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Veröffentlicht am 2. Februar 2018 von lyrikzeitung
Marie Luise Kaschnitz
Schreibend
Schreibend wollte ich
Meine Seele retten.
Ich versuchte Verse zu machen
Es ging nicht.
Ich versuchte Geschichten zu erzählen
Es ging nicht.
Man kann nicht schreiben
Um seine Seele zu retten.
Die aufgegebene treibt dahin und singt.
Aus: Marie Luise Kaschnitz: Überallnie. Ausgewählte Gedichte 1928-1965. München: dtv, 1995 (2., neu durchges. Aufl. – 1. 1969), S. 215
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: L&Poe-Anthologie, Marie Luise Kaschnitz
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Wenn sie einem entlaufen ist, die Seele,
was dann? Sie wieder einzufangen mit seinen Netzen der Ungeduld,
ist ein Unterfangen, das nur Fischern
zustünde, die Göttern gleichen.
Doch ist`s nicht vielmehr so,
dass die scheinbar entlaufene Seele, man selbst ist und man davonläuft,
ständig davonläuft vor denen, die
sie einzufangen versuchen?
Und was geschieht, wenn
zwei solche Seelen sich begegnen?
Weichen sie sich aus, weil sie
die Konkurrenz der anderen fürchten,
oder sind sie sich ein Trost?
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