Liebster Perthes

Philipp Otto Runge

(* 23. Juli 1777 in Wolgast; † 2. Dezember 1810 in Hamburg)

Wollgast den Januar 1807

Liebster Perthes

… wir haben den Sommer die Pr(eußen) an der Grenze gehabt, jetzt die fr(anzosen) und also immer ein doppeltes interesse, welches eben nur so interessant ist, daß es eben langweilig werden will und nicht dazu kommen kann (…) ich will es übergehen, wie unsere herzen zerrissen sind über die Begebenheiten, beyde, der Welt und unserer famielie, über die Angst für die auswärtige Gefahr und die persönliche, die jeden Augenblick da war, und es ist nicht vorbey. …

Nun über meine Arbeiten, wie ich fortschreite, darüber kann u. mag ich nichts sagen, das zeigt sich besser. ich suche mich gebrauchen zu lernen, für Billroth in Gr(eifswald) habe ich seine schwester gemahlt, den alten Pastor hier, Vater und Mutter, dann hatte ich einige leute unter mahlt (…) jetzt habe ich eine ziemlich große Composition zu Kosegarten seiner Capelle untermahlt, ein Mondscheinst(üc)k (…)

(…) Das Hauptquartier ist in Friedland, in Anklam ists entsetzlich und noch nicht zu Ende. – Klinkow(ström) grüßt euch alle viel tausend mahl. … neulich ging ich von greifswald zu ihm, ich nahm zu Kanes eine halbe Meile von L(udwigsburg) einen bauer, der mit mir hin reiten muste. es war hoch wasser und frostwetter den andern Tag noch, wir waren am Seestrand, der Wind war stark und stand grad ans land, viel schwäne waren auch da, es war ganz herrlich, es wird uns nur bald an farben fehlen. (…) grüße alle bekante u. freunde, auch Hertrich

dein Otto

Es blüht eine schöne Blume, in einem weiten Land
die ist so seelig geschaffen, und wenigen bekant
Ihr Duft erfüllt die Thale, Ihr Glanz erleuchtet den Wald,
Und wenn ein Kranker sie siehet, die Krankheit weichet bald

wo kömmt im Morgenwinde, die blitzende Sonne her
was glüht am kühlen Abend, auf Bergen Wolken und Meer
die Bäche und Seen erglänzen, im klaren Mondenschein
Im Himmel sind unsre Hütten, drin glänzen Sternelein

drey Könige kamen gezogen, zu einem Heiligtum
der Stern stand über dem Hause, drin lag die süße Blum.
Wenn ich zwey Augen erblicke, die funkeln hin und her
So wünsche ich daß im Herzen, die süße Blümlein wär!

Aus: Heimat und Freundschaft. Briefe von Philipp Otto Runge in der Urfassung. München: Langen / Müller, 1939, S. 47-50

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