Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Heute vor 110 Jahren erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Sturm“ mit Gedichten von René Schickele (Vorortballade). Hier ein Gedicht aus Nummer 3 vom 17. März 1910. Nymphenburg Von Ferdinand Hardekopf Ein Erzittern, glückliches Fiebern des Hirns und Taumeln der Brust, taucht… Continue Reading „Der Sturm ist da“
Friedrich Hölderlin Friedensfeier Ich bitte dieses Blatt nur gutmüthig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, noch weniger anstößig seyn. Sollten aber dennoch einige eine solche Sprache zu wenig konventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönen… Continue Reading „Entschuldigung vorab“
Noch zwei Talismane aus dem Buch der Sprüche* (Goethe über soziale Medien) Ueberall will jeder obenauf seyn, Wie’s eben in der Welt so geht. Jeder sollte freylich grob seyn, Aber nur in dem was er versteht. Laß dich nur in keiner Zeit Zum Widerspruch… Continue Reading „Einmal noch“
Johann Wolfgang Goethe Aus Rendsch Nameh. Buch des Unmuths. Aergert’s jemand daß es Gott gefallen Mahomed zu gönnen Schutz und Glück, Um den stärksten Balken seiner Hallen Da befestig‘ er den derben Strick, Knüpfe sich daran! das hält und trägt, Er wird fühlen daß… Continue Reading „Goethes Vorschlag zur Güte“
Johann Wolfgang Goethe Aus: West-östlicher Divan (1819) Befindet sich einer heiter und gut, Gleich will ihn der Nachbar peinigen; So lang der Tüchtige lebt und thut, Möchten sie ihn gerne steinigen. Ist er hinterher aber todt, Gleich sammeln sie große Spenden Zu Ehren seiner… Continue Reading „Goethe zum Hölderlinjahr“
Ludwig Rubiner (* 12. Juli 1881 in Berlin; † 27. Februar 1920 in Berlin) Die feindliche Erde Der Eiter der Erde lag in den Häusern. Unter hellen Lichtern saßen schmatzende Jobber. In Nebenzimmern ragten gelangweilt lange schwarze Strümpfe, trägzuckende Schenkel über schwere geile Rücken.… Continue Reading „Die feindliche Erde“
Oskar Loerke (* 13. März 1884 in Jungen bei Schwetz, heute Wiąg, Westpreußen; † 24. Februar 1941 in Berlin) ABEND AUF DER TERRASSE VON SAINT CLOUD Bang ists, — als stände wer gebeugt auf unsre Erde;— Verhüllt sein Leib von Städten, Strömen, Moor und… Continue Reading „„Dort unten liegt, ein graues Steingetürm, Paris““
Heute vor 399 Jahren (am 14. Februar alten, 24. Februar neuen, gregorianischen Kalenders) wurde Sibylla Schwarz in Greifswald geboren. Zum Anlass eins ihrer 23 Sonette. Es handelt,. wie könnte es anders sein, von Liebe, dem „obligatorischen Drehzapfen aller Poesie“ (Friedrich Engels). MEin Alles ist… Continue Reading „Sibylla Schwarz zum 399.“
Es scheint, Pfemfert liebt Nachtgedichte. Direkt unter Heym noch eins von Jakob van Hoddis: Der Träumende Blaugrüne Nacht, die stummen Farben glimmen. Ist er bedroht vom roten Strahl der Speere Und rohen Panzern? Ziehn hier Satans Heere? Die gelben Flecke, die im Schatten schwimmen,… Continue Reading „Nacht vier“
Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) Die Schläfer Es schattet dunkler noch des Wassers Schoß. Tief unten brennt ein Licht, ein rotes Mal Am schwarzen Haupt der Nacht, wo bodenlos Die Tiefe sinkt. Doch auf… Continue Reading „Und die dritte“
Obwohl Die Aktion dezidiert politisch orientiert ist, enthält sie von Anfang an viele Gedichte. In der ersten Nummer von Hadwiger, Blaß, Baudelaire, Heym und van Hoddis. L&Poe veröffentlicht sie in den nächsten Tagen. Das heutige Gedicht spiegelt den kolonialen Blick der Zeit. Ernst Blass… Continue Reading „Noch eine Nacht“
Am 20. Februar 1911 erschien die erste Nummer der von Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift „Die Aktion“. Programmatisch erklärt sie: „“Die Aktion“ tritt, ohne sich auf den Boden einer bestimmten politischen Partei zu stellen, für die Idee der Großen Deutschen Linken ein. (…) „Die Aktion“… Continue Reading „Aktion“
Paul Zech (* 19. Februar 1881 in Briesen, Westpreußen; † 7. September 1946 in Buenos Aires) Fräser Gebietend blecken weiße Hartstahl-Zähne aus dem Gewirr der Räder. Mühlen gehen profund, sie schütten auf den Ziegelgrund die Wolkenbrüche krauser Kupferspäne. Die Gletscherkühle riesenhafter Birnen beglänzt Fleischnackte,… Continue Reading „Fräser“
Bruno Quandt (25. April 1887 Düsseldorf – 18. Februar 1918 München-Gladbach – heute Mönchengladbach) Blöde Twostepmelodien Lassen deine Schenkel zucken, Daß sie mit schmerzhaftem Nucken Aller Augen nach sich ziehen. Angegeilte Ladenlümmel Streben plump, dich zu verführen. Aber hier in meinem Himmel Muß dein… Continue Reading „Welche reicht an meine Freuden?“
Emmy Hennings (Ball-Hennings) (* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano) IM KRANKENHAUSE Alle Herbste gehn an mir vorüber. Krank lieg ich im weißen Zimmer, Tanzen möchte ich wohl lieber. An die Geigen denk ich immer. Und es flimmern… Continue Reading „O, ihr Schwestern von den Gassen“
Neueste Kommentare