Nachruf auf Renate Rasp

(…) Junges Deutschland, ihr zweites Poesiebuch (neben einiger flamboyanter Prosa), bietet ein mit den verschiedenen Mitteln der Metonymie erzeugtes Ausbrechen aus vage politisierter Befindlichkeitsschilderung, die die Alltagslyrikgruppen der Endsiebziger kanonisiert hatten. In die mediale Legendenwelt von heroischen Performance-Auftritten (Kling, Götz), die gegen ein einfältiges Verständnis der Dichtung gerichtet waren, gehört auch eine Buchmessenlesung von Renate Rasp mit freiem Oberkörper. Von den Literaturhistorikern wurde ihr Akt, der vielleicht erst seit Femen lesbar ist, als fade PR abgetan – es ist aber genau dieser verschrobene Mut, der mir Renate Rasps Poesie so unvergesslich macht. In einem ihrer letzten zu Lebzeiten publizierten Gedichte wütet und keift sie gegen das Sterben: „Hand greift/ aus Mülltonne./ Müssen jetzt die Männer nicht/ Eis an sie legen./ Hand jetzt Arm/ und Gesicht/ neben ihm./ Es ist doch ein kleines Mädchen./ Muss es nicht Spiel herausarbeiten./ Weiße Hand/ aber über/ dem Spiel./ Lass es weggehen./ Das Spiel kommt wieder.“ Renate Rasp ist am 21. Juli in München im Alter von 80 Jahren gestorben. / Konstantin Ames, FAZ 7.8., S. 12

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