An Belinden

Johann Wolfgang Goethe

 An Belinden.

     Warum ziehst du mich unwiderstehlich,
Ach! in iene Pracht?
War ich guter Junge nicht so seelig
In der öden Nacht!
 
     Heimlich in mein Zimmerchen verschloßen,
Lag im Mondenschein,
Ganz von seinem Schauerlicht umfloßen –
Und ich dämmert ein.

     Träumte da von vollen goldnen Stunden,
Ungemischter Lust!
Ahndungsvoll hatt’ ich dein Bild empfunden
Tief in meiner Brust.

     Bin ich’s noch, den du bey so viel Lichtern
An dem Spieltisch hältst?
Oft so unerträglichen Gesichtern
Gegenüber stellst?
 
     Reizender ist mir des Frühlingsblüthe
Nun nicht auf der Flur;
Wo du Engel bist, ist Lieb und Güte,
Wo du bist, Natur. 

Text nach dem Erstdruck in der Zeitschrift von J. G. Jacobi: Iris, Zweyter Band; Düsseldorf: 1775; S. 240f

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