Weg in Nichtpolitisches

Der Standard sprach mit dem polnischen Lyriker Adam Zagajewski. Auszug:

STANDARD: Sie sind Dichter und Essayist. Welcher der beiden Bereiche bedeutet Ihnen mehr

Zagajewski: Fast jeder Autor, der in diesen beiden Bereichen arbeitet, würde wohl sagen: Die Poesie ist wichtiger, sie hat etwas Konzentrierteres, etwas Künstlerisches. Sicher, das Publikum dafür ist klein, aber auch heutzutage bleiben immer noch einige gute Leser. Den Essay sehe ich als eine Erweiterung der Gedichte, man kann da mehr sagen, vielleicht ist es aber auch weniger im künstlerischen Sinn. Es gab viele Lyriker, die auch intensiv Essays geschrieben haben, die zwischen der Passion und der Rationalität einen Ausgleich suchten. –

(…)

STANDARD: Kann man mit Lyrik in einem totalitären System etwas ausrichten?

Zagajewski: Es gab eine Zeit, in der das möglich war, vor allem in den späten 70er-Jahren. Wir lebten damals in einer Gesellschaft, in der das Wort nicht frei war. Das war ein Opfer, aber ein frohes, denn wir haben eine gemeinsame Sprache mit unseren Lesern gehabt. Später habe ich begriffen: Ich kann nicht mein ganzes Leben so schreiben, ich muss einen Weg in Nichtpolitisches finden.

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