Kategorie: Europa

18. Wagners Australien

Wagners Australien wurde noch nie betreten, es ereignet sich nur hier, wo ein Häuptling spricht: «ich bin der letzte eines volkes, / allein mit der geschichte, einer sprache, / die mit ihm untergeht». Das Gedicht heisst «hononanz», und die Tante im Gedicht, die «das… Continue Reading „18. Wagners Australien“

17. Laudatio auf Marion Poschmann

Bettina Schulte: Laudatio auf Marion Poschmann zum Peter-Huchel-Preis am 3. April 2011 Wer mit Marion Poschmanns Gedichten in Berührung kommt, gerät ins Schwimmen. Das kann man zunächst buchstäblich verstehen. Das Element dieser Dichterin ist das Fluide: Wasser in allen Aggregatzuständen – als Welle, als… Continue Reading „17. Laudatio auf Marion Poschmann“

14. Weltgeist beim Bier

Von Bertram Reinecke Wer diese Gedichte beschreiben möchte, dem mag der spätere Kolbe einfallen. Auch hier herrscht ein sonorer Ton, der der Geschichte eingedenk ist, der die Tradition kennt, das Pathos aber zurückstutzt und nur durch das Alltagsweltliche oder Geschichtliche hindurch aufblitzen lässt. Auch… Continue Reading „14. Weltgeist beim Bier“

13. Meine Anthologie 73: Philippe Jaccottet, Vor lauter Donner

Vor lauter Donner bekommt das Firmament heut Risse. In der alten Welt antworteten fast jedem Gewitter eine entkleidete Nymphe und ein ruhiger Hirt. Sie sagte, zwischen zwei Schreien, zwischen zwei Tränenausbrüchen: »Ich habe ein Laubdach gefunden und einen schlafenden Freund.« Und er: »Frohe Botschaft… Continue Reading „13. Meine Anthologie 73: Philippe Jaccottet, Vor lauter Donner“

12. Nicht golddurchschossen

Noch einmal Österreichisch. Die Presse beginnt eine Reportage über den Wiener Wurstelprater mit Versen von Heimito von Doderer. Einem Vers, genauer gesagt: Lichtvoll bricht die Sonne durch die alten Praterbäume – und das war’s dann schon mit Heimito von Doderer. Über den ersten Satz… Continue Reading „12. Nicht golddurchschossen“

11. „Brecht ähnlich“

Die Presse sprach mit dem Schauspieler und Regisseur Otto Schenk auch über Gedichte: Na ja, den Morgenstern mag ich auch sehr gern, er bedient meinen Humor, und auch Brecht ist ein großer Lyriker, vor allem dort, wo er sich selber fremd wird. Aber Rilke… Continue Reading „11. „Brecht ähnlich““

10. Preisverlehung in Staufen

Die Schriftstellerin Marion Poschmann wird morgen 11 Uhr mit dem diesjährigen Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik ausgezeichnet. Die 41-Jährige erhält die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Band «Geistersehen». Für die Jury überzeugt Poschmanns Lyrik durch sprachliche Virtuosität und gedankliche Geschlossenheit. Verliehen wird… Continue Reading „10. Preisverlehung in Staufen“

9. UTE UFERLOS

Warum diese alten sehnsuchtsgetränkten Gedichte auskramen… Kein geringerer als mein geschätzter Dichterkollege HEL ToussainT behauptet schon lange allen Ernstes, ich sei eher ein MYSTIKER als ein LYRIKER – ein veralteter Unterschied, den meine Poetologie der „Direkten Dichtung“ natürlich ad absurdum führt (und den vermutlich kein mystischer Dichter jemals… Continue Reading „9. UTE UFERLOS“

8. idance

In der idance company tanzen Menschen mit Downsyndrom. Schriftsteller Peter Turrini war skeptisch – und macht jetzt mit Texten selbst mit: Gestern Abend saß Turrini selbst auf der Bühne der Wiener Kammeroper. Im Scheinwerferlicht die idance company, sie tanzt zu Tango und Xavier Naidoo,… Continue Reading „8. idance“

7. Arbeiterlyrik

Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt veröffentlichte „35 unterschlagene Gedichte“ von Alfons Petzold. Frank Milautzcki schrieb darüber bei fixpoetry. 2 Auszüge: 1 1911 erschien der Band „Seltsame Musik“ mit sozial engagierter Lyrik von Alfons Petzold beim Wiener Verlagsbuchhändler Theodor Daberkow, der sich sonst eher humoristischen Vorträgen,… Continue Reading „7. Arbeiterlyrik“

6. Straßenbahn

Wien. Heut nacht wurde eine strassenbahn gestohlen. Unbekannte fuhren damit stundenlang durch wien. In der frueh stands bei meiner ecke. Jetzt glauben alle: ich wars, weil auf einem sitz 2 meiner gedichte lagen! Helmut Seethaler  www.facebook.com/zetteldichter

5. Vatikan statt Vagina

Das Folgende ist offensichtlich kein Aprilscherz und, ich fürchte, völlig ernst gemeint: Prälat statt Prolet und Papst statt Paparazzi. Quadragesima statt Quadbandsimsen. Ritus statt Koitus. Synode statt Synergie. Tischlesung statt Dichterlesung. Urbi et orbi statt Ulli im Obi. Vatikan statt Vagina. Wunder statt Plunder.… Continue Reading „5. Vatikan statt Vagina“

4. Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde

Buchpräsentation mit dem Herausgeber Michael Braun und den Autoren Norbert Lange, Karl Piberhofer und Bärbel Reetz 1. APRIL, LETTRÉTAGE 19:30 Uhr, Eintritt 5,- Euro Der Dichter Hugo Ball war sein Leben lang ästhetisch wie politisch ein Konvertit und vor stereotypen Zuschreibungen auf der Flucht.… Continue Reading „4. Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde“

3. Hochhuth 80

„Da hört der Dichter auf, da fängt der ganz kleine Pinscher an.“ Keinem anderen als dem heutigen Jubilar galten 1965 diese starken Worte des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard, der sich wahnsinnig über dessen „Spiegel“-Essay „Der Klassenkampf ist nicht zu Ende“ echauffierte. Dass dies für… Continue Reading „3. Hochhuth 80“

2. Gottesreste und Strassenlärm

Helena Beckers Papierschnitte zeigen Szenen aus Liechtenstein, vornehmlich architektonische Aspekte der elf Gemeinden, wie es in einem Pressetext zum Büchlein heisst. Ortstypische Tiere stehen im Vordergrund, Störche in Ruggell, Hasen in Schellenberg oder Maikäfer in Vaduz. Elf Papierschnitte, die nicht immer zu Stan Lafleurs… Continue Reading „2. Gottesreste und Strassenlärm“