067. Nahbellpreis-Interview mit JÜLICHER NACHRICHTEN als Kritik an der „Generation Gag“

G&GN-Institut New Cologne (Berlin) / Anläßlich des Autorenportraits der Jülicher Nachrichten mit dem ortsansässigen aktuellen 10. Nahbellpreisträger KARL-JOHANNES VOGT in den kommenden Tagen stellte die Lokalredakteurin Saskia Zimmer acht Fragen an Tom de Toys, die nicht als Interview abgedruckt werden und deren Beantwortung daher nun in Originallänge auf der Preisdomain zu lesen sind. Darin erklärt De Toys die Hintergründe des Preises: wer wann wieso als Preisträger in Frage kommt, warum es den Preis überhaupt gibt und was genau Vogts Gedichte dafür auszeichnet… Ein etwas anderer Begriff von „JETZT“ als bei vielen Lyrikern der jüngsten „Generation Gag“ [*] spielt dabei auch eine Rolle:

„(…) Aufgrund der wachsenden Kritik am traditionellen Nobelpreis wurde der Nahbellpreis im Jahre 2000 ins Leben gerufen und wird von der Trademark „POEMiE“ idealistisch gefördert. Bis heute konnte leider kein Preisgeld ausgezahlt werden, da sich noch keine Großsponsoren fanden, die diese visionäre Notwendigkeit nachvollziehen. (…) Der Nahbellpreis würdigt Lebenswerke und öffentliches Engagemnet solcher Poeten, die ansonsten in Vergessenheit zu geraten drohen oder im laufenden Literaturbetrieb zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gemäß dem Urkundentext sind lebenslängliche Unbestechlichkeit sowie stilistische Zeitgeistresistenz ausschlaggebend, um unser Interesse zu wecken. (…) Das Besondere an Vogts poetischen Miniaturen ist deren erstaunlich ruhiger und tiefer Blick auf die kostbare Wirklichkeit des alltäglichen Lebens: Ganz gleich ob er über seine Erfahrungen mit der Liebe philosophiert oder das absurde Weltgeschehen oder die Natur aus der Nähe betrachtet, immer schwingt da eine sehr starke Bewußtheit der Hingabe an die Gegenwärtigkeit UND Vergänglichkeit des „absoluten Augenblicks“ mit, vergleichbar mit der Beschreibung von Realität in Zengedichten. Dadurch sind seine Texte hochkonzentriert und wirken trotzdem wie beiläufig notiert – das ist für mein Empfinden einfach genial! Außerdem leistet sein Werk damit sowohl unter seelischen als auch soziologischen Gesichtspunkten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis einer Zivilisation, die immer oberflächlicher und schnelllebiger wird. Das spirituelle Bedürfnis nach „innerer Mitte“ und dem „Ankommen im Jetzt“ wächst zwar glücklicherweise wieder in der Bevölkerung, spiegelt sich allerdings im etablierten Literaturbetrieb ebenso ungenügend wider wie in der Politik.“

VOLLSTÄNDIGE ORIGINALQUELLE: http://www.naHbellPREIS.de – DER DURCHWAHL-LINK:
http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=10801

* Mit Generation „Gag“ wird hier angespielt auf das zwanghafte (und meist lichtlose) verkopfte Konstruieren von kryptischen Metaphern, die der Celanschen „Tradition“ nacheifern wollen, darüberhinaus aber versuchen, dem oberflächlichen Ernst ein humoreskes oder prätenziös „zeitgeistiges“ Sahnehäubchen aufzusetzen, was beim geübten Lyrik-Leser allerdings nicht die zumeist postpubertäre Inhaltslosigkeit zu verschleiern vermag. PERMANENT SKANDALÖS ist daran, daß der „etablierte“ Literaturbetrieb noch immer nicht aus diesem Billigdornröschenschlaf erwacht ist und dadurch die Seelenlosigkeit (nicht zu verwechseln mit der FREIHEIT der Seele!) subventioniert anstatt das BEDÜRFNIS VIELER „NORMALER“ LESER (querbeet aus Berufszweigen wie z.B. Ärzten, Anwälten, Therapeuten, Fachverkäufern, Handwerkern und Supermarktkassierern) nach unverschlüsseltem Tiefgang zu befriedigen. DAS ergaben Umfragen im privaten Umfeld des G&GN-Instituts und mögen hier vielleicht ungerecht provokativ wirken, dürfen deshalb aber nicht ungenannt bleiben. DISKUTIERT wird darüber sowieso nicht wirklich, da jeder im Betrieb gern Chefschäfer spielt und selbst das Trockene sucht, notfalls sogar die Herde (sprich: das authentische Bemühen um „wahre“ Poesie aus „innerer Notwendigkeit“) im Stich lässt, sofern es sich überhaupt noch um echte Tiere und kein Plastikspielzeug handelt. Manch ein inzwischen bundesweit „berühmter“ Jungdichter (mittleren Alters) outet sich deshalb auch unter Alkoholeinfluss schonmal mit zynisch verklärtem Blick als sogenannter „Berufslyriker“. Namen zu nennen würde hier allerdings bloß deren Bedeutung unnötig aufblasen, solange des Kaisers neue Kleider noch nicht aus allen Nähten platzen (man möge sich das kybernetisch wie beim Börsencrash vorstellen: der verdrängte Tag kommt irgendwann SEHR plötzlich, und danach werden sowohl der POETISCHE SPRACHSCHATZ an sich als auch die verklüngelten Betriebsregeln völlig neu geordnet)… [Anm. Sebastian Nutzlos]

2 Comments on “067. Nahbellpreis-Interview mit JÜLICHER NACHRICHTEN als Kritik an der „Generation Gag“

  1. die videos der Vogt-lesung am 21.3.2010 liegen dem G&GN-institut leider noch immer nicht vor, dafür aber inzwischen wunderbare fotos von ROMAN PLOENES geschossen, der es versteht, licht einzufangen, wo dunkelheit die bühne ummantelt 🙂 PLOENES ist quasi mein heimlicher hausfotograf seit 2 jahrzehnten, er hat mich bereits 1993 im kölner studentencafé Cottas geknipst bei der präsentation meines ersten „offiziellen“ gedichtbandes „JeDaZeitBereit“ (noch immer lieferbar!)…

    hier nun die ZAKK-fotostrecke, wo ich vogts poeme vortrage:

    http://www.myspace.com/tomdetoys/photos/albums/winner-of-nahbell-prize/493831?page=2

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