Kategorie: Europa

Das Leben ist ein Kürbis

Daniel Casper von Lohenstein (* 25. Januar 1635 in Nimptsch, Schlesien; † 28. April 1683 in Breslau) Ο ΒΙΟΣ ΕΣΤΙ ΚΟΛΟΚΥΝΘΗ *   Dis Leben ist ein Kürbs / die Schal‘ ist Fleisch und Knochen; Die Kerne sind der Geist / der Wurmstich ist… Continue Reading „Das Leben ist ein Kürbis“

Advent der Fabrikmädchen

Albin Zollinger (* 24. Januar 1895 in Zürich; † 7. November 1941 in Zürich) Advent der Fabrikmädchen Die Arbeiterinnen kommen in einem Geruche von Mandarinen. Ihr Feierabend neigt in das Dunkel hinein. Wenn sie, die Augen noch blaß vom Gebraus der Maschinen, Über die… Continue Reading „Advent der Fabrikmädchen“

Jesse Thoors Dankrede

Jesse Thoor (* 23. Januar 1905 als Peter Karl Höfler in Berlin; † 15. August 1952 in Lienz/Osttirol) Dankrede Dies ist die Rede des Einzigen und aus Jesse und Lob und Dank. Der viel gesehen hat, mancherlei gehört und mehr noch erfahren. Und zur… Continue Reading „Jesse Thoors Dankrede“

Weil niemand sie ernst nehmen kann

Die Poeten, wenn sie Poesie machen, die hinter ihrem und unserem Bewußtsein zurückbleibt, sperrt man nur darum nicht ein, weil der Schaden, den sie anrichten, nur sie selber trifft; sie entlassen sich sozusagen selber: indem kein Zeitgenosse, kein bewußter, sie ernst nehmen kann. Max… Continue Reading „Weil niemand sie ernst nehmen kann“

Kinder reicher Leute

Mascha Kaléko (Golda Malka Aufen, * 7. Juni 1907 in Chrzanów, Galizien, Österreich-Ungarn; † 21. Januar 1975 in Zürich) Kinder reicher Leute Sie wissen nichts von Schmutz und Wohnungsnot, Von Stempelngehn und Armeleuteküchen. Sie ahnen nichts von Hinterhausgerüchen, Von Hungerslöhnen und von Trockenbrot. Sie… Continue Reading „Kinder reicher Leute“

Nur Worte

Worte können töten. Gerade wieder haben wir es im Fernsehen gesehen, aus Washington D.C.. Vor 60, 70 Jahren hatten es die Menschen gerade erlebt und – unterschiedliche – Schlußfolgerungen daraus gezogen. Nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, schrieb A. B (in einem… Continue Reading „Nur Worte“

Stirn und Scheitelknochen

Werner Riegel (* 19. Januar 1925 in Danzig; † 11. Juli 1956 in Hamburg) Stirn und Scheitelknochen Inseln unter dem Wind, Wo tief die Zitterrochen Meiner Gedanken sind. Thule und beide Sizilien Hinter Heu irgendwo. Ich schweige im Blau, ich spiele Träumerisch mein Jo-Jo.… Continue Reading „Stirn und Scheitelknochen“

Die Namen

Jorge Guillén (* 18. Januar 1893 in Valladolid; † 6. Februar 1984 in Málaga) Die Namen Der Horizont der Frühe öffnet halb seine Wimpern, blickt auf. Was schaut er? Namen. Die Patina der Dinge trägt ihre Schrift. Die Rose nennt sich noch immer Rose,… Continue Reading „Die Namen“

„Höllerer, wo ist dein Sieg?“

Klaus M. Rarisch (* 17. Januar 1936 in Berlin; † 20. Juli 2016 ebendort) DEUTSCHER LENZ IN CEFALU Brände brechen aus in mir, grelle Kastagnetten knallen hinter Adern her und hallen allmetallisch Gischt hoch Gier. Durch Aortapforten schweigt Mumienmulm der Urboviste; fahnenfarb das Ungehisste… Continue Reading „„Höllerer, wo ist dein Sieg?““

sie fungieren

Inger Christensen (* 16. Januar 1935 in Vejle, Dänemark; † 2. Januar 2009 in Kopenhagen) aus „das“ Sie fungieren, weil sie fungieren, oder damit andere fungieren können, weil andere fungieren. Weil die fiktion fungiert. Weil die zufälligen leben, der zufällige tod in der gesellschaftsfiktion… Continue Reading „sie fungieren“

Jungfern-Glück

Sidonia Hedwig Zäunemann ging nicht ins Kloster, ihr Gedicht spricht nur davon. Es beschreibt, wie nur die Unverheirateten von Unterdrückung und Schlägen durch Männer frei sein können. Sie selber hatte durchaus „Glück“, sie durfte unverheiratet im Haus ihrer Eltern in Erfurt leben und sich… Continue Reading „Jungfern-Glück“

Horch, welch ein Laut

Holger Drachmann (* 9. Oktober 1846 in Kopenhagen; † 14. Januar 1908 in Hornbæk, Seeland) Horch, welch ein Laut! Horch, welch ein Laut —                         aus dieser Einsamkeit, Tief aus des Waldes dunklen… Continue Reading „Horch, welch ein Laut“

1heit

Adolf Glaßbrenner (* 27. März 1810 in Berlin; † 25. September 1876 ebenda) 1 – 10. An Deutschlands bald’ger 1heit Da 2fle ich noch sehr; Ick jebe keenen 3er 4 diese Hoffnung her. 5 Nationalitäten Sind, wo 6 Deutsche stehn, Die Alle abzu7, Gebt… Continue Reading „1heit“

Die Amazone

Nachrichten über Elisabeth Paulsen seien spärlich, schreibt Gisela Brinker-Gabler in ihrer berühmten Anthologie, aus der ich heute ein Gedicht bringe. „Sie wuchs in Holstein als Tochter eines Kirchenpropstes auf und lebte später verheiratet in Hamburg. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, die in Bibliotheken nicht mehr… Continue Reading „Die Amazone“

jemand geht & sie weiß

Heute leider ein Ehrengedicht von der Dichterin. Barbara Köhler ist am 8.1. mit nur 61 Jahren gestorben. Barbara Köhler (* 11. April 1959 in Burgstädt; † 8. Januar 2021) Hier der erste Teril des Permutationsgedichts „Jemand geht“. Jemand geht 3 Fortschritte beziehungsweiser Logik für… Continue Reading „jemand geht & sie weiß“