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Veröffentlicht am 21. Juni 2017 von lyrikzeitung
Von Wulf Kirsten (geboren am 21. Juni 1934 in Klipphausen bei Meißen) ein Porträtgedicht aus dem Jahr 1972:
Grabbe
bohnenspiel im zuchthaus, ein galliger scherz.
die lues logierte in der Goldenen Gans.
läppisches Lippe, zänkisches weib.
zum auditeur geschlagen,
eine satire auf podagrabeinen.
soldaten vereidigt
in unterhosen, dienstfrack und schwarzer krawatte
(nackt um den hals).
der mensch zum affen verschnürt.
in die intrigen der theaterwelt eingesehen.
genie der mißerfolge, unflätige tiraden.
trinkwut. der mißratene leib
in trister hinterstube eingespundet.
unterm verwanzten bett dintenfaß,
pißpott und rumflasche,
ein rest schierer rum.
bespiene bücher, also rezensierte,
ironisch hinter den sorgenstuhl geworfen.
„leck müi mol ins ees!“
der ziegelbrennersprache tiefere bedeutung:
zu langjährigem Detmold verurteilt.
Aus: Wulf Kirsten: Der Bleibaum. Gedichte. Berlin u. Weimar: Aufbau, 1977, S. 94
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Christian Dietrich Grabbe, L&Poe-Anthologie, Wulf Kirsten
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