Leseecke 12

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 8-14 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

12

VVHen I doe count the clock that tels the time,
And see the braue day sunck in hidious night,
When I behold the violet past prime,
And sable curls or siluer'd ore with white:
When lofty trees I see barren of leaues,
Which erst from heat did canopie the herd
And Sommers greene all girded vp in sheaues
Borne on the beare with white and bristly beard:
Then of thy beauty do I question make
That thou among the wastes of time must goe,
Since sweets and beauties do them–selues forsake,
And die as fast as they see others grow,
     And nothing gainst Times sieth can make defence
     Saue breed to braue him, when he takes thee hence

Einige Anmerkungen zum Text:

braue brave, hier: schön

3 past prime a) die Vergangenheit wo sie am schönsten war b) wenn der Frühling vorbei ist

4 sable schwarz, braun siluer’d ore silvered o’er übersilbert

5 barren Oxford Shakespeare kommentiert: „Unusual in the sense of ‚bare of leaves‘; its usual sense ‚bare of fruit‘ recalls the chill landscape of infertility, the bareness everywhere of 5.8.“ (hier)

6 erst vorher canopie bedecken 

girded vp in sheaues zu Garben gebunden

8 bier Bahre bristly stachlig

do I question make spekuliere ich darüber

13 sieth scythe, Sense

Deutsche Fassung von Otto Gildemeister (1871)

 Zähl ich den Glockenschlag, der Stunden mißt,
 Und seh den stolzen Tag in Nacht versinken,
 Schau ich das Veilchen nach der Blütenfrist
 Und Rabenlocken, die versilbert blinken;
 Seh ich den Waldbaum um sein Laub gekürzt,
 Der sonst die Herde vor der Glut bewahrte,
 Und Sommers Grün, in Garben hochgeschürzt,
 Auf Bahren ruhn mit weißem Stachelbarte:
 Dann über deine Schönheit grübel ich,
 Daß du hinab mußt in der Zeit Verderben;
 Denn Reiz und Schönheit läßt sich selbst im Stich
 Und eilt, so rasch wie Neues wächst, zu sterben.
    Nichts hält die Sense fern von deinem Haupt
    Als Saat, die stehn bleibt, wann die Zeit dich raubt.

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