59. Trend Dichten

Schwarze Sneakers, zerschlissene Jeans, ein rotes Baseballcap. Lukas fällt in der Gruppe von Studenten vor dem Unipark Nonntal nicht sonderlich auf. Der 22-Jährige studiert Biologie an der Uni Salzburg, er ist leidenschaftlicher Basketballer. Doch sein wohl größtes Hobby ist Dichten – ja, Dichten. „Mein Bruder hat mich mit 17 das erste Mal zu einem Poetry Slam mitgenommen. Seitdem mache ich bei den Wettkämpfen mit.“ Bei einem Poetry Slam werden selbst geschriebene Texte performativ vorgetragen. Wer die „Dichterschlacht“ gewinnt, entscheidet das Publikum. „Für mich ist ein Slam sportlicher Wettkampf und persönlicher Ausdruck zugleich“, ergänzt Lukas. Formaten wie dem Poetry Slam ist es zu verdanken, dass Lyrik wieder massen- und vor allem jugendtauglicher wird. Erleben wir also eine Hochphase der modernen Dichtung?

Poetry-Slammer Lukas ist sich sicher, dass sich in den vergangenen Jahren viel bewegt hat. Nicht umsonst sei die deutschsprachige „Slam-Szene“ die zweitgrößte der Welt – nach der englischsprachigen. (…)

Doch ist moderne Lyrik überhaupt mit „Gedichte schreiben“ gleichzusetzen? Laut Uta Degner muss der Begriff viel weiter gefasst werden. Die Stipendiatin am Fachbereich Germanistik der Uni Salzburg erläutert: „Moderne Lyrik ist gerade in der Gegenwart all das, was zu Lyrik erklärt wird – poetische Regeln gibt es keine mehr.“ Es gebe immer noch traditionell gereimte Lyrik, aber auch ganz offene Formen von Prosagedichten, Lautgedichten etc. Trotz der weitreichenden Definition sieht Degner Lyrik immer noch als „Nischenphänomen, abseits von großen Verkaufszahlen“. Lediglich die Poetry Slams seien ein Zeichen für „ein gewisses Comeback der Lyrik unter jungen Menschen“.

Manfred Glauninger bescheinigt der modernen Lyrik ein besseres Bild. Für den Sprachwissenschafter ist etwa der Poetry Slam keine Modeerscheinung. „Die Poetry Slams sind für mich jetzt schon eine etablierte Form von Musikkunst oder Literatur.“ Zentral sei die Musik als „Transportmittel“ für die gedichteten Verse. „Moderne Lyrik ist sehr stark mit Songtexten, speziell mit Rap verbunden. Seit den ersten US-Rappern in den 80ern – und Falco in Europa – ist es ,cool‘, sich auf diese Weise auszudrücken.“ Inzwischen sei sogar eine Sogwirkung für andere Altersklassen zu bemerken: „Es gibt immer mehr Teilnehmer über 30, 40 oder 50, die an Poetry Slams teilnehmen.“ / Ralf Hillebrand, Salzburger Nachrichten

5 Comments on “59. Trend Dichten

  1. ich persönlich mag poetry slams nicht. hab zwar ein paar mal mitgemacht und auch verloren… was aber nicht bedeutet, dass ich deswegen beleidigt bin. mein stil ist einfach anders und dieser poetry slam stil sagt mir nicht zu. das klingt alles irgendwie gleich. sicher gibts ein paar gute, aber ich muss das nicht machen nur um irgendwo gut zu sein. zuhören gehe ich auch nicht. ich höre lieber guten alten rap wenns so ist, aber es klingt wenigstens nicht wie ein abklatsch. poetry slam ist einfach nur ein trend, der vl auch bleibt, aber ca so ist wie street soccer und fußball.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: