Der Ingenieur

João Cabral de Melo Neto

(Recife, 9. Januar 1920 — Rio de Janeiro, 9. Oktober 1999)

Der Ingenieur

Das Licht, die Sonne, die frische Luft
umgeben den Traum des Ingenieurs.
Der Ingenieur träumt klare Dinge:
Oberfläche, Tennis, ein Glas Wasser.

Bleistift, Winkel, Papier,
Zeichnung, Entwurf, Zahl:
Der Ingenieur denkt die richtige Welt.
Welt, die kein Schleier verdeckt.

(An bestimmten Nachmittagen stiegen wir
auf das Hochhaus. Die tägliche Stadt,
Wie eine Zeitung, die alle lasen,
bekam eine Lunge aus Zement und Glas).

Das Wasser, der Wind, die Helligkeit,
auf der einen Seite der Fluß, hoch oben die Wolken,
begrenzten die Lage des Hochhauses,
das stieg aus eigener einfacher Kraft.

1945

Aus: Brasilianische Poesie des 20. Jahrhunderts. Hrsg. u. übertr. v. Curt Meyer-Clason. München: dtv, 1975, S.119

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