Die Dichter des 19. Jahrhunderts

Petöfi ist ein Asteroid mit der Nummer 4483. Sonst ein Dichter mit dem Vornamen Sándor (1. Januar 1823 Kiskőrös [Taufdatum] – 31. Juli 1849 Weißkirch bei Schäßburg, heute Rumänien)

Vorbemerkung d. Hrsg.: Sollten einige Thema und Sprache zu wenig zeitgemäß finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem Sommertage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmts auch wieder.

Die Dichter des 19. Jahrhunderts

Deutsch von Martin Remané

Kein Sänger sollte in die Saiten
ohne Besinnen greifen heut,
denn hohe Pflichten zu erfüllen
hat der Poet in dieser Zeit!
Wer nur von seiner eignen Freude,
vom eignen Schmerz sich fühlt bewegt,
ist nicht vonnöten und tut besser,
wenn er die Laute niederlegt.

Wir irren heute in der Wüste
wie einst das Volk von Israel,
doch Moses, der der Feuersäule
Jehovas folgte, ging nicht fehl.
Uns hat der Schöpfer heut den Dichter
als Fackel für den Weg gesandt,
als Führer, der das Volk geleite
ins heilige, Gelobte Land.

So führt das Volk voran, ihr Dichter,
durch Feuer, Flut und Wüstensand!
Fluch dem, der sinken läßt die Fahne
und wegwirft gar mit feiger Hand!
Fluch allen, die sich ferne halten
aus Trägheit und Bequemlichkeit,
im sichren Schatten ruhn, indessen
das Volk nur Mühe kennt und Leid.

Falsche Propheten gibt’s, die sagen:
„Legt doch die Waffen aus der Hand!
Was ihr ersehnt, ist längst errungen!
Ihr lebt schon im Gelobten Land!“
Doch Lüge ist’s! Seht die Millionen,
die tot sich rackern rings im Feld
und mühsam nur ihr Leben fristen,
von Durst und Hunger stets gequält!

Erst dann, wenn jeder gleichberechtigt
Platz nehmen darf am Tisch der Welt,
erst dann, wenn jeder gleichermaßen
sein Teil vom Überfluß erhält,
wenn durch die Fenster aller Hütten
das Licht der Bildung Einzug fand,
erst dann ist’s Zeit für uns zu rasten,
erreicht ist das Gelobte Land.

Solange darf’s nicht Ruhe geben,
kein Ende unseres Gerichts!
Lohnt unsre Opfer, unsre Mühe
die Welt dereinst uns auch durch nichts,
der Tod wird unsre Augen küssen,
selig sinkt unser Leib hinab
und schläft mit ruhigem Gewissen
im wohlverdienten, stillen Grab.

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