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| CHRISTIAN HAWKEY | reads: | |
ELKE ALLOWING THE FLOOR TO RISE UP, OVER HER, FACE-UP
Alone in a room with a video camera
means you’re not alone, but lonely.
The floor closed around my lips.
I spoke from a knot. All bodies
are flexible, interlace. A forest
sliced into sections & rearranged
on a horizontal plane: go ahead,
walk on me. I have a wind-up windpipe
vulcanized by the luggage I
arrived with, which is nothing,
nothing special. Swab
my armpits for explosives.
(…)
Alle zwei Wochen sucht der Padina-Redakteur für die Hitliste fünf neue Gedichte im Internet. Unter den ausgewählten Gedichten finden sich therapeutische Gedichte, lyrisch anspruchsvolle Gedichte, Liedtexte, erste lyrische Gehversuche, Werbegedichte und die ganze andere Vielfalt des Lebens in lyrischer Ausdrucksform. Die jeweiligen Neuvorstellungen und gegebenenfalls die dazugehörigen Kurzbewertungen werden hier dokumentiert.
Zuletzt Gedichte über Suppen & Eintöpfe, Lyrikkritik, Telefon und Konjunktur.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
There’s only so much we can do to better ourselves, and once we’ve done what we can, it still may not have been enough. Here’s a poem by Michelle Y. Burke, who lives in N.Y., in which a man who does everything right doesn’t quite do everything right.
Nocturne
A man can give up so much,
can limit himself to handwritten correspondence,
to foods made of whole grains,
to heat from a woodstove, logs
hewn by his own hand and stacked neatly
like corpses by the backdoor.
He can play nocturnes by heart.
They will not make the beloved appear.
He can learn the names of all the birds
in the valley. Not one
will be enticed to learn his.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Michelle Y. Burke and reprinted from Lake Effect, Vol. 13, Spring 2009, by permission of Michelle Y. Burke and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
In der Literaturbeilage des Neuen Deutschland u.a. über
Die Süddeutsche Zeitung dagegen hat zumindest auf der Website zur Messe gar keine Lyrikkritik.
Im Druck nicht viel: Kurzrezensionen von Peter Wawerzineks BAADER Holst-Buch und den neuen Echtermeyer auf S. 15.
Noch weniger in der Literaturbeilage der FR, nämlich nichts. Ihre Taten reden wie Politiker: Schluß mit der LYRIK, jetzt die Fakten. Wie hier:
“Gibt es außer Lyrik auch Projekte?”, hakte der deutsche Grünen-Abgeordnete Reinhard Bütikofer nach. “Zum Beispiel zur Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen?” / Zeit online
(Wir suchen weiter)
Dass Regina Klein Lieder von Rio Reiser singt, habe weniger mit Planung, als mit Bauchgefühl zu tun. Und mit Lyrik. Einer Lyrik, die so mancher bei dem Polit-Rocker Rio Reiser wohl nicht vermutet hätte. Einer Lyrik, die nachdenkliche Töne ebenso kennt wie verzagte Hoffnung und die sich selbst in Zeiten der sexuellen Revolution doch immer wieder nach der eigentlich spießigen Zweier-Kisten-Liebe sehnt.
So wurde die Premiere von Kleins neuem Programm «Lass uns ’n Wunder sein» neben einem echten Hörgenuss auch zu einer Entdeckungsreise durch ein Stück deutscher Zeitgeschichte hin zu einem äußerst vielfältigen Musiker, der zwar vielleicht nicht König von Deutschland war, aber dafür ein Meister deutscher Songs. / Frankfurter Neue Presse

„Selbstporträt mit Subunternehmen“
Moderation Silke Peters/ Stralsund
Am Sonntag, 10.10.2010, ab 11 Uhr, lädt der Verein der Burg Klempenow zum Poesiefrühstück in den Westflügel der Burg ein. Diese Lesereihe widmet sich schon im zweiten Jahr der zeitgenössischen Lyrik. Hier begegnen sich ungezwungen AutorInnen und LeserInnen zum gemeinsamen Frühstück und zu einer anschließenden Lesung. Diese Veranstaltungen öffnen dem Alltagsbewusstsein die zunächst einmal fremd scheinenden Innenwelten einzelner zeitgenössischer AutorInnen.
Die Lesung beginnt ca. 12 Uhr.
Das Burgcafé bereitet, ab der Zusage von zehn Gästen (bitte eine kurze Mail an mail.silkepeters@gmx.de), ein wunderbares Frühstücksbuffet vor. Bei weniger Zusagen gibt es ein Einzelfrühstück und Getränke auf Wunsch vom Burgcafé serviert.
Rainer Stolz, geboren 1966 in Hamburg, lebt als Lyriker, Sprachspieler und Momentesammler in Berlin. Veröffentlicht hat er u. a. den Lyrikband „Während mich die Stadt erfindet“ (Elfenbein Verlag, Berlin 2007) und das aphoristische Leseheft „Stuckbrüche“ (SuKuLTuR-Verlag, Berlin 2006). Gemeinsam mit Stephan Gürtler gab er die Anthologie „Feuer bitte! Berliner Gedichte über die Liebe“ (dahlemer verlagsanstalt, Berlin 2003) heraus. Er wirkt bei literarischen Gemeinschaftsprojekten mit (z. B. Kettendichtung) sowie bei Interaktionen mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten. Seit kurzem betätigt er sich auch als Poesievermittler, z. B. an Schulen.
Website: www.rainerstolz.de
Christian Lehnert, Theologe und Dichter aus Dresden (Librettist auch von Hans Werner Henzes Oper »Phaedra«), hat ein vielstimmiges Großgedicht geschrieben, das vordergründig vom gescheiterten Fluchtversuch eines Ostberliner Krankenpflegers handelt. …
Wie einen solch vielfach gebrochenen Text vertonen? Der Komponist Samir Odeh-Tamimi, ein seit 18 Jahren in Deutschland lebender Israeli palästinensischer Abstammung, hat erst gar nicht versucht, die Worte musikalisch zu illustrieren. Nicht Empathie wecken die Klänge beim Zuhörer, nicht Reflexion – die Musik ist eine Übertragung der dem Text innewohnenden Drastik, Zerrissenheit und Irre in oft ohrenezereißende Geräusche. Im Hörerlebnis halten Lehnerts wohlgesetzte Worte dieser Kompositionspraxis nicht stand: Ohne die Projektion des Texts an die Bühnenwand, ohne den Abdruck des Librettos im Programmheft ginge die zugrundeliegende Sprache vollends verloren. / Martin Hatzius, ND 5.10.
Wie leicht man sie doch erkennt! Der Rezensent einer Sammlung „Gedichte aus dem Nachlaß“ der „Westostberliner“ Dichterin Gisela Kraft, die im Januar diesen Jahres in Weimar starb, kennt den Zeitgeist, er kennt ihn genau* und huldigt ihm sowie dem genius loci an passendem Platz:
Möglicherweise entspricht dieser Text nicht ganz dem derzeit herrschenden Zeitgeist, der eine unverrückbare Sicht auf die Jahre der DDR zu propagieren wünscht. Eine Störung aus Weimar scheint nicht willkommen; ein umso willkommener Schluss ist dem Rezensenten deshalb das Gedicht vom Sommer 2008 »Störung II«: »… derweil wurzelzwerge kistenweis/kristalle hoch hinaus befördern/gegen bunte ballons fliegenge-/lassen erdwärts auf augenhöhe.«
/ Matthias Biskupek, Neues Deutschland 5.10.
Gisela Kraft: Weimarer Störung. Gedichte aus dem Nachlass. Hg. v. Kai Agthe. Edition Muschelkalk. Wartburg Verlag. 112 S., brosch., 11 €.
*) Wenn ich mich recht erinnere, kannte er ihn schon zu Zeiten, als das Wort „Störung“, ich zitiere einen Greifswalder Professor aus den vor-89er Jahren, „nicht zum marxistisch-leninistischen Wortschatz“ gehörte.
Die 20 Autoren für das Finale des 18. open mike am 13. und 14.11.2010 in Berlin sind benannt.
Beim 18. open mike der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation konnten sich 20 Autoren mit ihren Texten gegen knapp 700 Einsendungen durchsetzen und sich für das Finale qualifizieren, das am 13. und 14.11. in der WABE stattfindet.
Folgende Autoren sind nominiert: für Lyrik Isabella Antweiler (Köln), Philip Maroldt (Berlin), Stephan Reich (Münster), Jan Skudlarek (Münster), Levin Westermann (Biel, CH), für Prosa Martina Bögl (Unterföhring), Katharina Hartwell (Hanau), Judith Keller (Leipzig), Susan Kreller (Bielefeld), Anne Krüger (Berlin), Andreas Lehmann (Mainz), Janko Marklein (Hannover), Tom Müller (Tübingen), Jennifer de Negri (München), Frauke Pahlke (Berlin), Sebastian Polmans (Niederkrüchten), Christian Schich (München), Jasmin Seimann (Berlin), Jan Snela (Tübingen), Julia Trompeter (Berlin).
Die Auswahl der Teilnehmer haben sechs Lektoren aus renommierten deutschsprachigen Verlagen getroffen. Christian Döring (freier Lektor), Martin Hielscher (C.H. Beck), Marion Kohler (DVA), Olaf Petersenn (Kiepenheuer&Witsch), Christiane Schmidt (Hoffman und Campe) und Dirk Vaihinger (Nagel&Kimche) wählten aus anonymisierten Texten ihre Kandidaten aus. Während des Finales am 13. und 14. November stellen sie die Teilnehmer dem Publikum und der Jury vor.
Die Juroren Hanns-Josef Ortheil, Ilija Trojanow und Anja Utler können bis zu drei Preisträger küren. Einer der drei Preise wird für Lyrik vergeben. Für die Preisträger steht eine Gewinnsumme von insgesamt 7500 EUR zur Verfügung.
Auch das Publikum kann einen Gewinner küren: die taz-Publikumsjury wird bereits zum dritten Mal den taz-Preis verleihen. Informationen zur Publikumsjury unter http://www.literaturwerkstatt.org.
Die Wettbewerbstexte des 18. open mike erscheinen als Anthologie im Allitera Verlag und sind ab dem 10.11.2010 in den Buchhandlungen Anakoluth, Prenzlauer Berg und ebertundweber, Kreuzberg erhältlich, danach im Buchhandel oder unter www.allitera.de.
Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.
In fast allen Gedichten ist das langsame, manchmal fast somnambule Gehen der Ausgangspunkt von Erkundungen, die eine sinnliche Aneignung des jeweiligen Landstrichs anstreben. Die Erkundungsgänge folgen dabei mehr der Struktur dunkler Phantasmagorien und Traumreisen als romantischen Landschafts-Imaginationen. Es sind emphatische Wahrnehmungszustände und überwältigende Offenbarungs-Augenblicke, in denen sich das Ich durch seine Suchbewegung ein neues Koordinatensystem der Erfahrung erarbeitet und die Welt sich dann in neuem Licht zeigt. Die strenge Kompositionstechnik Lutz Seilers, seine Engführung der Metaphern und die dichte Verfugung der Bilder und Assoziationen, verlangt viel Aufmerksamkeit vom Leser. Die fliessende Bewegung der Verse wird mitunter von schroff gesetzten Brüchen und Zeilensprüngen verlangsamt.
Mitunter scheinen diese hochmusikalisch strukturierten Gedichte die Aufgabe des von Seiler zitierten alten griechischen Orakels in Dodona zu übernehmen, das einst aus dem Rauschen der Bäume die Zukunft weissagte. Die Geschichtsversessenheit des Autors, in dessen Gedichte auch die Stimmen der Toten flüstern, wirkt ansteckend. Die poetischen Tiefbohrungen «im satzbau dieser gegend» erzeugen einen geheimnisvollen Sog, wie er nur substanzieller Poesie eigen ist: «von / eckstein zu eckstein springt / die spreu deines schattens. Linien, auf denen / die stimmen der toten telefonieren. Wenn du / das nachsehen hast, atmen sie dir direkt / ins gesicht: untermieter, hausbuchführer, aranka, die / aus den kniekehlen gesungen hat . . . auch / deine eignen knochen musst du weiter denken, kommata / im satzbau dieser gegend.» / Michael Braun, NZZ 4.10.
Lutz Seiler: im felderlatein. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2010. 100 S., Fr. 23.50.
Unter dem Titel „flämischer herbst“ ist rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse ein Band mit neuen Gedichten des deutschsprachigen belgischen Schriftstellers Freddy Derwahl erschienen. Das rund 90 Seiten umfassende Buch wurde im Udo Degener Verlag in Potsdam (Brandenburg) herausgegeben. Die unveröffentlichten Gedichte sind in den vergangenen drei Jahren entstanden, ein Teil davon in Antwerpen, wo sich der Autor als Gast und Stadtschreiber des flämischen PEN-Zentrums nach mehreren Romanen und Biografien wieder der Lyrik zugewandt hat. / belgieninfo.net
Freddy Derwahl: flämischer herbst
Gedichte
88 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, 17.90 Euro
ISBN 978-3-940531-10-0
Freddy Derwahl, geboren 1946 in Eupen, ist der „bekannteste deutschsprachige Schriftsteller Belgiens“ (FAZ).
Hier sein Gedicht „Lüttich“
Eine starke Stunde hat Christoph Meckel am Mittwoch in der Offenburger Buchhandlung „Akzente“ gelesen. Mehr wäre ungesunde Völlerei gewesen, denn die Sprache des aus Freiburg stammenden Lyrikers und Erzählers ist hochkonzentriert. Dabei ist sie klar. Kein Ausdruck, der nicht präzis wäre. Keine Metapher, die überladen wirkte. Christoph Meckels Zeilen und Sätze malen nicht aus, sie lassen im Leser innere Bilder entstehen. / Badische Zeitung
István Kemény, Orsolya Kalász und Monika Rinck
Künstlerprogramm des DAAD
05.10. 20 uhr
daadgalerie
Zimmerstraße 90/91 10117 Berlin
Moderation: Cornelia Jentzsch
István Kemény, * 1961 in Budapest, knüpft in seiner Lyrik einen Weltenteppich aus vielerlei Strängen und Motiven: Bei ihm ist die Französische Revolution ebenso gegenwärtig wie die ungarischen Freiheitskämpfe; die Ansprache des geliebten Vaters wechselt sich in seinem Werk mit einem anderen Vaterbild ab, das, halb bedrohlich, halb leutselig, aus dem Schulbuch grüßt; ein Gedicht des ungarischen Nationalhelden Sándor Petőfi inspiriert ihn zu einer so kurzen wie treffenden Analyse des seelenzersetzenden Spitzelwesens. István Kemény findet für das Private wie für das Politische eindrückliche Bilder und setzt sie so kunstvoll ein, dass komplexe Zusammenhänge ohne Reduktion anschaulich werden. Es sind starke Visionen, die oft beiläufig entworfen werden, verblüffende Einsichten, deren absurder Witz keineswegs über die offenbarten Abgründe hinwegtäuscht.
Mit István Kemény im Terzett lesen Orsolya Kalász, die als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin und Budapest lebt und u. a. gemeinsam mit Gerhard Falkner den Band „Budapester Szenen“ herausgegeben hat, und Monika Rinck, die sich in ihrer vielbeachteten literarischen Arbeit immer wieder bewusst in ein Spannungsverhältnis von medientechnischen, philosophischen und lyrischen Inspirationen verwickelt, in dem es überraschende Lösungen zu finden gilt – beide haben sie Keménys Lyrik übersetzt und für den Abend eigens neue Gedichte von ihm übertragen.
Eine kleine Nachlese zum Fest. Ist es auch nur teilweise Lyrik, hat es doch Bedeutung.
Er beteuerte: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt mit dem Organ Staatssicherheit zusammengearbeitet.“ Er sei nur zurückgetreten, um Schaden von der SPD abzuwenden. Er schreibe wieder. Ob ich sein neuestes Gedicht hören wolle? Höflich antwortete ich: „Ja.“ Er trug es mit erträglichem Pathos vor.
Die letzte Zeile lautete: „Immer schrieb ich mit roter Tinte. Die meine Gedichte lasen, aber waren farbenblind.“
Nach seiner Rückkehr aus der Toskana gab es für Böhme ein kurzes Comeback als Polizeibeauftragter von Ost-Berlin. Endgültig endete seine Karriere, als der Schriftsteller Reiner Kunze nach Auswertung seiner Stasi-Akten unter dem Decknamen „Lyrik“ den Lyriker Böhme als den Mann entlarvte, der ihn und seine Familie jahrelang für den DDR-Geheimdienst ausgeforscht hatte. / bild.de
Wer fünfeinhalb Monate dem Kabinett de Maizière angehörte, bekommt monatlich 650 Euro. Das klingt lachhaft – aber nur, wenn man nicht weiß, daß die mühsam ertrotzte „Opferrente“ für politische Häftlionge 250 Euro beträgt.
Warum soll der Westen die Zeche für die Verbrechen im Osten zahlen? Weil es sonst keiner tut. Geld ist ja bei der milliardenteuren Einheit das geringste Problem. Herr Z. zum Beispiel, der sieben Jahre zu Unrecht im Zuchthaus Bautzen saß. Seiner Verlobten teilte die Stasi mit, Z. sei tot – worauf sie sich das Leben nahm: Wer ahndet das? Niemand. „die schuldigen / sterben, leider, meist / an schnupfen / also / eines natürlichen todes“, schrieb der Dichter Uwe Kolbe in den neunziger Jahren. Tatsächlich wurde kaum ein Täter verurteilt. / Die Zeit 39, S. 1
Warum soll der Westen die Zeche für die Verbrechen im Osten zahlen? fragt die Zeit. Brecht wußte schon 1953: „Wir haben unseren eigenen Westen“. So viel ich weiß, arbeiten auch in Greifswald und Zittau Leute, und zahlen Steuern, Rentenbeiträge und die perfiderweise so genannte „Solidaritätszulage“. Im Osten hats wohl niedrigere Durchschnittslöhne, aber dafür weniger Beamte, also mehr Renteneinzahler. Das sollte man auch in Hamburg verstehen.
Ein Hauch von Tea Party liegt über der Bundesrepublik. (Die Zeit, a.a.O. S. 1)
Na, schau mer mal.
Der Argentinier Roberto Juarroz (1925-1995) gehörte zu jenen wahrhaft Großen der Literatur, die über Wesen, Wert und Wirkung der Dichtung mittels Lyrik und Essay nachdachten. Zwar ist der poetologische Essay mit 25 Gedichten erstmals vor drei Jahren auf Deutsch bei Tropen erschienen, doch erst jetzt, anlässlich des Buchmesseschwerpunktes Argentinien und der Neufassung in der Edition Delta, wird die universelle Bedeutung des argentinischen Lyrikers und Essayisten bewusst. Seine Verse sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden. Anhand von 25 Gedichten aus seinem lyrischen Großprojekt „Vertikale Poesie“ lotet der wohl wichtigste Poet Lateinamerikas zentrale Themen unserer Existenz aus. Er denkt über das Verhältnis von Sprache, Sein und Nichtsein nach, definiert aus immer wieder anderen Blickwinkeln den Sinn der Poesie und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit, zur Macht, zu Freiheit, Stille, Einsamkeit, Warten, Liebe, Tod, Raum, Zeit, Geist, Einheit und Wahrheit. „Jeder wahre Dichter ist ketzerisch“ heißt es und „Der Dichter kämpft beim Schreiben um die ganze Würde und die ganze Größe, die mit der Kleinheit des Menschen zusammenhängt.
/ dorothea von törne, Die Welt
Poesie und Wirklichkeit.
Von Roberto Juarroz. A. d. Span. v. Juana und Tobias Burghardt. Edition Delta, Stuttgart.167 S., 17,50 Euro.
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