Günter Grass †

Mitte der fünfziger Jahre debütierte Grass als Lyriker und Dramatiker, nach ersten Versuchen als Schriftsteller wurde er Mitglied der „Gruppe 47„. Von 1957 bis 1959 lebte Grass mit seiner Frau Anna in Paris. Die Bildhauerei gab er bis auf Weiteres auf und beschäftigte sich erst in späteren Jahren wieder mit der bildenden Kunst. Allerdings gestaltete er zeitlebens die Umschläge seiner Bücher selbst und illustrierte viele von ihnen.

Mit Anfang 30 setzte Grass sich in eigenen Worten „dickarschig“ hin und schrieb seinen ersten Roman über Nationalsozialismus und Weltkrieg durch die Augen des scheinbar ewigen Kindes Oskar Matzerath. Die Veröffentlichung seines Debüts „Die Blechtrommel“ 1959 machte ihn weltbekannt. Hans Magnus Enzensberger sah damals in einer Radio-Besprechung „Schreie der Freude und der Empörung“ kommen, und lobte weiter: „Unserm literarischen Schrebergarten (…) zeigt er, was eine Harke ist. Dieser Mann ist ein Störenfried, ein Hai im Sardinentümpel, ein wilder Einzelgänger in unsrer domestizierten Literatur, und sein Buch ist ein Brocken (…), an dem Rezensenten und Philologen mindestens ein Jahrzent lang zu würgen haben, bis es reif zu Kanonisation oder zur Aufbahrung im Schauhaus der Literaturgeschichte ist“.

Im Schauhaus der Literaturgeschichte kam das Werk in der Tat an, und nicht nur das. Die Verfilmung 1979 durch Volker Schlöndorff mit Mario Adorf, Angela Winkler und David Bennent erhielt den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Zusammen mit der Novelle „Katz und Maus“ (1961) und dem Roman „Hundejahre“ (1963) bildet „Die Blechtrommel“ die Danziger Trilogie. „Die meisten meiner Bücher beschwören die untergegangene Stadt Danzig. (…) Verlust machte mich beredt“, wie Grass später schrieb. Zeitlicher Hintergrund war die dramatische erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, geschildert in einem oft grotesken und expliziten Stil, der seinerzeit durchaus schockieren konnte, nicht nur ideologisch. Der ehemalige NS-Publizist Kurt Ziesel etwa setzte vor Gericht durch, Grass einen „Verfasser übelster pornographischer Ferkeleien“ nennen zu dürfen. / Irene Helmes, Süddeutsche Zeitung

Günter Grass liest das Gedicht „Mir träumte, ich müßte Abschied nehmen“ (1986)

Das letzte literarische Werk von Günter Grass kommt im Sommer auf den Markt. Der Literatur-Nobelpreisträger habe bis wenige Tage vor seinem Tod an dem Buch gearbeitet, sagte sein Verleger Gerhard Steidl am Montag in Göttingen.
„Wir haben das Buch in der letzten Woche buchstäblich fertig gemacht, es ist druckreif. Wir hätten jetzt an Feinarbeit gebastelt“, sagte Steidl. Bei dem Werk mit dem Titel „Vonne Endlichkait“ handele es sich um ein literarisches Experiment. Darin habe Grass erstmals Prosa und Lyrik miteinander verschmolzen. / Der Spiegel

Iain Bamforth würdigt Grass in der LRB als Lyriker und zitiert dieses Gedicht aus Grass‘ „Vorzügen der Windhühner“, seinem ersten Gedichtband, das auf englisch so beiläufig elegant klingt in seiner Bosheit:

„In our museum – we always go there on Sundays –
they have opened a new department.
Our aborted children, pale, serious embryos,
sit there in plain glass jars
and worry about their parents‘ future.“ / Perlentaucher (dort auch zahlreiche weitere deutsche und internationale Stimmen)

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