Den Grobian verfolgt die Lust

Sergej Jessenin

(russisch Сергей Александрович Есенин, wiss. Transliteration Sergej Aleksandrovič Esenin; * 21. September jul./ 3. Oktober 1895 greg. in Konstantinowo, Gouvernement Rjasan, Russisches Kaiserreich; † 28. Dezember 1925 in Leningrad)

Den Grobian verfolgt die Lust,
den Zärtlichen die Traurigkeit.
Ich brauche niemanden, gewiss,
und niemand tut mir leid.

O doch, mir selber ich ein bisschen,
armer, heimatloser Und.
Sieh da, das ist der Weg schnurstracks
zum Kiosk am Diamantengrund.

Was regt ihr euch auf, ihr Teufel?
Bin ich kein Kind von hier?
Keiner von uns, dem die Hose nicht
für einen Schluck Rum um die Knöchel fiel.

Mürrisch schau ich aus dem Loch,
im Herzen Schmerz und Langeweile.
Die Sonne glitzert frühlingswonnig
auf dem versumpften Weiher.

Sie wird schon fett und trocknet all
den Gatsch entlang der Straße.
Ein Junge steht da, welcher recht
zufrieden wirkt, er bohrt in der Nase.

Bohre, bohre, mein Junge!
Steck den Finger rein bis zum Knie.
Wund wenn du’s mit aller Kraft versuchst,
deine Seele erreichst du nie.

Ich mag nicht mehr. Ein Flaschenheer
steht vor mir. Wird es endlich langen?
Ich sammle die Korken, um
meine Seele einzufangen.

Deutsch von Ann Cotten, aus: Ann Cotten, Fast dumm. Essays von on the road. O.O., o.J. Fürth: starfruit, 2017, S. 224 f.

Грубым дается радость,
Нежным дается печаль.
Мне ничего не надо,
Мне никого не жаль.

Жаль мне себя немного,
Жалко бездомных собак.
Эта прямая дорога
Меня привела в кабак.

Что ж вы ругаетесь, дьяволы?
Или я не сын страны?
Каждый из нас закладывал
За рюмку свои штаны.

Мутно гляжу на окна,
В сердце тоска и зной.
Катится, в солнце измокнув,
Улица передо мной.

А на улице мальчик сопливый.
Воздух поджарен и сух.
Мальчик такой счастливый
И ковыряет в носу.

Ковыряй, ковыряй, мой милый,
Суй туда палец весь,
Только вот с эфтой силой
В душу свою не лезь.

Я уж готов… Я робкий…
Глянь на бутылок рать!
Я собираю пробки —
Душу мою затыкать.

1923

Engl. Transkription:

Grubym dayetsya radost‘,
Nezhnym dayetsya pechal‘.
Mne nichego ne nado,
Mne nikogo ne zhal‘.

Zhal‘ mne sebya nemnogo,
Zhalko bezdomnykh sobak.
Eta pryamaya doroga
Menya privela v kabak.

Chto zh vy rugayetes‘, d’yavoly?
Ili ya ne syn strany?
Kazhdyy iz nas zakladyval
Za ryumku svoi shtany.

Mutno glyazhu na okna,
V serdtse toska i znoy.
Katitsya, v solntse izmoknuv,
Ulitsa peredo mnoy.

A na ulitse mal’chik soplivyy.
Vozdukh podzharen i sukh.
Mal’chik takoy schastlivyy
I kovyryayet v nosu.

Kovyryay, kovyryay, moy milyy,
Suy tuda palets ves‘,
Tol’ko vot s eftoy siloy
V dushu svoyu ne lez‘.

YA uzh gotov… YA robkiy…
Glyan‘ na butylok rat‘!
YA sobirayu probki —
Dushu moyu zatykat‘.

4 Comments on “Den Grobian verfolgt die Lust

    • Ja, Schwung ist da. Ich denke, sie macht daraus ein lesbares Gedicht und ein Cottengedicht. Kaum anders als Celan, der aus Mandelstam und Rimbaud lesbare Celangedichte macht.

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  1. Seltsame Übersetzung. Kann sie Russisch? Wovon geht sie aus? Warum lässt sie in der zweiten Strophe den Hund aus? Ich jämmerlicher Hund, so ungefähr. Oder soll das bei Und mitschwingen? Etc. etc.

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