Gnomen und Amben

Ein neuer Lyrikverlag taucht auf, mit exzellentem Programm. Ich freue mich, die neuen Bücher hier vorstellen zu dürfen – und natürlich auf die Bücher, die in Kürze vorliegen sollen. Der Verlag heißt Brueterich Press und wirbt mit dem Slogan:

Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis – dann ist es BRUETERICH PRESS!

Die Autoren der angekündigten 4 Bücher sind: Hans Thill, Cyrus Console, Monika Rinck und Oswald Egger. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise munkeln, hinter Brueterich verberge sich… darf ich das ausplaudern? Ach was, hoch lebe die Glasnost: Ulf Stolterfoht. Und die Lyrikknappschaft Schöneberg ist mit von der Partie. Aus gegebenem Anlaß darf ich als erstes das Buch  von Oswald Egger vorstellen:

Oswald Egger: Gnomen & Amben. Berlin: Brueterich Press, 2015 (BP 005). 20,00 €

Ein paar Seiten als Leseprobe:

5

WETTLAUF DER GNOMEN UND AMBEN. Am Anfang war es einmal – also keinmal–, und zwar die Geschichte selbst hat sich so zugetragen: Von einem Igelpaar sitzt jeweils der eine oder die andere am Ausgangs- und Endpunkt der festgelegten Wettwegstrecke, und harrt, da wie dort, dem erschöpften anderen, cognomen, dessen Name sei – Hase: »Ick bün al dor!« Aber dann, beim 74. Anlauf (in Anwendung der Bilokation im Wortsinn) bricht der Gambengnom ein und – hubbubs – muß »dran glauben«. Ein alter Kalender mit Fünffingererzählung liegt der Mär zu Grunde, ich weiß, und von einer solchen Fünftage-Woche müssen im Jahreskreis binnen 365 Tagen ganze 73 ab- und ausgelaufen sein. Dieser oder jener Haselant freilich, gefangen im Nomen seiner Posse, fiele hasardiert ins immerneu zv wwwerwürfelte Mondloch pro Woche – jetzt bin ich dann da, dann bin ich jetzt dort. Von Jetzt auf Gleich erstreckt sich »daß«, aber nicht »wie« die ganze Zeit vergeht, dabei: vom »Vom« zum »Zum« ineinander übergehend, ununterdessen unaufhörlich andauernd, fast unbenommen pausenlos Woche um Woche, Wort für Wort, Ton in Ton verwoben, stets und doch wechselständig, fortwährend, unentwegt, von Klippe zu Klippe, in einem fort: Die Geschichte ist eigenlos, »um nichts«, gelogen, bloß – wahr ist sie aber! Ich will mir die Fabel in Sprache und Gestalt eines Rebus und Silbenrätsels denken (»das Blatt hat sich gewendet«); nur unumgänglich müsse sie sein, besiegelt, sonst könnte sie einer ja um die Wette nicht unverwandt ausgesprochen wissen wie kein anderer ..: am Ende ist sie ausgedacht –

9 10

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