37. Jörg Albrecht in Abu Dhabi verhaftet

Der deutsche Schriftsteller Jörg Albrecht ist in Abu Dhabi für drei Tage inhaftiert worden. Er war dort offizieller Gast der Abu Dhabi International Book Fair. Inzwischen sei er gegen Zahlung einer Kaution wieder entlassen worden, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Nach anderen Quellen sei noch offen, ob er wieder in Haft müsse oder eine Geldstrafe zahlen müsse. Derzeit dürfe er das Land nicht verlassen.

Die Behörden verdächtigten ihn der Spionage. Er habe mit seinem iPad in einer Straße fotografiert, in der sich auch Botschaften befänden. Daraufhin sei er von einer Abteilung des Geheimdienstes festgesetzt worden. Er sei einem Staatsanwalt in Fußfesseln und ohne Rechtsbeistand vorgeführt worden.

In einem Kommentar auf der Seite nachtkritik.de meldete sich Jörg Albrecht zu Wort: „Zum Glück ist mein Schweizer Kollege Jonas Lüscher noch hier, um mich zu stützen. Ich schlafe dennoch vor Angst kaum, da hier seit einer Woche keine neuen Informationen zu bekommen sind.“

Die Zeit

6 Comments on “37. Jörg Albrecht in Abu Dhabi verhaftet

  1. Die aktuelle Diskussion über den 50 Jahre alten Roman Deutschstunde und der Manfred-Hausmann-Schneckenskandal bei der österreichischen Zentralmatura zeigen, dass man Kunst nicht von Zeitgeschichte und politischer Situation abkoppeln kann und darf.

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  2. Genau. Peinliche Situationen ergeben sich ja immer wieder, wie bei der Frankfurter Buchmesse 2009 mit China als Gastland. Irgendwann muss man/frau zeigen und sagen, wofür man/frau steht. Dai Qing und Bei Ling und jene, die dafür gesorgt haben, dass die beiden doch gehört wurden, haben das klargemacht, Aber es war ein großer Skandal, und viele haben nicht kapiert, worum es ging. Herta Müller schon, auch Elfriede Jelinek. Damals diskutierten in Frankfurt auch der im Exil lebende Literaturnobelpreisträger Gao Xingjian und der engagierte Dichter Yang Lian. Das war sehr schön, aber nicht genug. Es bedurfte des erwähnten Skandals, um daran zu erinnern, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht alles richten kann.

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  3. Das ist vor allem eine schallende Ohrfeige für die Frankfurter Buchmesse, die sich seit Jahren mit großem Einsatz für den Aufbau der Buchmesse in Abu Dhabi engagiert hat. Diese Art von Geiselnahme ist typisch für Diktaturen, die zu feige sind, ihren Unmut über westliche Partner offen auszusprechen.
    Dass Writers in Prison sich nun für einen deutschen Autoren einsetzen muss, der zudem Gast des Emirats war, mutet surreal an. Es verdeutlicht aber die kritische Situation vieler Schriftsteller im arabischen Raum wie auch in Iran, die von ominösen „Sicherheitskräften“ entführt werden und ohne Rechtsurteil in Haft bleiben müssen.
    Ich hoffe sehr, dass die Buchmesse Frankfurt dieses „Gastland“ in Zukunft mit weniger gefälliger Nachsicht behandelt, ohne den notwendigen Kulturaustausch zu beeinträchtigen.

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