17. Neuer Ton?

Vielleicht ist es nur Einbildung, weil man schon so lange keine Gedichte mehr gelesen hat von Marcel Beyer: Aber es scheint, da schwinge ein neuer Ton mit in diesen Versen, die Worte würden sich zu lockeren Rhythmen fügen und entspannter sei der erzählerische Gestus geworden und zugleich kühner das Spiel mit den Motiven. Am ehesten noch erinnern die neuen Gedichte Marcel Beyers an den Zyklus «Der westdeutsche Tierfilm» aus seinem bisher letzten Lyrikband («Erdkunde», 2002). Auch dort fügte er den Stoff mit erzählerischem Schwung (und freilich auch noch mit deftigem Witz) zu Quartetten. In dem neuen Band «Graphit» stellt das Quartett aus lauter Kurzversen die vorherrschende Strophenform dar. Das gibt den Gedichten ein fulminantes Tempo und zwingt zu harten Zäsuren am Versende und selbst über das Ende der Strophen hinaus. Solche Beschleunigungen im Sprachduktus wiederum begleitet Marcel Beyer mit abrupten thematischen und motivischen Schnitten. / Roman Bucheli, NZZ 5.1.

Marcel Beyer: Graphit. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2014. 207 S., Fr. 34.90.

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