32. Wien: Literatur im Herbst

Es ist eine illustre Schar, die sich da in Wien versammelt: vom großen russischen Romancier Vladimir Sorokin über den Drehbuchautor Denis Osokin, der das Buch zu dem preisgekrönten Film „Stille Seelen“ schrieb, bis zu Jelena Fanajlowa. Sie ist nicht nur eine der prominentesten Lyrikerinnen Russlands, sondern auch eine engagierte regimekritische Journalistin. Aus dem russischen Norden schickt sie ein „Sendschreiben in den Süden“ – so der Titel eines Gedichtes über die Ukraine.

„Früher sagte man immer, die Ereignisse kommen in Kiew mit drei bis sechsjähriger Verspätung an, man hatte das Gefühl, dass die Ukraine in fast allen Bereichen hinter Russland war, heute ist das genau umgekehrt“, sagt Fanajlowa. „Jahrzehntelang hat Russland auf eine Modernisierung hingearbeitet und es jetzt ist es die Ukraine, die einen Sprung nach vorne macht. Das Blutvergießen im Osten der Ukraine ist ein Konflikt zwischen der Moderne und dem Archaischen.“

„Wir sind vom selben Stamm, eine Familie, Bruder gegen Bruder, Schwester gegen Schwester“, schreibt Jelena Fanajlowa in ihrem „Sendschreiben in den Süden“. Es sind Texte von großer poetischer Kraft, die sie der Ukraine gewidmet hat und ihren Kollegen dort, wie Serhij Zhadan, den sie ins Russische übersetzt hat. Serhij Zhadan, der im März bei den Demonstrationen in Charkiw schwer verletzt wurde. Daraus eine Gedichtzeile: „Dich bringt dieses Land um – meines.“

„In Russland gibt es wieder vermehrt politische Lyrik und diese Gedichte leuchten das ganze politische Spektrum aus – vom Putin-begeisterten Patrioten bis zum Regimegegner“, erklärt Fanajlowa. „Lyrik hat eine große Aufmerksamkeit, vor allem bei den Jungen. Der Dichter ist wieder eine moralische Autorität.“ / Kristina Pfoser, ORF

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