Wahrheitsdichter

Wahrheit-Dichter wie Fritz Eckenga, Thomas Gsella, Christian Maintz, Reinhard Umbach, Peter P. Neuhaus, Kathrin Passig, Klaus Pawlowski, Bernd Penners, Horst Tomayer, Jan Kaiser, Rayk Wieland, Matti Lieske, Carola Rönneburg, F.W. Bernstein, Georg Raabe, Dietrich zur Nedden, Susanne Fischer, Steffen Brück, Jörg Borgerding, Holger Paetz, um nur einige zu nennen, die für die Wahrheit dichten oder gedichtet haben, erhellen mit ihrem herzergreifenden Witz selbst den dunkelsten Ruhrgebiets-November oder führen mit ihrer klassischen Belesenheit frivole Verse in höhere Sphären oder formen rätselhafte Gedankengänge in schachblitzschnelle Reime. Alle rufen sie beim Leser wenigstens ein Lächeln hervor, getreu der Wahrheit-Devise: Ein Lächeln am Tag – und die Welt ist gerettet. / Michael Ringel, taz

– Ein Gedicht, sagte Gottfried Benn, sei, „wenn Sie am Sonntag morgen Ihre Zeitung aufschlagen, und manchmal sogar auch mitten in der Woche, (…) in einer Beilage meistens rechts oben oder links unten“, das „durch gesperrten Druck und besondere Umrahmung auffällt“. Das ist lange her. Heute, exakt seit 25 Jahren, entfällt der Rahmen, dafür sorgt ein Bild für eine gewisse Rechtfertigung, es steht jeden Donnerstag in der „Wahrheit“-Beilage der taz. Und ich danke den Lyrikgöttern, daß es die taz ist und nicht irgendein mitteldeutsches oder bayrisches Provinzblatt, bei dem vielleicht das gedruckt würde, was die Wahrheit-Redaktion in den Papierkorb wirft:

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, / es ist die Merkel mit ihrem Flüchtlingskind…“, rumpelt es los und geht auch nicht besser weiter. Zuvor hat der Verfasser in einem zehnseitigen Anschreiben seinen Lebenslauf mitgeteilt und, dass er auf eine einmalige Idee gekommen sei. Er bringe nämlich die aktuelle Lage mit einem seit seiner Schulzeit nicht mehr gelesenen Poem auf den Punkt. Exklusiv biete er uns das wertvolle Meisterwerk an, wobei Spiegel und Zeit ebenfalls Interesse bekundet hätten und an der Sache dran seien, weshalb man schleunigst zuschlagen und es drucken sollte, bevor es zu spät sei.

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