Die Literaturwerkstatt Berlin ruft die Berliner dazu auf, an einem großen Berlin-Gedicht mitzuschreiben. An der Stadt und an Sprache Interessierte können mitmachen, unabhängig von Alter und Herkunft. Unter der Mentorschaft von erfahrenen Dichtern können sie in einer kostenlosen Schreibwerkstatt einen Text zu dem Bezirk erarbeiten, in dem sie wohnen. Die Schreibwerkstätten finden ab Anfang Mai bis Ende Juni statt, in allen Berliner Bezirken.
Anmeldeschluss ist der 4. Mai.
Die Mentoren der Schreibwerkstätten sind die Dichter Andreas Altmann, Kerstin Hensel, Norbert Hummelt, Orsolya Kalász, Björn Kuhligk, Michael Lentz, Brigitte Oleschinski, Valeri Scherstjanoi, Tom Schulz, Michael Speier, Ulf Stolterfoht und Ron Winkler.
Interessenten melden sich bitte mit Angabe des Bezirkes bei:
Dr. Matthias Kniep
Tel: +49.30.48524544
E-Mail: m.kniep@literaturwerkstatt.org
Weitere Informationen unter www.literaturwerkstatt.org
Im Zentrum des Gedichtes soll der jeweilige Bezirk selbst stehen, seine Geschichte und seine Eigenarten. Die fertigen Texte werden Ende Juni zu einem großen Poem verbunden,100 Zeilen pro Bezirk, zwölf gleichberechtigte Teile, die ein vielstimmiges Ganzes ergeben werden. Das daraus entstehende Berlin-Gedicht wird zur 20-Jahr-Feier der Literaturwerkstatt Berlin am 17. September 2011 in der Kulturbrauerei vorgetragen und ist zentraler Bestandteil eines Bürgerfestes der Poesie.
Alle, die daran mitgedichtet haben, werden bei dieser Gelegenheit entsprechend gewürdigt.
Das Projekt wird realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.
Anmeldetermin: ab sofort
Anmeldeschluss: 4. Mai
Zeitraum: Von Anfang Mai – Ende Juni
Interessenten melden sich bitte mit Angabe des Bezirkes bei: Dr. Matthias Kniep,
Tel: +49.30.48524544
E-Mail: m.kniep@literaturwerkstatt.org
Die Gruppenstärke ist begrenzt, gegebenenfalls nehmen die Dichter eine Auswahl vor.
Bitte geben Sie bei der Anmeldung Ihr Alter an. Schreiben Sie in ein, zwei Sätzen, warum Sie an dem Projekt teilnehmen wollen.
Dichter, Journalisten und Schriftsteller aus Lateinamerika haben sich mit den Opfern und ihren Familien solidarisiert und zu einem Offenen Brief an den mexikanischen Präsidenten eingeladen.
Deshalb rufen Juana und Tobias Burghardt zu einer Unterschriftenaktion auf, mit der deutschsprachige Kolleg/innen ihre solidarische Stimme wahrnehmen lassen sollen. E-Mail an tobiasburghardt@gmail.com mit Angabe von:
Name, Aktivität, Organisation (Land)
Hier der Wortlaut des Briefes:
Offener Brief an Felipe Calderón Hinojosa
Herr Präsident der Vereinigten Mexikanischen Staaten,
die unterzeichnenden Dichter, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Journalisten und Universitätsprofessoren aus verschiedenen Winkeln der Welt, verurteilen nachdrücklich die Ermordung von Juan Francisco Sicilia, dem Sohn des mexikanischen Dichters Javier Sicilia, und seinen sechs Freunden, geschehen am 28. März 2011 in der Stadt Cuernavaca, Morelos.
Wir wenden uns an Seine Exzellenz, um in aller Höflichkeit darum zu bitten, dass die Mörder ausfindig gemacht und mit dem ganzen Gewicht des Gesetzes zur Verantwortung gezogen werden.
Zudem erlauben wir uns, unsere tiefe Besorgnis angesichts der schmerzvollen Ereignisse zum Ausdruck zu bringen, bei denen die Welt zuschaut und die mit der Würde Mexikos, des mexikanischen Volkes und seiner ruhmreichen Tradition, nicht übereinstimmen. Wir begleiten die Familienangehörigen der mehr als 35.000 Menschen, die ihr Leben aufgrund der offenkundigen Lage verloren haben, und hoffen mit ihnen, dass Gerechtigkeit widerfahren wird und der Mantel der Straflosigkeit die Mörder nicht beschützen wird.
Mit freundlichen Grüßen
In gut drei Dutzend mexikanischen Städten haben Tausende Menschen gegen die fortgesetzte Gewalt im Drogenkrieg protestiert. Zu den Demonstrationen unter dem Motto „Für den Frieden – Gegen die Gewalt“ hatte unter anderen der Dichter Javier Sicilia aufgerufen, dessen 24 Jahre alter Sohn Ende März von einem Drogenkartell ermordet worden war. / faz.net
Ausführlicher der Tagesspiegel, in dem es u.a. heißt:
Beobachter sehen schon den Beginn einer nationalen Bewegung, ausgerechnet mit einem Poeten an der Spitze, dessen einzige Waffe das Wort ist. Vor wenigen Tagen hat Sicilia 95 Plaketten an den Sitz des Gouverneurs seines Heimatstaates Morelos geschraubt. Darauf stehen die Namen der allein dort in diesem Jahr Ermordeten. Sicilia rief alle Mexikaner auf, es ihm gleichzutun. Die Politiker stünden vor einem – von Sicilia wohl kalkulierten – Dilemma: Entweder ihre Amtssitze würden zu riesigen Mahnmalen, oder sie nähmen die Plaketten ab und bewiesen ihre Hartherzigkeit.
Neben Steffen Popp, dem Gewinner des Leonce-und-Lena-Preises 2011, sind am 28. April in der Literaturwerkstatt Berlin auch die beiden diesjährigen Wolfgang-Weyrauch-Förderpreisträger Jan Volker Röhnert und Andre Rudolph zu Gast.
Zur gleichen Zeit findet eine Lesung im Greifswalder Kruppkolleg im Rahmen der Lyriktagung zur modernen Einflußdichtung statt. Es lesen ab 20 Uhr im Kruppkolleg: Urs Allemann, Marcel Beyer, Bertram Reinecke und Monika Rinck.
Steffen Popp hält am Sonnabend in der Greifswalder Konferenz einen Vortrag um 12.15 Uhr mit dem Titel: Fragen an die Boxmaschine – “Einflussangst und Vatermord” in einer kollaborativen Poetik zeitgenössischer LyrikerInnen
Heute in Greifswald:
18.30 Uhr — 19.00 Uhr
Begrüßung
Christian Suhm (Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald)
Einführung
Uta Degner (Salzburg) und Elisabetta Mengaldo (Greifswald)
19.00 Uhr — 20.00 Uhr
Greifswaldvariationen
Marcel Beyer (Berlin/Dresden)
20.00 Uhr
Empfang im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg
«Ich lebte im Wasser» schrieb einst der französische Dichter Paul Valéry in einem seiner Gedichte über Sète. Ein Blick vom Mont St. Clair genügt, um die Bedeutung seiner Worte vollständig zu erfassen: Sète ist umringt vom Meer und dem «Étang de Thau», einem Binnenmeer, das nur durch einen schmalen Sandstreifen vom Mittelmeer getrennt ist. …
Schon der französische Chansonnier und berühmte Sohn der Stadt, Georges Brassens, besang den zwölf Kilometer langen Strand. …
Hier liegt einer der bekanntesten Friedhöfe Frankreichs neben dem Pariser Père Lachaise, der cimetière marin. Dank seines Blicks auf das unendliche Blau ist er in die Weltliteratur eingegangen. «Das Meer, das Meer, ein immer neues Schenken! O, die Belohnung nach dem langen Denken. Ein langes Hinschaun auf der Götter Ruhn!», schrieb Valèry in seinem Gedicht «Friedhof am Meer», das Rainer Maria Rilke ins Deutsche übertragen hat. / Süddeutsche
Die suggestive Lakonie seiner Erzählungen und Gedichte kommt damit auch den Essays zugute – in keiner Zeile wird geeifert oder geschwätzt. Denn niemals verbirgt der von ostdeutscher Landschaft so fundamental geprägte Autor die Brüche – und nicht die Notwendigkeit, mitunter eben solche Brüche herbeizuführen. In seinem Gedicht „Die Tauben von Weimar“ etwa heißt es: „Hier liefen/ sie/ um die Brunnen/ und fraßen Bockwurstreste// Hier lief/ ich/ davon mit /siebzehn/ riss ab/ von den Wegen der Gemeinschaft“
Von Joseph Brodsky stammt das Diktum: „Ästhetik ist Ethik.“ Utz Rachowskis Texte beweisen das in geradezu atemberaubender Eindringlichkeit, die keinen Platz lässt für hohle Rhetorik. Wohl aber für ein Selbstbewusstsein, das man nicht allein vor 1989 auch anderen (ost)deutschen Schriftstellern gewünscht hätte: „Chinesischer Türhütergott. Schlagt an den Pfosten/ ihn ruhig.// Es ist ohnehin nur Schein.// Denn Gott behütet/ die Dichter nicht// und vor ihnen/ schützt auch// kein Gott.“ / Marko Martin, Märkische Allgemeine
Utz Rachowski: Beide Sommer. Leipziger Literaturverlag, 123 Seiten, 14,95 Euro.
Pommern ist von fast allem (nur nicht der Ostsee) sehr weit weg. (Das gilt in Deutschland genau wie in Polen). Diese Woche aber hat der An- und Umwohner Greifswalds einen klaren Standortvorteil. Von Mittwoch bis Sonnabend findet eine internationale Fachtagung statt zum Thema:
Der Dichter und sein Schatten
Fallstudien zur modernen Einfluss-Dichtung
Die Tagung
möchte das Phänomen der Einfluss-Lust (und nicht nur der „Einfluss-Angst“, mit der sich die wirkungsmächtige Studie von Harald Bloom auseinandergesetzt hat) unter der Perspektive ihrer Produktivität neu bewerten. Die Grundannahme ist, dass die Auseinandersetzung mit anderen DichterInnen und ihrer Sprache für die Entstehung einer eigenen Poetik konstitutiv ist.
Dies gilt insbesondere für moderne Lyrik, in der im zwanzigsten Jahrhundert Formen wie Zitation und Montage, literarische ‚ready mades‘ und andere affirmative Formen von Intertextualität (bis zum Extremfall des Plagiats) ihre literarische Blüte erleben und aus dem Schatten des Trivialen treten.
Das Verhältnis von Originalität und Epigonentum wird komplexer als bisher zu beschreiben sein. Nietzsche beklagt 1879 in Der Wanderer und sein Schatten die „Originalitätswut“ der Modernen, die im Unterschied zu den antiken Autoren eine regelrechte Angst vor der Konvention an den Tag legen würden. Doch gerade nachdem sich die modernen Autoren seit der Romantik scheinbar oder wirklich von den „Ketten“ der Tradition befreit (ein Bedürfnis jeder literarischen Avantgarde) und die vollständige Freiheit und Ungebundenheit ihrer künstlerischen Schöpfung behauptet haben, können sie sich ohne jegliche Einfluss- und Konventionsangst ‚leisten‘, auch epigonal zu sein: Wo der Zwang der Konvention nicht mehr so stark ist, kann die dezidierte Aneignung fremder Vorbilder anfangen.
Wissenschaftler wie Wolfram Groddeck (Robert Walser), Hans-Jost Frey (Franz Josef Czernin), Dieter Burdorf (Thomas Kling liest Rudolf Borchardt) und viele andere tragen ihre Beobachtungen zum Thema vor. Vor allem aber treten auch Lyriker selbst auf.
Urs Allemann, Marcel Beyer, Steffen Popp, Bertram Reinecke und Monika Rinck sind in Lesung, Gespräch und Vortrag dabei. Eine solch geballte Ladung ist nicht nur in Greifswald kaum alltäglich und lohnt den Weg ins Krupp-Kolleg allemal.
Die Termine der Lyriker:
Mittwoch 18.30 Uhr — 20.00 Uhr
Marcel Beyer: Greifswaldvariationen (Eröffnungsvortrag)
Donnerstag 17.00 Uhr — 17.45 Uhr
Gespräch über Lyrik: Monika Rinck (Berlin) und Elisabetta Mengaldo (Greifswald)
Donnerstag 20.30 Uhr — 22.00 Uhr
Lesung: Urs Allemann, Marcel Beyer, Bertram Reinecke und Monika Rinck
Sonnabend 12.15 Uhr — 13.00 Uhr
Steffen Popp: Fragen an die Boxmaschine – “Einflussangst und Vatermord” in einer kollaborativen Poetik zeitgenössischer LyrikerInnen
Das Programm:
Zwei Antworten von Ulla Hahn:
„Mein Geliebter ist die Lyrik und verheiratet bin ich mit der Prosa. Gedichte sind einfach etwas Wunderschönes.“
„Es war für mich selbst überraschend, wie lässig meine Gedichte geworden sind. Sie sind freier und frecher. Dieser Abbau von Ängsten durch mein jahrzehntelanges Schreiben, den merkt man den Texten an. Und wenn ich heute meine früheren Verse betrachte, ist es, als würde ich die Gedichte einer jüngeren Schwester lesen: Etwas wehmütig, etwas neidisch und manchmal mit einem Kopfschütteln.“
Aus einem Gespräch der Berliner Zeitung mit Kathrin Schmidt:
Hat sich ihr Schreiben verändert? Vielleicht bei den Gedichten?
Gedichte konnte ich fünf Jahre lang gar nicht schreiben. Mir fehlte einfach die dritte Dimension, oder ich habe das Geheimnis nicht mehr entdeckt. Bei einer Lesung im Herbst 2007 in Greifswald war ich besonders von den Gedichten von Ron Winkler fasziniert. Aber ich hatte sie überhaupt nicht verstanden, auch semantisch nicht. Ich habe mir dann alles von ihm gekauft und versucht, sie zu knacken. Immer wieder habe ich ihn gelesen, bis ich ein Gefühl dafür hatte, wie er ein Gedicht hinkriegt. Von dem Augenblick an kamen auch meine wieder. Also bin ich Ron Winkler zu großem Dank verpflichtet.
Der chilenische Dichter Gonzalo Rojas starb im Alter von 93 Jahren in Santiago. Rojas erhielt 2003 den Cervantes-Preis. / Libération 26.4.
Bei Wikipedia
Von 1973 bis 1975 flüchtete er vor dem Pinochet-Regime in die damalige DDR, wo sein Gedicht “Domizil an der Ostsee” entstand. / Latina Press
Literarischer Komödienstadl oder ein Biotop bayerischer Schriftstellerei? Bei den Münchner Turmschreibern finden sich ganz unterschiedliche Autoren. Wolfgang Görl berichtet in der SZ vom 19.4.:
In den ersten Jahren waren die Turmschreiber ein kleiner privater Kreis, dessen Mitglieder mehr oder weniger im eigenen Saft schmorten. Das änderte sich spätestens Ende der Siebziger, als der Bühnenmensch Kurt Wilhelm die Regie übernahm. Wilhelm sorgte dafür, dass seine Schreiberlinge vom Turm hinabstiegen und ihre Werke vor größerem Publikum lasen, im Künstlerhaus und vor allem in der Kleinen Komödie. Zum Star der Dichtertruppe avancierte in der Folgezeit der Pädagogikprofessor Helmut Zöpfl. Der dichtende Wissenschaftler schreibt vorzugsweise in bayerischer Mundart, auch Reime und ein regelmäßiges Versmaß setzt er gerne ein, um seinen Gedichten eine traditionelle Form zu geben: ‚Jeda nennt’s,/koana kennt’s/’s Glück.(…) Oiwei ziagt/und verfliagt/’s Glück.‘ Lebensweisheiten wie diese finden sich häufig in Zöpfls Lyrik. Vor allem bei einem konservativ gestimmten Publikum kamen diese Gedichte hervorragend an. Wenn Zöpfl oder sein Dichterkollege Franz Ringseis – hinter dem Pseudonym verbirgt sich der 1997 gestorbene Philosophieprofessor Anton Neuhäusler – ihre Werke lasen, war die Bude voll.
Den Turmschreibern brachte die so gewonnene Popularität nicht nur Ruhm ein, sondern auch den Ruf, sich am literarisch Geschmack eines dörflichen Pfarrfamilienabends zu orientieren. So jedenfalls sahen es ihre Kritiker, die, sofern sie selber schrieben, sich dem Kreis um den eigenwilligen Verleger Friedl Brehm anschlossen. Brehm, der 1983 starb, war ein ewiger Rebell, dem es ein Gräuel gewesen wäre, im Lodenanzug zu stecken, und der stattdessen in Jeans, offenem Hemd und mit einem großen Peace-Zeichen über der blanken Brust herumlief. Seine Autoren dichteten im Geiste eines aufmüpfigen Bayerntums, schräge, sperrige Verse waren das, und ihr Lebensgefühl glich dem eines Wilderers im geordneten bayerischen Staatsforst.
Kaum etwas war ihnen verächtlicher als die Turmschreiber, allen voran Helmut Zöpfl, den sie als Hofdichter der CSU betrachteten. Wenn der Friedl-Brehm-Autor Helmut Eckl in den Münchner Kleinkunstbühnen auftrat, lief das selten ohne den viel belachten Spruch ‚Der Zöpfl is a Zipfl‘ ab. Zöpfl selbst wehrt sich vehement dagegen, in die Ecke ‚bayerntümelnder Deppen‘ (Zöpfl) gestellt zu werden. Er sieht sich durchaus als kritischen Dichter, der immer versucht habe, ‚ein bisserl reinzuhauen, wenn mir etwas stinkt‘. Nur mache er es eben nicht so hart wie andere. ‚Meine Botschaften sind ganz einfach: anderen helfen, Nächstenliebe, gegen Bürokratisierung.‘ Vielleicht kann man es so formulieren: Zöpfl beklagt in seinen Gedichten die Verwerfungen der Moderne aus der Perspektive des katholisch geprägten, in der altbairischen Tradition verwurzelten Mannes.
Egal, ob man ihn als oppositionellen Dichter oder hausbackenen Bavarica-Autor betrachtet – Platz wäre für beides bei den Turmschreibern. Aber Zöpfl ist nicht mehr dabei. Sie haben ihn rausgeworfen, gut ein Jahr ist das her. Herbert Burger und Herbert Rosendorfer haben die Turmschreiber daraufhin freiwillig verlassen – aus Protest gegen den Rausschmiss Zöpfls. Dieser hat inzwischen eine Turmschreiber GmbH gegründet. ‚Die ist alles andere als eine Konkurrenz. Ich wollte sie nur ärgern.‘
Jooß und Göttler sind auch so verärgert genug. Sie werfen ihrem einstigen Turmschreiber-Kollegen diverse Verfehlungen vor, am schwersten aber dürfte die Anschuldigung wiegen, er habe hinterrücks Kollegen schlecht gemacht und gegen sie intrigiert. Einer derjenigen, die sich von Zöpfl diffamiert fühlen, ist der Lyriker Anton G. Leitner, der seit Herbst 2009 zum Kreis der Turmschreiber gehört. Leitner, Jahrgang 1961, ist unter anderem Herausgeber der Zeitschrift Das Gedicht, er verfügt in der literarischen Szene über einen durchaus guten Ruf, auch oder gerade weil seine Gedichte nicht ganz so leicht zugänglich sind: ‚Müdigkeit/zwischen den/Beinen ist ein/Himbeereis/vom Italiener/um die Ecke‘ – so beginnt beispielsweise sein Gedicht ‚Isarsommer‘. Wer den Satz getreu dem Wortsinn liest, wird nicht so recht schlau daraus. Aber da ist ja noch der Klang der Worte, das sind die Assoziationen, die sie wecken. ‚Müdigkeit‘, ‚Himbeereis‘, ‚Italiener‘ – gewiss gibt es Leser, die da die Sommerhitze am Flaucher spüren. Zöpfl jedoch kann mit Leitners Lyrik rein gar nichts anfangen. ‚Ich verstehe seine Gedichte nicht‘, sagt er. Genau das habe er einmal seinem Freund Hans Zehetmair, dem ehemaligen bayerischen Kunstminister gesagt, das Gespräch sei belauscht worden, ‚und seitdem führt der Leitner gegen mich einen Kreuzzug‘.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I love poems that take pains to observe people at their tasks, and here’s a fine one by Christopher Todd Matthews, who lives in Virginia.
Window Washer
One hand slops suds on, one
hustles them down like a blind.
Brusque noon glare, filtered thus,
loosens and glows. For five or
six minutes he owns the place,
dismal coffee bar, and us, its
huddled underemployed. A blade,
black line against the topmost glass,
begins, slices off the outer lather,
flings it away, works inward,
corrals the frothy middle, and carves,
with quick cuts, the stuff down,
not looking for anything, beneath
or inside. Homes to the last,
cleans its edges, grooms it for
the end, then shaves it off
and flings it away. Which is
splendid, and merciless. And all
in the wrist. Then, he looks at us.
We makers of filth, we splashers
and spitters. We sitters and watchers.
Who like to see him work.
Who love it when he leaves
and gives it back: our grim hideout,
half spoiled by clarity.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Christopher Todd Matthews, and reprinted from “Field,” No. 82, 2010, by permission of Christopher Todd Matthews and the publisher. Introduction copyright 2011 by The Poetry Foundation. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Zum siebten Mal veranstalten Caroline von Bismarck und Eliah Sakakushev ein Internationales Kammermusikfestival im Schloss Wonfurt. Unter dem Titel „Jüdische Feste und Weisen“ präsentiert das Paar vom 23. Juni bis 3. Juli sephardische Musik und Lyrik des Mittelalters, hochkarätige Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts, Prosa und Dichtung jüdischer Autorinnen, Lieder des fränkischen Komponisten Jakob Schönberg und Klezmermusik. …
„Der Schwerpunkt liegt auf der Neuentdeckung der Tradition des spanischen (sephardischen) Judentums mit seinen geheimnisvollen Klängen eines goldenen Zeitalters“, so von Bismarck. „Dessen Musik und ihre modernen Interpreten, regionale Komponisten und Stars der klassischen Kammermusik werden in einem einzigartigen Rahmen vorgestellt.“ Die Schirmherrschaft hat Josef Schuster (Würzburg), Vizepräsident des Zentralrates der Juden Deutschlands, übernommen. Die Musik der Juden, schreibt Schuster in seinem Grußwort, sei im Mittelalter in Spanien, dem Sfarad, und dort in Andalusien entstanden. Nach der blutigen Vertreibung der Juden nahmen diese ihre Lieder, in Ladino gesungen, nach Nordafrika, Griechenland und in die Türkei mit.
Das „Jiddische“ wiederum, das die aus Deutschland stammenden Juden sprachen und sangen, sei mit den fliehenden Juden nach Polen und Russland gelangt. So bilde das Festival „Jüdische Feste und Weisen“ das Leben der Juden in vielfältiger Weise ab. / Mainpost
Neben einigen wunderbaren Liedeinlagen in seinen Symphonien ist Mahler vor allem mit seinen Liederzyklen nach Gedichten aus Arnim und Brentanos „Des Knaben Wunderhorn“ berühmt und beliebt geworden. Der Zyklus der „Lieder eines fahrenden Gesellen“ sagt natürlich schon in seinem Titel, dass auch er seinen Ursprung in tief romantisch-neuromantischen Gefühlen und Emotionen hat. Vollends in seinen Liedern nach Gedichten des Dichters Friedrich Rückert kommt neben der volksliedhaften Unbekümmertheit und allem Liebesleid und -schmerz die tiefe Schwermut und Melancholie zum Tragen, die Mahlers Leben so faszinierend macht. Vor allem weiß der Komponist die hochpoetischen Texte der Volks- und Kunstdichtung in Musik von unglaublicher Feinheit und Eindringlichkeit zu übersetzen. Es gelingt ihm das Kunststück, den Duft der Gedichte als Musik zu offenbaren, ein Kunststück, vom dem jeder Maler nur träumen kann. / kulturkurier.de
Mit eigenwilligen Ideen versuchen zwei junge Autoren, die Literaturszene Miamis zu beleben. Die Menschen sollen überall Gedichten begegnen – das ist das Ziel des Poetryfestivals „O, Miami“.
„Hiermit erklären wir während des Monats April 2011 das folgende zu Poesie: Jede Äußerung über 0,1 Dezibel, alle handgeschriebenen Worte, alle Worte mit einer Maschine geschrieben … alle Twitter-Nachrichten, in denen der Buchstabe „O“ oder das Wort „Miami“ vorkommen …“
Und es folgt noch eine lange Liste. Ein weitgefasster Poesie-Begriff. Und das war erklärtes Ziel der Festival-Begründer. Pete Borrebach, der Mitbegründer von „O, Miami“:
„Für gewöhnlich kommen bei einem Literaturfestival in den USA ein paar berühmte Dichter an eine bestimmte Stätte. Und Leute, die es sich leisten können, nehmen da an Workshops teil oder gehen zu Lesungen. Aber das ist sehr abgeschottet. Und nicht viele werden damit erreicht. Wir wollten das Modell wirklich auf den Kopf stellen, statt dass die Menschen zu den Dichtern kommen, bringen wir Dichter zu den Menschen.“
Vielleicht am wörtlichsten nimmt diesen Auftrag Katherine Leyton, Autorin aus Toronto, mit ihrem Projekt „How pedestrian“. Sie spricht nach dem Zufallsprinzip Leute auf der Straße an, bittet sie, ein Gedicht vorzutragen – und nimmt das Ganze mit der Videokamera auf.
„Ich war über lange Zeit wirklich frustriert von der allgemeinen Auffassung, dass Poesie bedeutungsschwer oder langweilig ist. Das stimmt einfach nicht. Ich wollte zeigen, dass man zu Gedichten einfach Zugang finden kann, dass sie Teil des Alltags sein können, lustig, traurig, berührend oder peinlich, das wollte ich zeigen.“
/ Bettina Klein, dradio.de
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