Kategorie: Europa

Lauter Bschiss

IN DIESER WELT IST LAUTER BSCHISS.
Was man zusagt und helt, ist gwiß,
Das ander alles ist erlogn,
Ist wahr, hab’s aus keim Finger gsogn.

Erzählungen von der Geschichte

Immer scheint Winter zu sein. Mit meinen heißen
Tränen. Noch immer kein Boden zu sehen.
Und Kafkas Axt? Konnte ich die vergessen,
da ich zu Fuß unterwegs bin auf dem gefrorenen Meer.

Im Wald

Das Weiß der Wiese schimmert grau.
Im Dämmer stehn die Pferde still.
Ich geh vorbei, stets nur vorbei,
Nach mir verschließt ein Zweig den Weg.
Der Tag versinkt, die Nacht kommt auf.
Stets weit entfernt der Abendstern.

Der ordentliche Mensch lauscht

Der ordentliche Mensch lauscht auf die Wetterberichte
und weiß, wann er seine schwarzen dicken Handschuhe,
die den scherenschwanzigen Schwalben gleichen,
an- und auszuziehen hat.

Ich war im Traum

Es leuchtete, weiß nicht, wovon;
Es war nicht Stern, nicht Mond, nicht Sonn‘
Ein Zauber lenkte meinen Sinn,
Ich weiß nicht, wohinaus, wohin.

Der armselige Stern der Hoffnung

Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Grobe Theaterkritik

284 Wörter, 2 Minuten Lesezeit. Am 24. Januar feierte Deutschland den 250. Geburtstag E. T. A. Hoffmanns (mit Gedenkartikeln vermutlich). Der vielseitige Autor und Komponist schrieb eigentlich keine Gedichte, obwohl es ein paar in Erzählungen eingestreute gibt. Lyrikzeitung holt trotzdem das Gedenken nach mit… Continue Reading „Grobe Theaterkritik“

Zwei Flaschen

Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?

Leute! nehmt Abschied!

Leute! nehmt Abschied von Gestern!
Leute! tragt lieber volle Hosen als gar keine oder bleibt nackt!
Leute! unser aller Feind ist der Mond, wer was anderes sagt, lügt!
Leute! schlaft langsam, Ihr habt es verdient!
Leute! lebt wohl, das ist gut für den Magen!

Geschenkter Sinn

142 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Asmus Trautsch Geschenkter SinnKaum zu glauben, aber müde wie ich bin sagt sich noch ein Lebenswort ab von der schorfigen Rinde, die mich umspannt, gleitet aufs Papier und harrt seinesgleichen.Kommt Silben, kommt.Ich weiß nicht, wer von euch an meinem… Continue Reading „Geschenkter Sinn“

Vertan, verlebt, verbrannt, dahin

Mit jedem Jahre schmäler wird die Decke
Darunter ich die alten Glieder strecke
Bald ist das ganze Kapital an Zeit
Das so unendlich schien
Vertan, verlebt, verbrannt, dahin

gewinnwarnung

verwechsele kunst nicht mit wut hieß es.
gut. was war hingegen mit schärfe.
was war mit den klingen die ich
auf dem rücken balancierte –
sporadisch sie zu ziehen
zum stich ins gespräch.

Ein tiefer Klang ist im Blut

132 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Lalla Romano Ein tiefer Klang ist im BlutIch wußte es seit deine Hände die meinen zum ersten Mal streiftenVon jenem Tag an hörten wir es wie einen Wind aufsteigen mit dem Brausen einer Orgel bis uns, endlich gezähmt, beugte… Continue Reading „Ein tiefer Klang ist im Blut“

kehrst erst zurück wenn rufe dich erreichen

wenn es klopft öffne
nicht
es könnten die anderen sein
verschließe die fenster
sieh in den spiegel
sieh diese blässe diese
müdigkeit in den augen

Forscher im Freudenrausch, und ich putze

Überall hört man jetzt: Endlich! Der Tod besiegt!
Alters-Gen sequenziert. Forscher im Freudenrausch. –
Trotzdem hol‘ ich das Putzzeug,
Denn ich habe noch viel zu tun.