny Howe, and her poetry, at www.poetryfoundation.org.
© 2009 by Ange Mlinko. All rights reserved.
Im Foyer des Deutschen Theaters trat wenig später Allen Ginsberg auf, dieser lebenspralle jüdische Amerikaner und schwule Sängerdichter. Er schlug temperamentvoll auf einem Holzklotz herum und rezitierte seine lüsternen Gedichte als rhythmisches Feuerwerk. Im ost-westlich gemischten Publikum saß ein Mann mit zerwuseltem Haarschopf und Nickelbrille. „Jeder Satellit hat einen Killersatelliten“ hieß ein Gedichtband von ihm, verlegt im Westen der Stadt. Allen Ginsberg fand Gefallen an dem schweigsamen Ostdeutschen. Unbefangen strich er ihm übers Haar. Die zärtliche Geste ist den eifersüchtigen Augen anderer Dichter im Saal nicht entgangen. Sascha Andersons Enttarnung als Spitzel stand noch bevor. …
Anfang der Neunziger nach Paris eingeladen, stellte die Dichterin Elke Erb einer kleinen Runde in der Rue d´Ulm (wo einstens Paul Celan gelehrt hatte) ihre herrlich verspielten Gedichte vor. Sie sprach, wie es das Arbeitsgebiet des Instituts vorgab, über die Entstehung der Texte, ihr Keimen und Wachsen. Was für eine Erscheinung: die entrückte Sprache, die schneckenhafte Langsamkeit und die vollkommene Abwesenheit von Eitelkeit. Hinterher saß man in einem Café beisammen. Mit von der Partie: eine junge Deutsche, die sechs Monate vor dem Mauerfall aus Leipzig geflohen war und seitdem ihr Glück in Paris suchte. Sie verständigte sich ohne Worte mit der Dichterin aus der untergegangenen DDR, die dasaß mitten im Quartier latin und staunte wie ein Kind.
Sascha Anderson lebt heute fernab von denen, die er verriet (darunter Elke Erb). Man sieht ihn gelegentlich in Frankfurt am Main in Begleitung eines auffallend schönen Hundes. / Ina Hartwig, FR 25.8.
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