Kategorie: Europa

41. O, ich bin im Freitag!

Der geschätzte Freitag beschert einem Kolumnisten (veröffentlicht) und Lyriker (unveröffentlicht) endlich eine prominente Bühne.  Es geht um „die schwierige Kultur des Pluralismus“, sagt die Überschrift seiner neusten Verlautbarung. Wie fein, da muß doch jeder mitziehn, nicht? Jeder darf seine Gedichte veröffentlichen, also auch jeder… Continue Reading „41. O, ich bin im Freitag!“

40. Jürgen Becker 80

Der Schriftsteller Jürgen Becker wird heute 80 Jahre alt. In Köln am 10. Juli 1932 geboren, als Siebenjähriger, im Jahr des Kriegsausbruchs also, mit seinen Eltern nach Erfurt gezogen, nach deren Scheidung, dem Freitod der Mutter, einer neuen Eheschließung des Vaters, nach Kriegsende – den Lärm… Continue Reading „40. Jürgen Becker 80“

39. Abwesend anwesend

Trotz zahlreicher Veröffentlichungen und Übersetzungen seiner Texte in mehrere Sprachen, ist Schinkel „nur wenigen ein Begriff“, schreibt Jens-Fietje Dwars im Nachwort des von ihm herausgegebenen Band 10 der Edition ornamente. „Anders als Hilbigs Abwesenheit in der DDR ist die seine keiner Ideologie geschuldet. Die… Continue Reading „39. Abwesend anwesend“

38. Sprachmusik

Nein, die Verse des 1969 in Moskau geborenen Düsseldorfers sind Sprachmusik, immer wieder durchdrungen von sarkastisch wirkenden Disharmonien. Unreine Reime strapazieren das Ohr wie Zwölftonmusik. Ist es Leichtsinn oder Provokation, wenn sich „wieso nicht“ auf „Honig“ reimen soll*? Was der russische Komponist Alexander Skrjabin… Continue Reading „38. Sprachmusik“

37. Antidot

Gelegentlich komponiert er – wie im Falle John Ruskin – aus einzelnen Gedichtzeilen anderer Dichter etwas Neues. Der Dichter als Pirat? Viel Philosophisches, Botanisches, Kunst- und Kultur- und Geschichtswissen ist in den Versen aufgehoben oder als Material in den angehängten Anmerkungen verstaut. Mal sprengt… Continue Reading „37. Antidot“

36. Ausnahme

Allerlei Berühmtheiten sind scheinbar beiläufig zu vernehmen. Der Leser lauscht amüsiert einer Stichelei zwischen Robert Walser und Friedrich Nietzsche. Antike Götter schlurfen vorbei, Kierkegaard dröhnt gelehrt im Kopf. Dazu gesellen sich Diva und Dealer und andere skurrile Wesen. Nur Haydn hat für alles einen… Continue Reading „36. Ausnahme“

35. Museum der abgehalfterten Dinge

Außer Gebrauch geratene Heilpflanzen wie das „Gemeine Herzgespann“ haben es ihm angetan. Das Wildkraut beschreibt er bis ins kleinste Detail. Bei aller Pedanterie haben Kirstens Verse Rhythmus, Melodie und Pointe. Sie konservieren nicht nur, sie bewahren vergangene Kultur, auch verloren gegangene Sprachkultur. Im Hessischen… Continue Reading „35. Museum der abgehalfterten Dinge“

34. Gestorben

Der niederländische Schriftsteller und Dichter Gerrit Komrij ist am Donnerstagabend im Alter von 68 Jahren infolge einer langen Krankheit in Amsterdam gestorben, bestätigte sein Verlag „De Bezige Bij“. Komrij galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter der Niederlande. „Er war eine Inspiration für Generationen… Continue Reading „34. Gestorben“

32. Kunst als Sport

Im alten Griechenland gehörten literarische Veranstaltungen untrennbar zu Sportwettkämpfen, bei denen bekleidete Autoren genau so beliebt sein konnten wie nackte, von Olivenöl glänzende Athleten. Die Sieger beauftragten große Dichter wie Pindar mit dem Abfassen der Siegerhymnen, die bei üppigen Banketten von Knabenchören gesungen wurden.… Continue Reading „32. Kunst als Sport“

31. Lyrik in der Straßenbahn

Lyrik in der Stadtbahn, ein abseitiger Gedanke? Richtet sie sich an den Bildungsbürger, der seinen Goethe und Novalis ohnehin kennt? Oder will sie die Rapper-Generation von 50 Cent oder Eminem weglocken auf die richtige Schiene zu Hofmannsthal oder Hölderlin? Ey Alter, das is n… Continue Reading „31. Lyrik in der Straßenbahn“

30. Stipendien in Köln

Die Stadt Köln vergibt Stipendien in Höhe von je 10.000 Euro an junge Künstler verschiedener Kunstrichtungen. Dazu gehört auch das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. In diesem Jahr geht es an Julia Trompeter. Über die Stipendiaten entscheidet jeweils eine Fachjury. 1971 wurde das erste Stipendium nur für Kölner… Continue Reading „30. Stipendien in Köln“

29. Gegenkanon

Jeder Kanon hat einen Gegenkanon. Wer nur den offiziellen Kanon kennt, der könnte schließlich auch zu der Auffassung kommen: Die deutsche Literatur ist von der Moderne weitestgehend unbeleckt geblieben. Nach wie vor stehen Romanmuster aus dem vorletzten Jahrhundert hoch im Kurs, nach wie vor… Continue Reading „29. Gegenkanon“

28. Tages Dichter

Keine drei Monate ist es her, dass der unglückliche „Krone“-Dichter Wolf Martin gestorben ist, da mehren sich die Anzeichen dafür, dass sein Handwerk – Poesie zu Themen des Tages – auf höherem Niveau eine Renaissance erlebt. Zuerst hat Günter Grass uns über die „Süddeutsche… Continue Reading „28. Tages Dichter“

27. Fliege 2

Ossip Mandelstam: DIE FLIEGE Wo bist du denn reingeplumpst? – In die Milch, in die Milch. Altes Flieglein, wie geht’s sonst? – Nicht so leicht, oh, bitte hilf! Kriech ein bisschen, hilf dir selber. – Ich schaffs nicht, ich schaffs nicht. Ich helf dir… Continue Reading „27. Fliege 2“

26. Andeu­tung statt Gemälde, Collage statt Ge­schlos­sen­heit

Wer Kraus‘ Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Voka­bulars wegen für unüber­setzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet er­war­tungs­gemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“,… Continue Reading „26. Andeu­tung statt Gemälde, Collage statt Ge­schlos­sen­heit“