Kategorie: Europa

Entstehung eines Gedichts

Ansätze zum Gedicht „Hälfte des Lebens“ nach Sattler 1 (Dezember 1803) (…) Gebirg hänget       See,   Warme Tiefe     es kühle(t)n aber die Lüfte   [] Inseln und Halbinseln, (Felse) Grotten (Berge) zu beten. [ wo der entzükende Tag] [Uns… Continue Reading „Entstehung eines Gedichts“

Spruch

Johann Wolfgang Goethe   Gesteht’s! Die Dichter des Orients Sind größer als wir des Occidents. Worin wir sie aber völlig erreichen, Das ist im Haß auf unsres Gleichen. Aus: West-oestlicher DIVAN von Goethe. Stuttgard: Cotta, 1819, S. 102 (Hikmet-Nameh. Buch der Sprüche)

Lebt man denn wenn andre leben?

Johann Wolfgang Goethe   Keinen Reimer wird man finden Der sich nicht den besten hielte, Keinen Fiedler der nicht lieber Eigne Melodieen spielte.   Und ich konnte sie nicht tadeln; Wenn wir andern Ehre geben Müssen wir uns selbst entadeln. Lebt man denn wenn… Continue Reading „Lebt man denn wenn andre leben?“

Seit Wochen liegen sie im Schützengraben

Emil Honigberger (* 16. März 1881 Kronstadt (Brașov), 13. Februar 1953 ebd.) Der Brunnen Seit Wochen liegen sie im Schützengraben, Hier Russen, drüben ungarische Schützen; Unheil und Leid, wie märchendunkle Raben, Mit bösen Augen ringsum beutelauernd sitzen. Kalt ist die Nacht und qualmumrauscht die… Continue Reading „Seit Wochen liegen sie im Schützengraben“

Der Dichter

Ernst Maria Flinker (* 1899 Czernowitz, † 9.7.1970 Bukarest) Der Dichter Aus den Laternen sprühn ihm tausend Gluten In Herz und Hirn – o fliehet nie zurück! Schon spürt er heißer in sich Flamme bluten Und rinnen reiner durch sich Schöpferglück. Aus hohen Wolken… Continue Reading „Der Dichter“

Warum

Georg Kulka (* 5. Juni 1897 Weidling/ Niederösterreich; † 29. April 1929 Wien) Aus: Die Anarchie Warum Warum gabst du uns die tiefen Blicke? Die unversorgte Erde, dich und mich in die dritte Person setzend, Verwachsene anzustaunen, doch der Klang verrauchte. Gang verging. Milch… Continue Reading „Warum“

Brecht ist auch nicht zu vermeiden

Bertolt Brecht (* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Berlin) Legende vom toten Soldaten Und als der Krieg im vierten Lenz Keinen Ausblick auf Frieden bot Da zog der Soldat seine Konsequenz Und starb den Heldentod. Der Krieg war aber… Continue Reading „Brecht ist auch nicht zu vermeiden“

Diotima

Am 9. Februar 1769: wurde Susette Gontard geboren – Hölderlins Diotima. Ihr widmete er viele Gedichte, das erste ist ein Lied, dessen erste Fassung schon im Frühjahr 1796 entstand. Diotima. 16strophige Fassung, wohl Juni 1796, unvollständig überliefert durch Abschriften von Suzette Gontard und Gustav Schlesier (eine… Continue Reading „Diotima“

Demut

Max Herrmann (* 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; † 8. April 1941 in London) Ich muß die Demut ganz zu Ende denken Ich muß die Demut ganz zu Ende denken Und in Bereitschaft sein zu jeder Scham. Nichts darf die Langmut der Legende… Continue Reading „Demut“

Kalt

Martin Gumpert (* 13. November 1897 in Berlin; † 18. April 1955 in New York) Kalt Im Mondwasser schwimmen Auf bleicher Schneefläche Die Höhlen erregen Den Glanz aufküssen — Schärfe wälzt sich Zwischen die Lippen Schwarz des Himmels Kahle Zeugung Loht das Licht Der… Continue Reading „Kalt“

Abendliche Vision

Hellmuth Pattenhausen (* 5. September 1896 Dresden, † 6. Februar 1979 Wien) Abendliche Vision Leere die wandelt lange im Tag Schwere Gestalten sinken nach Westen hin in den Abend Aber die Nacht brennt feurig auf Und die Stimmen der Sterne durchwittern das glühende Blau… Continue Reading „Abendliche Vision“

Sumpf

Artur Kraft (* 21.9.1897 Dornești † 1944 vermutlich Auschwitz) Der dumpfe Sumpf Den Nebel hat die Stadt aus sich geboren; Die Menschen hauchten ihn aus ihren Lungen Und täglich tanzt er auf von ihren Zungen. Sie haben stündlich ihn aus sich verloren. Ach! hier… Continue Reading „Sumpf“

Frühfahrt im Schnellzuge

Alfred Margul-Sperber (geboren 23. September 1898 in Storozynetz, Österreich-Ungarn; gestorben 3. Januar 1967 in Bukarest) Frühfahrt im Schnellzuge Ringsum nur kreisende, brausende Fläche, pfeilschnell entstürzen im Fluge uns Bäche, bleigrauer Himmel, vom Morgen zerfressen, lastet auf Städten mit Häusern und Essen … Wenn sich… Continue Reading „Frühfahrt im Schnellzuge“

Der Wald

PAUL ZECH DER WALD Reißt mir die Zunge aus: so habe ich noch Hände, zu loben dieses inselhafte Sein. Es wird ganz Ich und geht in mich hinein, als wüchsen ihm aus meiner Stirn die Wände, wo klar die Berge zu den Wolken steigen.… Continue Reading „Der Wald“

Chimäre Chimäre

Christoph Meckel (* 12. Juni 1935 in Berlin; † 29. Januar 2020 in Freiburg im Breisgau) WIDMUNG AN FRANCISCO GOYA Chimäre Chimäre alternd im Gebüsch hinter den Palästen sitzt sie, raunzt, flickt Stöckelschuhe, laust ihr sprechendes Äffchen krault ihren weißen Kater, ihr blindes Kind… Continue Reading „Chimäre Chimäre“