Friedrich Schlegel 250

Friedrich Schlegel 

(* 10. März 1772 in Hannover; † 12. Januar 1829 in Dresden)

Irrlichter
 
(1810)
 
Ungeziefer mannichfaltig
Nagt der Geister Ruhm;
Viel Gesindel, allgestaltig
Nascht vom Heiligtum.
 
Ja und Nein, und Mehr und Minder
Würfeln sie herum
Drehn und kehren es geschwinder
Schnell im Kreise um.
 
Ihnen gibt es kein Geheimnis
Als das Einmal Eins,
Auch im Schwatzen kein Versäumnis
Alles Eins und Keins.
 
Wie das Böse Gott erschaffe,
Groß wie sie gesinnt,
Sich das All zusammenraffe,
Lehren sie geschwind.
 
Allem Tüchtigen abwendig
Ist ihr eitler Mut,
Nur im Nichtigen beständig
Diese neue Brut.
 
Sie verschmähn die starke Rede
Von dem Kampf des Lichts,
Lieben und vergöttern jede
Ausgeburt des Nichts.
 
Wie der Mücken Schwarm unzählig
Längst dem Strome zieht,
Summen andre, haschen selig
Nach Gesang und Lied.
 
Jedes neuen Scheins gewärtig
Mit des Seelchens Flug,
Sind sie schon von Anfang fertig
Schreiben Buch auf Buch.

2 Comments on “Friedrich Schlegel 250

  1. sehr gut! Das habe ich mit großem Genuss gelesen. Danke für eure Auswahl-Arbeit!

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