Beichte eines Hooligans

Sergei Jessenin

(russisch Сергей Александрович Есенин, wiss. Transliteration Sergej Aleksandrovič Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad)

Brjussow spricht. Leise und eindringlich. „Ich hoffe, Sie werden mir glauben. Ich kenne diese Verse. Das sind die besten, die in letzter Zeit geschrieben worden sind!* Das Auditorium ist geschlagen. Sergej liest sein Poem. Ovationen.“
Nach einer anderen Schilderung muß Jessenin dreimal ansetzen, und auch dann hört der Protest nicht auf, es ist so laut, daß man selbst in den ersten Reihen kaum etwas versteht. Doch wenige Tage später war das „rotmähnige Fohlen“ aus der Vierzigtägigen Klage in aller Munde.
Jessenin schreibt in diesem stürmischen November des Jahres 1920 eine lyrische Beichte, die Tumult und Skandal versteht als den Einbruch des Lichts in den „blattlosen Herbst“ des Publikums.

Beichte eines Hooligans

Singen: nicht jedem ist’s leicht,
zu fremden Füßen fallen
als Apfel, nicht jeder kanns.

Das hier ist die größte Beichte,
die beichtet ein Hooligan.

Euch zum Schur geh ich ungekämmt,
den Kopf wie eine Petroleumlampe auf den Schultern.
Eurer Seelen blattlosen Herbst
gefällt mir zu beleuchten im Dunkeln.
Mir gefällt, wenn der Schimpfreden Steine
wie Hagel rülpsender Gewitter auf mich falln,
nur fester preß ich dann meiner
Haare geschüttelte Blase.

Und so gut ist mir dann, zu erinnern
den zugewachsenen Teich, den heiseren Klang der Erle,
daß mir irgendwo Vater und Mutter sind,
die spucken auf meine sämtlichen Verse,
denen ich teuer bin wie Feld und Wehr,
wie Regen, der die Saat im Frühling eggt.
Mit Gabeln kämen sie, euch zu erstechen
für jeden Ton, den ihr hier auf mich legt.

Arme, arme ihr, Bauern!
Häßlich seid ihr wahrscheinlich schon.
Fürchtet Gott und die Moortiefen wie eh und je.
Ach, wenn ihr verstündet,
in Rußland euer Sohn
ist der beste aller Poeten!
Kam um sein Leben euch ins Herz nicht Winter,
wenn er im Herbst durch Pfützen lief, barfuß?
Und jetzt geht er im Zylinder
und in lackierten Schuhn.

Doch in ihm sind noch die alten Streiche,
der Dorfschule Übermut.
Vor jeder Kuh am Ladenschild von Fleischern
zieht er von weitem seinen Hut.
Und trifft er Droschkenkutscher auf dem Platz,
wenn dann Erinnerung ihm den Mistgeruch
der heimatlichen Felder braut,
ist er bereit, jeglichen Pferdes Schwanz
zu tragen wie die Schleppe einer Braut.

Ich liebe die Heimat.
Ich liebe die Heimat sehr!
Ist in ihr auch der weidene Rost der Trauer.
Der Schweine dreckige Rüssel sind mir angenehm
und in der Stille der Nacht der Kröten Chor.
Sanft macht mich krank Erinnern an die Kindheit,
Aprilabende Nebel träum ich, feucht und groß.
Als wollte er sich am Feuer wärmen,
hockt unser Ahorn sich vors Morgenrot.
Oh, wieviel aus den Krähennestern Eier
stahl ich ihm, kletternd im Geäst!
Ob er der gleiche ist, mit grünen Zweigen ?
Und seine Rinde noch wie früher fest?

Und du, mein teurer
treuer gefleckter Hund?
Das Alter machte winselnd dich und blind,
im Hof läufst du jetzt still und hängst den Schwanz
und hast vergessen, wo Stall und Türen sind.
Und wie sehr lieb sind mir die Streiche alle,
wenn ich der Mutter Brotkanten stibitzte
und beide bissen wir abwechselnd ab
und ekelten uns nicht ein bißchen.

Ich bin noch so.
Im Herz bin ich der gleiche.
Wie Kornblumen im Roggen, blühn im Gesicht die Augen.

Wenn ich der Verse goldne Matten breite,
möchte ich Zärtliches euch sagen.
Gute Nacht, gute Nacht!
Euch allen gute Nacht!
Verklungen ist im Gras des Abendrots Sichel…
Ich möchte heute, möchte sehr
vom Fenster den Mond…

Blaues Licht, ein so blaues Licht!
In diesem Blau scheints selbst nicht schlimm, zu sterben.
Was tuts, daß ich dasteh als Zyniker,
an den Hintern gehängt die Laterne?
Pegasus, alter, klappriger, guter –
brauch ich deinen weichen Trab?
Ich kam, wie ein strenger Meister,
zu besingen und preisen die Ratten.
Wie der August mein Schädel
strömt mit dem Wein der Haare Brand.

Ich will sein: ein gelbes Segel,
in das wir schwimmen, in das Land.

Deutsch von Rainer Kirsch. Aus: Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Leipzig: Reclam, 1991, S. 188-191

Сергей Есенин

Исповедь хулигана

Не каждый умеет петь,
Не каждому дано яблоком
Падать к чужим ногам.

Сие есть самая великая исповедь,
Которой исповедуется хулиган.

Я нарочно иду нечесаным,
С головой, как керосиновая лампа, на плечах.
Ваших душ безлиственную осень
Мне нравится в потемках освещать.
Мне нравится, когда каменья брани
Летят в меня, как град рыгающей грозы,
Я только крепче жму тогда руками
Моих волос качнувшийся пузырь.

Так хорошо тогда мне вспоминать
Заросший пруд и хриплый звон ольхи,
Что где-то у меня живут отец и мать,
Которым наплевать на все мои стихи,
Которым дорог я, как поле и как плоть,
Как дождик, что весной взрыхляет зеленя.
Они бы вилами пришли вас заколоть
За каждый крик ваш, брошенный в меня.

Бедные, бедные крестьяне!
Вы, наверно, стали некрасивыми,
Так же боитесь бога и болотных недр.
О, если б вы понимали,
Что сын ваш в России
Самый лучший поэт!
Вы ль за жизнь его сердцем не индевели,
Когда босые ноги он в лужах осенних макал?
А теперь он ходит в цилиндре
И лакированных башмаках.

Но живёт в нём задор прежней вправки
Деревенского озорника.
Каждой корове с вывески мясной лавки
Он кланяется издалека.
И, встречаясь с извозчиками на площади,
Вспоминая запах навоза с родных полей,
Он готов нести хвост каждой лошади,
Как венчального платья шлейф.

Я люблю родину.
Я очень люблю родину!
Хоть есть в ней грусти ивовая ржавь.
Приятны мне свиней испачканные морды
И в тишине ночной звенящий голос жаб.
Я нежно болен вспоминаньем детства,
Апрельских вечеров мне снится хмарь и сырь.
Как будто бы на корточки погреться
Присел наш клен перед костром зари.
О, сколько я на нем яиц из гнезд вороньих,
Карабкаясь по сучьям, воровал!
Все тот же ль он теперь, с верхушкою зеленой?
По-прежнему ль крепка его кора?

А ты, любимый,
Верный пегий пес?!
От старости ты стал визглив и слеп
И бродишь по двору, влача обвисший хвост,
Забыв чутьем, где двери и где хлев.
О, как мне дороги все те проказы,
Когда, у матери стянув краюху хлеба,
Кусали мы с тобой ее по разу,
Ни капельки друг другом не погребав.

Я все такой же.
Сердцем я все такой же.
Как васильки во ржи, цветут в лице глаза.
Стеля стихов злаченые рогожи,
Мне хочется вам нежное сказать.

Спокойной ночи!
Всем вам спокойной ночи!
Отзвенела по траве сумерек зари коса…
Мне сегодня хочется очень
Из окошка луну…………

Синий свет, свет такой синий!
В эту синь даже умереть не жаль.
Ну так что ж, что кажусь я циником,
Прицепившим к заднице фонарь!
Старый, добрый, заезженный Пегас,
Мне ль нужна твоя мягкая рысь?
Я пришел, как суровый мастер,
Воспеть и прославить крыс.
Башка моя, словно август,
Льется бурливых волос вином.

Я хочу быть желтым парусом
В ту страну, куда мы плывём.  

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