Wer ist Hussein Ali Mirza?

Auch die umfangreichsten Lexika haben ihre Grenzen. Der 22bändige Kindler kennt den Namen Hussein Ali Mirza nicht. Das Weltlexikon Wikipedia hat 5 Artikel bzw. 1 Artikel in 5 Sprachen zu diesem Namen (Google-Übersetzungen):

Persisch

از ویکی‌پدیا, دانشنامهٔ ازاد
حسين‌علی میرزا فرمانفرما
HosseinAliMirzaFarmanfarma.jpg. Herrscher von Fars
Sultanat (حكمراني بر فارس) 1214 ه‍.ق – 1250 ه‍.ق
زادة 1 زيل الحجه 1204 ه‍. ق
26. Juni 1789
امل, استان مازندران
starb am 16. Ramadan 1250 H. ق
16. Januar 1835 (45 Jahre)
Teheran, Iran

Englisch

Hossein Ali Mirza (Persian: حسین علی میرزا, romanized: Ḥosayn-ʿAlī Mīrzā; 26 August 1789 – 16 January 1835), a son of Fath-Ali Shah (r. 1797–1834), was the Governor of Fars and pretender to the throne of Qajar Iran.

Russisch

Хоссейн Али Мирза Фарманфарма (перс. حسین‌علی‌میرزا فرمانفرما ,1846 – 1799) – наследник династии Каджаров, пятый сын Фетх Али-шаха и Бадр Джахан Ханум, родился в деревне Дехнавар в провинции Фарс на юге Персии.

Hossein Ali Mirza Farmanfarma (persisch: حسين‌علی‌میرزا فرمانفرما, 1846 – 1799) – der Erbe der Qajar-Dynastie, der fünfte Sohn von Feth Ali Shah und Badr Jahan Khanum, wurde im Dorf Dekhnavar in der Provinz Fars in Südpersien geboren.

Aserbaidshanisch

Hüseynəli mirzə Qovanlı-Qacar (1788-1835) — İran şahzadəsi, vali.

Huseynali mirza Govanli-Qajar (1788-1835) – iranischer Prinz, Gouverneur.

Katalanisch

Husayn Ali Mirza conegut com a Farman Farma (1789 – 1835) fou príncep qajar de Pèrsia i xa a Xiraz i Isfahan (1834-1835)

Husayn Ali Mirza, bekannt als Farman Farma (1789-1835), war ein Qajar-Prinz von Persien und Schah in Shiraz und Isfahan (1834-1835)

Die Lebensdaten herausgezogen (nicht so viel Ehrfurcht vor dem Weltwissen bitte):

  • 26. Juni 1789 – 16. Januar 1835 (16. Ramadan 1250) (Persisch)
  • 26. August 1789 – 16. Januar 1835 (Englisch)
  • 1799-1846 (Russisch)
  • 1788-1835 (Aserbaidschanisch)
  • 1789-1835 (Katalanisch)

Ob das eine Person oder mehrere ist, kann ich so nicht eindeutig herausfinden. Und schon gar nicht, ob einer von diesen mit der von mir gesuchten Person identisch ist. Im „Divan der persischen Poesie“, herausgegeben von Julius Hart, Halle: Hendel, 1887, gibt es Gedichte von einem Hussein Ali Mirza, verdeutscht von Julius Altmann. Über den Autor heißt es da:

Geboren1814 zu Schiras, dessen Statthalter er später war. Ein naher Anverwandter des regierenden Herrscherhauses von Iran, nahm er im Staate eine hervorragende Stellung ein. Sein „Alkoran der Liebe“, in zehn „Suren-Kränze“ eingeteilt, enthält 1001 Lieder, welche einen zusammenhängenden Liebesroman bilden: Erwachen der Liebe, Werbung, Erhörung, Vermählung, Ehe, Tod der Geliebten und einen Anhang: „Buch der Dichtung.“

Carl Friedrich Julius Altmann (* 1. März 1814 in Potsdam; † 10. Juni 1873 ebenda) war ein deutscher Archivar, Philologe, Schriftsteller und Übersetzer. (Wikipedia deutsch). Unter seinen Schriften eben dieser „Alkoran der Liebe. Neu-iranische Dichtungen von Hussein-Ali-Mirza, den Deutschen gewidmet von Julius Altmann, 1861″. Über sein Schaffen steht da:

Nach Erlangung des Doktorgrades (17. Februar 1838 in Berlin) lebte Altmann von 1838 bis 1843 als Schriftsteller in Dorpat, Sankt Petersburg und Moskau, wo er unter anderem geografische, statistische und philologische Studien betrieb.

In klösterlichen und staatlichen Bibliotheken in Moskau, Kasan, Kiew, Nischni Nowgorod und St. Petersburg entnahm er Handschriften russische, baltische, finnische und arabische Volkslieder und Lyrik, die er dann übersetzte und in Deutschland veröffentlichte.

Ob authentisch oder Mystifikation, werde ich heute mehr nicht herausfinden. Hier ein Gedicht aus dem „Buch der Dichtung“.

Ein Bachessturz aus Schaumeskatarakten,
Entbrausend Felsen, kühnen, scharfgezackten,
Mit Wellen, pfeilesschnellen, lichtglanzhellen,
Die an die Ufer klettern wie Gazellen:
So wogt die Poesie, die ihre Schleusen
Eröffnet dem, der mit goldhellen Reusen
Der Verse lichte Perlen weiß zu fischen,
Und bunte Reimkorallen dreinzumischen.

A.a.O. S. 263

One Comment on “Wer ist Hussein Ali Mirza?

  1. Bei dem von Altmann übersetzten Hussein-Ali-Mirza könnte es sich meines Erachtens schon wirklich um Farmanfarma (Ḥosayn-ʿAlī Mīrzā, 1789–1835) handeln: „He also wrote poetry“ konstatiert wenigstens die Encyclopædia Iranica (https://www.iranicaonline.org/articles/farmanfarma-hosayn-ali-mirza). Die Altmann vorliegenden Quelle zu prüfen, wäre reizvoll. Laut Vorwort des „Koran der Liebe“ handelt es sich dabei ja um „den Ljubownyj Alkoran“, die „Zeilenübersetzung“ eines gewissen Boris Michailowitsch Gridin. Aber sollte eine solche ausreichen, den polyglotten Philologen in solche Begeisterung zu versetzen? Ich würde denken, Altmann hätte doch auch noch eine persische Originalquelle vorgelegen, selbst wenn er diese nicht direkt übersetzt hat. Immerhin war er des Arabischen mächtig und konnte somit wahrscheinlich mit etwas Mühe auch Leseausflüge ins Persische unternehmen. Aber das sind natürlich nur Vermutungen.

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