Schreibhand

98 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Marcel Beyer

SCHREIBHAND

Nimm jetzt die schwere
Schreibhand aus dem
Nacken, Zeit für die
Daumenübungen, jetzt

setz dich hin. Setz dich,
so wie du immer
dagesessen hast, als
ob die Sprache dir

ein frisch gestärkter
Kragen sei. Das ist
nicht viel. Ist nichts.
Muß alles sein.

Man hört deine Gelenke
knacken. Du sagst,
wenn da nur keine
Kugelschreiberspuren

sind. Der Unterarm. Du
sagst, der Ellbogen
hat noch ein wenig
Spiel. Dein wollener

Nacken. Gestärkt.
Von unvertrautem Glanz.
Und schwer.
Und sauber abgemessen.

Aus: Marcel Beyer, Graphit. Gedichte. Berlin: Suhrkamp, 2014, S. 71

der Materialist unter den Lyrikern

(Suhrkamp)

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