Kategorie: Deutsch

Artmann selbdritt

Ob er – wie Klaus Reichert in seinem Nachwort zu den «Sämtlichen Gedichten» behauptet – tatsächlich nie auf die «Semantisierbarkeit des sprachlichen Materials» verzichtet hat, bleibt somit nach einer neuerlichen Lektüre zu fragen. Gerade in seinen Gedichten, die ihn am wenigsten als Homo ludens… Continue Reading „Artmann selbdritt“

Geistiges Reich

Einblick in das Gespräch zweier Geistesmenschen im Jahre 1935 gibt ein Brief von Max Bense an Gottfried Benn, SZ vom 19.7.03: Im Volk sein — jawohl — aber nicht in der Organisation. Nicht zuletzt lernte ich das, nachdem ich 2 Jahre in der SA… Continue Reading „Geistiges Reich“

Dichterisches Delirium

Weniger freundlich über Kuhligk & Co. urteilt Tom de Toys alias Lord Lässig in einem furiosen Essay, aus dem ich hier ein Stück herausgebrochen habe: Was wollen die eigentlich damit bezwecken, wem soll es nützen außer ihnen selbst und hat der Planet nicht schon… Continue Reading „Dichterisches Delirium“

Marzipanessende Rosen

In der Wiener „Presse“ vom 19.7.03 bespricht ein online leider Ungenannter sechs Gedichtbände: Da wären allen voran die gesammelten Gedichte der im Jahre 1985 verstorbenen Surrealistin Meret Oppenheim, die sich in den Wolken Marzipan essende Rosen vorzustellen vermochte und die Enttäuschung der Sonne darüber,… Continue Reading „Marzipanessende Rosen“

Der lag besonders mühelos am Rand

Über das bekannteste Gedicht Walter Höllerers (der im Mai fast 80jährig verstarb) schreibt Michael Braun im Freitag 29/2003: Es ist die fast emotionslose Nüchternheit dieses Gedichts, der kalte, fast anatomische Blick auf den Körper des toten Soldaten, die auch heute noch verstören. Kein Dichter… Continue Reading „Der lag besonders mühelos am Rand“

Bardinale in Dresden

Besser kann die Konstellation für ein Lyrikfestival kaum sein: Die Eröffnungslesung der „Bardinale“ – englisch „Opening“ genannt, es ist schließlich eine internationale Veranstaltung – fiel in diesem Jahr zusammen mit einer Buchpremiere: „Lyrik von Jetzt“, so der Titel der Anthologie, die 74 deutsche Dichter… Continue Reading „Bardinale in Dresden“

Rudolf Borchardt

Auszüge aus unveröffentlichter autobiographischer Prosa von Rudolf Borchardt druckt die SZ vom 18.7.03: Ich war auf jedem Gebiete meines Thuns grundsätzlich Outsider geblieben, um durch keine Beamtung, keine Collegialität, keinen halbgeschäftlichen Sozialzwang mir die Linie des freien Mannes bedingen lassen zu müssen. Ich lebte… Continue Reading „Rudolf Borchardt“

Fest für Erich Mühsam

Als einer der eindringlichsten und frühesten Warner vor dem Nationalsozialismus wurde der überzeugte Pazifist am 28. Februar 1933 verhaftet, vierzehn Monate lang gefoltert und in der Nacht zum 10. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Am Todestag des Dichters zelebriert eine seit Jahren stetig… Continue Reading „Fest für Erich Mühsam“

Museum, neu

Jetzt ist das «Museum», über vierzig Jahre nach Ersterscheinen, in seiner wohl klassischsten Weise zu haben. Im Schuber, Dünndruck, mit kardinalrotem Leineneinband und rotem Lesebändchen. Der Anhang ist mittlerweile zu einer kleinen Literaturgeschichte der modernen Lyrik angewachsen. Dass das Buch in der Hand liegt… Continue Reading „Museum, neu“

Hibiskus Code

Doch allzu kurz sind die Momente, in welchen Bonné die Pupillen weit stellt und Holzschachteln skizziert oder „Tuschzeichnungen von Blumen, / die es auf der Welt überhaupt nicht gab“. Am Ende ist er wieder bei seinen Diagnosen über das „nervöse Jahrhundert“ angelangt, die so… Continue Reading „Hibiskus Code“

„Michael Braun“

Die letzte Lyrikpost hatte zwei Beiträge mit dem Namen „Michael Braun“ – hier ein Hinweis von einem der zwei MBs: was übrigens lustig ist: Der Rezensent von GRÜNBEIN in der NZZ ist nicht derselbe Michael Braun, der Mirko Bonné in der FR rezensiert hat.… Continue Reading „„Michael Braun““

Rainer M. Gerhardt

fragmente  für renate der wind bricht auf diese nacht quirrt weint habe die nacht gesehen kann nicht schlafen der bruder ist fortgegangen ich höre die tür hat geknarrt nun ist sie verschlossen ich habe fusstapfen gesehen in frischer erde CATULLUS CATULLUS keine kraft wenn… Continue Reading „Rainer M. Gerhardt“

Rilke-Imitation

Über ein deutsch-amerikanisches Treffen der poetischen Art berichtet Edward Hirsch in der Washington Post *) vom 10.7.03: Rainer Maria Rilke was 31 years old and living in Paris when he wrote his searching, off-balance sonnet „Self-Portrait in the Year 1906.“ My favorite translation, if… Continue Reading „Rilke-Imitation“

Ausgespuckte Tage

Vielleicht erstaunt im Band am meisten die kraftvolle Weise, wie Mayröcker Wörter und Worte schleudert, manchmal scheinbar maßlos, gleichwohl stets gemessen mit der Elle „gelungen oder nicht“, bringt sie doch, wie sie schreibt, der Gedanke an ein missratenes Gedicht um den Schlaf. Der viel… Continue Reading „Ausgespuckte Tage“

Krisenzeiten sind Lyrikzeiten

Poesie als Performance hat Zugkraft. Dabei sah es fast so aus, als wäre die gute, alte Lyrik ein Auslaufmodell. Ein armes Ding. Elitär und so was von egal. Denn: Wer liest schon noch Gedichte? Ist Lyrik nur was für Ewiggestrige? Im Gegenteil. Selten war… Continue Reading „Krisenzeiten sind Lyrikzeiten“