Veröffentlicht am 12. April 2002 von rekalisch
Das Dresdner Fest der Poesie kommt in diesem Jahr mit neuem Namen daher: statt „Dresdner Lyriktage“ nennt es sich nun „Bardinale“…
Den Auftakt am 5. Juni bildet … die Lesung von zwei Lyrikerinnen und drei Lyrikern aus Guatemala, Kolumbien, Russland, Irland und Deutschland (die DNN wird sie noch näher vorstellen). Diese Lesung ist Teil des europäischen Netzwerkes „Poets on the Road“. Die Autoren treten zuvor auf Festivals in Malmö und Bremen auf. / Dresdner Neueste Nachrichten 12.4.02
Veröffentlicht am 11. April 2002 von rekalisch
Aber Däublers Haupt- und Lebensstück, das lyrische Großepos „Das Nordlicht“, ist so gründlich verschollen, dass es selbst im „Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher“ kaum Spuren hinterlassen hat. Sehr zu Unrecht, denn dieses ebenso großartige wie törichte Gedicht ist eines der größten deutschen Sprachexperimente, „halb Pyramide und halb Urwald“, wie Däubler selbst meinte. Das Gedicht soll nicht weniger als die Geschichte der gesamten Schöpfung erzählen, von der anfänglichen Trennung der Erde von ihrer Mutter, der Sonne, bis zur künftigen Vereinigung im Kosmus unter dem Zeichen des Nordlichts. Vollständig erschienen ist „Das Nordlicht“ zum ersten Mal 1910 (Florentiner Fassung), dann, nach einer durchgreifenden Umarbeitung zum zweiten Mal 1921 (Genfer Fassung). Bis 1930 arbeitete Theodor Däubler an der dritten, der „Athener Fassung“. Sie blieb allerdings ungedruckt und liegt heute im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Der Dresdner Literaturwissenschaftler Walter Schmitz hat nun zusammen mit Stefan Niehaus (Universität Bari) und Paolo Chiarini (Universität Rom) mit der ersten Gesamtausgabe der Werke Theodor Däublers begonnen. Nachdem einer Reihe großer deutscher Verlage das finanzielle Risiko einer solchen Edition als zu groß erschien, hat nun der Dresdner Kleinverlag Thelem ( http://www.thelem.de ) die Ausgabe übernommen, deren erster Band, eben „Das Nordlicht“ in drei Fassungen und Teilbänden sowie einem Kommentarband, gegen Ende dieses Jahres erscheinen könnten – vorausgesetzt, es finden sich hundertzwanzig Subskribenten für die Gesamtausgabe. / Süddeutsche Zeitung 11.4.02
Veröffentlicht am 11. April 2002 von rekalisch
In der FAZ klärt uns PAUL INGENDAAY über die spanische Form der Dichterehrung auf – am Beispiel des argentinischen Dichters Ernesto Sábato :
Wir hörten von Sábatos Tübingen-Reise 1962 und seinem Besuch im Hölderlin-Turm. Von der „brüderlichen Metaphysik“ seines Denkens und der „schwierigen Schönheit“ seiner Schriften. Die einen nannten ihn mit respektvoller Anrede „Don Ernesto“, andere wußten, daß große alte Männer in Argentinien nur Nachnamen tragen. Am Ende weinten viele, Sábato auch. Und nichts war zu spät. An die eigenen Tränen wird sich jeder erinnern. / Frankfurter Allgemeine Zeitung , 11.04.2002
Veröffentlicht am 11. April 2002 von rekalisch
Muss Klage so wortreich sein, um gehört zu werden? Birgt nicht das reduzierte Sprechen die stärkere Überzeugungskraft in sich? Denn gerade in diesen Sequenzen finden sich Zeilen von visionärer Einfachheit: «. . . in einem nicht sehr fernen Land / wird das Gras / nass sein wie auf dem Amselfeld / werde ich tot sein wie auf dem / Amselfeld und die Sonne / ist die Sonne dann der Mond / und am Morgen ist die nasse Wiese / wieder schon der Tod . . .» / Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ 11.4.02
Markus Stegmann : Les guerres, les chansons. Gedichte. Edition Isele, Eggingen 2001. 60 S., Fr. 28.-.
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Richard Wagner (nicht der tote Komponist, sondern der lebende, seit gut (?) 15 Jahren in Deutschland lebende Lyriker und Erzähler aus dem Banat, wird 50. Hannes Krauss gratuliert im “ Freitag “ 15/2002. – In der „Lyrikedition 2000“ erschien vor 2 Jahren der Band „Mit Madonna in der Stadt“, aus dem dieses Gedicht stammt:
Fußgänger
Vielleicht ist es ja so,
daß ich den Boden
unter den Füßen
zu verlieren beginne.
Wessen Boden, frage ich
und gehe ungeniert
weiter durch die Luft.
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Der Tagesspiegel interviewt den in Angola in einer portugiesisch-brasilianischen Ehe geborenen und heute abwechselnd in Rio de Janeiro, Lissabon und Luanda lebenden Autor José Eduardo Agualusa , der einige Monate als Stipendiat in Berlin lebte. 2 Zitate:
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Christiane Zintzen bespricht in der NZZ vom 10.4.02:
Franz Weinzettl : Das Glück zwischendurch. Prosa und Verse. Edition Korrespondenzen, Wien 2001. 144 S., Fr. 34.30.
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Die FAZ entdeckt (und apotheosiert) für uns den Dichter-Vorsitzenden Jiang Zemin :
Mehr Aufsehen erregten die „Beiläufigen Gedanken beim Besteigen des Huangshan“, die die Parteizeitung „Renmin Ribao“ auf ihrer Titelseite druckte. Es handelt sich um einen einfachen Vierzeiler in klassischem Chinesisch, das durch eine Übersetzung naturgemäß nur unzureichend wiedergegeben werden kann: „Gerade griff ich zu meiner Traum-Feder / Um die großartige Aussicht zu beschreiben / Da brach die Sonne durch das Wolkenmeer / Und machte es rot, zehntausend Meilen weit.“
Der Huangshan in der Provinz Anhui kann mit gutem Recht als der Lieblingsberg der chinesischen Dichter bezeichnet werden. Wer ihn gesehen hat, so hieß es schon vor tausend Jahren, braucht keinen anderen Berg mehr zu sehen. Jiangs Werk wurde sofort in ein Lesebuch für Schüler aufgenommen. Das hatte es seit Mao nicht gegeben. Doch wie anders die poetische Geste. Während Mao die traditionellen Muster zu einer Apotheose des revolutionären Willens umformte und sich damit selbst als oberster Dichter seines Volkes deutete, der auf dem ausradierten historischen Material die schönsten Schriftzeichen malt, reiht sich Jiang vorbehaltlos in den sachlichen Subjektivismus der Klassik ein. Die Landschaft wird zu einem Spiegel der Seele, deren Exaltationen wiederum keinen anderen Ausdruck finden können als in den Oberflächen der Natur. Das rote Wolkenmeer, zehntausend Meilen weit: Gerade die in ihrer Äußerlichkeit belassene, nicht weiter durchdrungene Wahrnehmung öffnet den der westlichen Ästhetik nur begrenzt zugänglichen Bedeutungshof. / Mark Siemons, FAZ 10.4.02
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Bei den Abiturienten im Villingen ist die reine Lyrik nicht gefragt, erfahren wir heute (10.4.02) im Südkurier . Anders in Ostfildern, wo die Landesgartenschau fest auf Lyrik setzt, mit Open-Air-Lyrikbibliothek, Hörgedichten etc.:
Ein Garten als öffentlicher Leseort mag nahe liegend sein. Doch warum ausgerechnet und ausschließlich Lyrik? Der Reutlinger Peter Reifsteck – für Idee und Umsetzung des »Lyriksommers« auf der Landesgartenschau zuständig – sieht mehrere Gründe: Zum einen sind Gedichte meist kurze Texte, eignen sich somit auch für Besucher, die nur wenig Zeit mitbringen. Zum anderen gilt Lyrik zwar immer noch als die »Königsgattung« der Literatur, doch steht dieser Anspruch in eklatantem Gegensatz zur ihrer ökonomischen Lage. So hat H. M. Enzensberger schon vor über zehn Jahren sarkastisch festgestellt: »Dass sie noch immer unter uns ist, grenzt an ein Wunder. (. . .) Die Poesie ist das einzige Massenmedium, bei dem die Zahl der Produzenten die der Konsumenten übertrifft. Hand in Hand mit dem Bedürfnis, Gedichte zu verfassen, geht nämlich die Abscheu davor, sie zu lesen.« Die Lyrikbibliothek auf der Landesgartenschau als ein trotziger Versuch also, das angeblich Unmögliche zu wagen: Lust auf Lyrik(lesen) zu machen. / Reutlinger General-Anzeiger 10.4.02
Die Bibliothek wird am Sonntag, 7. Juli, eröffnet, wobei Prominente von Manfred Rommel bis zur Opernsängerin Helene Schneiderman ihre Lieblingsgedichte vorstellen werden, und ist bis zum 21. September – bei trockener Witterung – täglich von 10 bis 19 Uhr zugänglich. Ausführliche Informationen zum Veranstaltungsprogramm des »Lyriksommers« sind ab Mai erhältlich bei der Landesgartenschau Ostfildern 2002, Niemöllerstraße 9, 73760 Ostfildern, Telefon 07 11/3 40 17 70, Fax 34 01 77 10, http://www.ostfildern-landesgartenschau.de .
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
Überhaupt die Provinz. In Minden droht die Abschaffung des Stadtschreiberstipendiums. Dazu das Mindener Tageblatt vom 10.4.02 unter der Überschrift „Linientreue Lyrik“:
In einer solchen Situation kann die Beschäftigung mit einem [solch linientreuen DDR-Autor wie] Johannes Bobrowski oder eine Flucht in die Theologie keine Antwort sein.
Veröffentlicht am 10. April 2002 von rekalisch
(z.B. also Lyrik), sagt auch die Dolomiten vom 10.4.02,
Denn der freie, denkende Mensch ist der mit unnützer Bildung gestärkte Mensch.
Die deutschsprachige Zeitung aus Südtirol berichtet auch von einer
Schreibwerkstatt für italienische Oberschüler. Drei Tage lang sind der Dichter Ingo Cesaro und der Musiker Bernd Schellhorn in Bozen zu Gast, um mit Schülern die Musikalität und Rhythmik dieser Gedichtform zu erarbeiten.
Ingo Cesaro hat zwar italienische Vorfahren, lebt aber wie sein Musikerkollege Schellhorn im bayrischen Kronach. Seit über dreißig Jahren befasst er sich mit Haiku, schrieb selbst unzählige solche Kurzgedichte und veranstaltet dazu europaweit unterschiedliche Arbeitseinheiten.
Das Multisprachzentrum des Amtes für Zweisprachigkeit und Fremdsprachen hat heuer für seine bereits seit Jahren bewährte Veranstaltungsreihe „Sprachwiese“ die Thematik „Rund um Musik und Deutsch“ gewählt. Und die einfachste Art, die Angst vor der Lyrik zu verlieren und selbst Gesdichte zu schreiben, bietet laut Cesaro die für alle Sprachen geeignete Versform des Haiku.
Veröffentlicht am 9. April 2002 von rekalisch
In der FR setzt Klaus Garber die Debatte um Nationalphilologien fort:
Gäbe es eine Kultur des Erinnerns in Deutschland, müsste auch dieser literarische Aufbruch inbegriffen sein. Wir scheuen uns nicht, Opitzens Trostgedichte in Widerwertigkeit des Krieges der Jahre 1619/20 – ein Werk, das der geschilderten Situation entsprang und sie in Bildern von packender Gewalt festhielt – als eines der großen Zeugnisse des verspäteten literarischen Humanismus auf deutschem Boden zu apostrophieren. Wer aber kennt es noch? In die Reclam-Ausgabe seiner Gedichte ist es verstümmelt eingegangen und ansonsten leicht greifbar nicht verfügbar. Und sieht es anders aus mit der großen politischen Lyrik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in der sich der Schauder vor den Gräueln auf ergreifende Weise mit der Sehnsucht nach Frieden und der verzweifelten Ausschau nach Sinn und Deutung des Unfassbaren verbindet? Paul Fleming, Simon Dach, Johann Rist, Andreas Gryphius und wie sie sonst heißen, haben ihr ihre Stimme geliehen. Später zum Friedensschluss werden es die Nürnberger Harsdörffer und Klaj, Helwig und Birken sein, die in teilweise atemberaubend gewagten Versen den Frieden begrüßen, in denen die deutsche Sprache eine artistische Geschmeidigkeit und eine Formvollendung erlangt hat, die den späteren virtuosen Schöpfungen eines Eichendorff und Brentano gewiss nicht nachstehen
/ FR 9.4.02
Veröffentlicht am 9. April 2002 von rekalisch
John Thomas schrieb Gedichte und hütete einen Schatz – in den 60ern nahm er jedes Gespräch auf Tonband auf. Nun ist Charles Bukowskis Mentor 71-jährig gestorben. / Nachruf von FALKO HENNIG, taz 9.4.02 – 2 Auszüge:
„John nahm alles auf, wir hörten es uns am nächsten Tag an, und das war für mich eine nützliche Angelegenheit. Mir wurde klar, wie dumm und übertrieben und daneben ich oft war, jedenfalls angetütert. Und manchmal auch nüchtern.“
Charles Bukowski, „Burning in Water, Drowning in Flame“
… Solche Nachrichten kommen inzwischen ja per E-Mail. Philomene Long , die Dichterin und Königin der Boheme von Venice, Kalifornien, schreibt:
„Letzte Woche erzählte mir mein Mann John, dass es einen Himmel gibt, der neben uns existiert und in Wechselwirkung steht, dass wir auf viele merkwürdige Arten in ihn hineintreten können: durch Tauben, Samen, das endgültige Händeklatschen, durch zurückgelassenen Müll, durch ein verlassenes Café im Tal des Todes. Zu unserem Jahrestag wollte er ein Gedicht daraus machen, stattdessen trat er hinein am Karfreitag, als er an einem Herzinfarkt starb.“
Veröffentlicht am 9. April 2002 von rekalisch
Der Poesie-Preis 2002 ging an Carl Dennis für seinen Gedichtband «Practical Gods». (L&P bleibt dran).
Bericht der Washington Post , 9.4.02 – Gedichte des Preisträgers bei Poetry Daily .
Die New York Times berichtet am 9.4.02:
The poetry winner was Carl Dennis for „Practical Gods,“ which uses a conversational tone to explore religion from various perspectives.
His reaction to Monday’s good news was more perplexed than conservational.
„Is this a joke?“ the 62-year-old Dennis asked during a phone interview with The Associated Press from his Buffalo home.
„I’ll have to do a reality check,“ he said upon learning it was not.
(Ansonsten war Dennis der einzige Pulitzerpreisträger, für den die NYT keine Besprechungen oder Hintergrundberichte vorweisen konnte. Der Pulitzerpreis (dotiert mit 7.500 Dollar) wird auf künstlerischem Gebiet in den Sparten Fiction, Nonfiction, Geschichte, Biographie, Poesie, Drama und Musik vergeben.)
Veröffentlicht am 9. April 2002 von rekalisch
An elegy on the death of HM Queen Elizabeth the Queen Mother, by Andrew Motion , the poet laureate / Tuesday April 9, 2002
The Guardian
Und noch eine Elegie aus Großbritannien im Guardian:
Elegy for Margaret by Stephen Spender
Poor girl, inhabitant of a strange land
Where death stares through your gaze…
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