Wie Lyrik

«Facebook ist in etwa wie Lyrik – jeder schreibt, kaum einer liest.» Dass mir ausgerechnet der Lyriker Raphael Urweider solches antwortet auf die Frage, was er da tue und warum, hat mich nur einen Augenblick lang verwundert. Das soll Lyrik sein, was man hier liest, oder immerhin «wie Lyrik»? Es ist reine Koketterie. Denn mag es auch zutreffen, dass zwar manch einer Verse dichtet, aber kaum einer sie liest, so gilt für Facebook und zumal für die Sites der Dichter: So viele Leser hatte mancher noch nie in seinem Leben. Wahr ist auch: Was die Dichter hier schreiben (so sie denn schreiben und nicht nur Bilder und Filme oder nach oben gereckte Daumen posten), klingt vielleicht noch nicht wie ein Gedicht, aber jedenfalls wie etwas, aus dem einmal ein Gedicht werden könnte.

Und dennoch hat unlängst tatsächlich einer auf Facebook gedichtet. Es war Clemens Setz, wer sonst… / Roman Bucheli, NZZ

One Comment on “Wie Lyrik

  1. dass kaum einer lyrik liest, ist bei der lyrik kein nachteil, schließlich lautet des öfteren das motto doch: weniger ist mehr. wie bei der homöopathie verdichtet sich die leseranzahl im idealfall richtung null.

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