Sibylla Schwarz zum 399.

Heute vor 399 Jahren (am 14. Februar alten, 24. Februar neuen, gregorianischen Kalenders) wurde Sibylla Schwarz in Greifswald geboren. Zum Anlass eins ihrer 23 Sonette. Es handelt,. wie könnte es anders sein, von Liebe, dem „obligatorischen Drehzapfen aller Poesie“ (Friedrich Engels).

MEin Alles ist dahin / mein Trost in Lust und Leiden /
mein ander Jch ist fort / mein Leben / meine Zier /
mein liebstes auff der Welt ist wegk / ist schon vohn hier.
(die Lieb’ ist bitter zwahr / viel bittrer ist das Scheiden)
  Jch kan nicht vohn dir seyn / ich kan dich gantz nicht meiden /
O liebste Dorile ! Jch bin nicht mehr bey mir /
Jch bin nicht der ich bin / nuhn ich nicht bin bey dir.
Jhr Stunden lauft doch fort / wolt ihr mich auch noch neiden ? *
  Ey Phœbus halte doch die schnelle Hengste nicht !
fort / fort / ihr Tage fort / komb bald du Monden Licht !
  Ein Tag ist mir ein Jahr / in dem ich nicht kan sehen
mein ander Sonnenlicht ! fort / fort / du faule Zeit /
spann doch die Segel auff / und bring mein Lieb noch heut /
und wan sie hier dan ist / so magstu langsam gehen.

*) Vgl. Martin Opitz‘ Elegie. Von abwesen seiner Liebsten: „Ihr Stunden laufft doch fort/ (…) / Mein Hertze seufftzt nach jhr/ vnd brennet mit verlangen/ Vnd macht mir einen Tag ein gantzes langes Jahr. / (…) Ich bin nicht bey mir selbst/ wann ich nicht bin bey jhr.“ Opitz 1624, 27f

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