24. Pseudoverlage

Sie wollen Schriftsteller werden, aber die Verlage lehnen Ihr Manuskript ab? Kein Problem! So suggerieren es zumindest Pseudoverlage und halbseidene Literaturagenten. Betina Knoch fiel darauf rein.

Wahrhaftig, die Lektorenkonferenz hat ihr Manuskript auserwählt – aus der Fülle aller Einsendungen! Betina Knoch ist selig. Das Bilderbuch über Trauer und Abschied ist eine Hommage an ihren verstorbenen Mann. „Ein wunderbares Buch“, sagt Knoch. Erste Leser sagen das auch. Das Erbe ihres Mannes dient als Anzahlung für die Veröffentlichung. 14.800 Euro, so viel verlangt die Deutsche Literaturgesellschaft für eine Auflage von 2500 Stück und suggeriert die umfangreiche Vermarktung von Autorin und Buch.

Dass mit dem selbsternannten „Traditionsverlag“ etwas nicht stimmt, kommt der 59-Jährigen nicht in den Sinn. Sie ist beseelt von dem Lob, geblendet von der historischen Anmutung des „renommierten Verlags“, dem Versprechen von Exklusivität. Die Autorin unterschreibt. Das Buch wird gedruckt – auf minderwertigem Papier und mit Tippfehlern. Beworben wird es kaum. Ebenso wenig verkauft. „Ich hatte einfach keine Erfahrung damit“, sagt Knoch. Doch mit einer Klage scheitert sie vor Gericht, der Vertrag ist wasserdicht, das Gericht sah somit keine Täuschung.Hunderte unerfahrene Autoren werden jedes Jahr Opfer sogenannter Pseudoverlage. / Mehr bei Spiegel Online

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